Uli Hoeneß Demut ist keine Bewährungsauflage

Bald wieder in hoher Position beim FC Bayern? Uli Hoeneß

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Als Freigänger musste Uli Hoeneß sich zurückhalten. Nach der Entlassung darf er tun, was er für richtig hält. Beim FC Bayern ist alles für ihn vorbereitet.

Kommentar von Claudio Catuogno

Die Frage, ob Uli Hoeneß noch einmal Präsident des FC Bayern wird, interessiert auch Menschen, die ansonsten eher wenig Notiz von dem Münchner Klub nehmen. Schon der Fußballmanager und Talkshow-Gast Hoeneß hatte polarisiert, der verurteilte Steuersünder Hoeneß ist endgültig zur Projektionsfläche geworden. Die einen sehen in ihm den selbstgefälligen Patriarchen, der bis zuletzt nicht wahrhaben wollte, dass seine Verdienste ihn nicht über das Recht erheben.

Für die anderen ist er der Macher mit der sozialen Ader, dem Justiz und Medien eine Hetzkampagne zumuteten (Hoeneß selbst neigt letzterer Sichtweise zu). Und nun, da er am 29. Februar vorzeitig aus der Haft entlassen wird, beobachtet das Publikum gespannt, was dieser Mann wohl unter Resozialisierung versteht. Strebt er gleich wieder an die Macht? Oder widmet er sich jetzt erst mal Frau und Kindern, denen er ja auch einiges zugemutet hat?

Die Meinung von Hoeneß war immer gefragt

Fakt ist: Der FC Bayern ist Hoeneß' zweite Familie. Und die Frage, wie der prominente Häftling zurückfindet in den Alltag, stellt sich auch nicht mehr so radikal: Er ist ja längst wieder da. Der Job, den ihm der Klub in der Jugendabteilung verschafft hatte, war Voraussetzung, dass Hoeneß die letzten Monate als Freigänger verbringen durfte. Seine Meinung war immer gefragt. Der Schritt, wieder ein Führungsamt anzustreben, wäre da nur logisch.

Ob ein Bayern-Präsident Hoeneß weiterpoltern würde wie vor der Haft, als man ihn die "Abteilung Attacke" nannte, wäre spannend zu beobachten. Sich öffentlich zurückzuhalten, war Teil des Korsetts, in das sich ein Freigänger fügen muss - sobald die Haftstrafe abgelaufen ist, zählt Demut nicht mehr zu den Bewährungsauflagen. Maßgeblicher als die öffentliche Meinung darüber, was er zu tun oder zu lassen hat, ist für Hoeneß ohnehin, was seine Rückkehr für den FC Bayern bedeuten würde. Oft ist eine Firma ja nicht mehr dieselbe, wenn der Chef eine Weile weg war - sie hat sich ihm entfremdet, sich emanzipiert. Beim FC Bayern hat in den fast zwei Jahren seit dem Strafprozess allerdings keiner die Leerstelle gefüllt, die Hoeneß hinterließ. Sie war schlicht zu groß.

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Alles beim FC Bayern ist für ihn bereitet. Er muss nur noch wollen

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Sportvorstand Matthias Sammer und der eigenwillige Trainer Pep Guardiola haben auf der Arbeitsebene zueinander gefunden - dass ihnen die Reibung guttäte, die der Bauchmensch Hoeneß stets in den Betrieb brachte, haben sie nie bestritten. Und just im Sommer, wenn Hoeneß sich zu seiner Zukunft erklären will, verlässt Guardiola den Klub und wird durch Carlo Ancelotti ersetzt - einen gemütlichen Italiener, der sich der alten Gewohnheit, dass der Bayern-Coach mit dem Präsidenten regelmäßig ein Glas Rotwein trinkt, kaum entziehen dürfte. Bliebe der jetzige Klubchef Karl Hopfner, der zwar als Hoeneß-Widersacher gilt, aber das Platzhalter-Image nie abgestreift und längst kundgetan hat, er werde nie gegen Hoeneß antreten.

Ende des Jahres sind Neuwahlen terminiert beim FC Bayern. Alles ist bereitet. Wenn Uli Hoeneß denn noch mal will.