Von Hans-Jürgen Jakobs

"Mister Privatfernsehen" greift vor seinem Wechsel zur ARD noch einmal zu allen Mitteln. Bei seiner diesjährigen WM-Premiere für RTL setzt Günther Jauch auf einen Mann, der ordentlich was zwischen den Beinen hat.

Im Fernsehen gilt die alte Regel, dass ein Gag ruhig wiederholt werden kann, Hauptsache er ist gut. Die Frage ist: Kann man einen guten Gag rund um Reiner Calmund machen, den Fußball-Verrückten von Bayer Leverkusen?

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2011 wechselt Günther Jauch zur ARD. Für seinen bisherigen Sender RTL moderiert er das WM-Studio - gemeinsam mit Jürgen Klopp. (© dpa)

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Für RTL ist das kein Problem, denn der hochgelobte Moderator Günther Jauch betont gleich zweimal, dass der "Calli" ordentlich "was zwischen den Beinen habe" - und meint damit den Gaul, auf den sich der pfundige Ex-Bundesliga-Manager im TV-Auftrag setzen muss. Der Kölner Privatsender ist bei der Premiere seiner WM-Berichterstattung auf die Idee gekommen, Calmund als Außenkundschafter in Mittel- und Südamerika einzusetzen. "Der Mann ist ein Knaller", lobt Jauch den Leverkusener, der diesmal aus Uruguay berichtet, das an diesem Abend in Südafrika gegen Frankreich spielt.

"Das Tier hat überlebt"

Er reite sich "den Arsch wund", klagt Calmund per Einspielfilm, und RTL-Mann Jauch sorgt sich, ob das Pferd wohl eine Sterbeversicherung habe. Am Ende beruhigt er die Tierschützer, "das Tier hat die Nummer überlebt".

Auch die Zuschauer sollen diesen Parforce-Ritt durch die Witz-Landschaft überlebt haben. Die Aufgabe, mit einer 90-minütigen Vorberichterstattung ein fades WM-Spiel zu übertragen, das 0:0 endet, fordert einen Privatsender auf das Äußerste hinaus. Da kann schon mal etwas in die Hose, sorry, zwischen die Beine gehen, auch wenn solche Gags weder kabarettreif noch ARD-fähig sind.

Jener Günther Jauch, der an diesem Freitag in Berlin auf offener Bühne vor großem Publikum die WM eröffnet, soll ja bekanntlich von Herbst 2011 an sonntags im öffentlich-rechtlichen Ersten Programm eine Talkshow moderieren. Bis dahin ist er journalistisch für RTL aktiv, und das mit allen Mitteln.

Moderator im Führerhaus

Die Südafrika-Ouvertüre moderiert er heiter und gelassen. Seine Fragen setzt er durchweg gekonnt. Sein Timing, seine Präsenz sind unübertroffen. Und er hat mit dem Dortmunder Fußball-Trainer Jürgen Klopp für die WM einen emsigen Plauderpartner zur Seite, der zuvor beim ZDF Erfahrung gesammelt hat. "Wenn Sie ins falsche Programm geschaltet haben, dann kennen Sie ihn vielleicht", erklärt Jauch, ganz Mister Privatfernsehen.

Um seinen "neuen Lebensgefährten" vorzustellen, sitzt der Moderator anfangs sogar im Führerhaus eines Lasters, dessen Fenster ein Schild mit der Aufschrift "Günther" ziert. Auch darauf muss man erst einmal kommen.

Seit Günther Jauch, damals im Zusammenspiel mit Marcel Reif, die lange Zwangspause im Champions-League-Halbfinale 1998 zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund (ein Tor war zusammengebrochen) mit witzigen Dialogen überbrückt hat, gilt er in der Branche als jemand, der mit jeder Sendezeit etwas anfangen kann. Als einer, der aus Stroh Gold macht. Vor dem WM-Spiel in Kapstadt berichtet Jauch Aufregendes von der Anreise ("Die Franzosen, hören wir, steigen gerade aus dem Bus"), was von Klopp mit Wissenswertem angereichert wird: "Es hat sich schon mal Stefan Kuntz bei Aussteigen aus dem Bus verletzt!" Worauf Jauch der Terminus "Kuntzschritt" einfällt.

Leider hat auch dieser Gag nichts Ordentliches zwischen den Beinen.

Aber da ist ja auch noch Jürgen Klinsmann, einst Coach der deutschen Fußball-Elf bei der WM 2006, der jetzt in Südafrika zusammen mit Reporter Florian König für RTL wirkt. "Klinsi" wird mit Oliver Bierhoff zusammengeschaltet, dem verbliebenen Manager der Nationalmannschaft. Der DFB-Mann berichtet: "Die Spannung steigt", und Klinsmann verkündet, das sei "eine gute Truppe", die mit "ein bisschen Glück" weit kommen könne. Aber eigentlich will er Bierhoff jetzt "lieber in Frieden lassen".

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