TSV 1860 München Das schlauste Manöver des Hasan Ismaik

Der "Last Man Standing" hat reagiert: Hasan Ismaik zieht sich von seinen Ämtern zurück.

(Foto: dpa)

Die Nachfolger des Investors bei 1860 München haben erst kürzlich die Seiten gewechselt. Ismaik hat sie abgeworben wie ein Headhunter. Das ist allerhand, könnte aber funktionieren.

Kommentar von Philipp Schneider

Hamada Iraki, jener smarte Investmentbanker, der Hasan Ismaik im Jahr 2011 überhaupt erst in sein großes Abenteuer beim TSV 1860 München geredet hatte, hielt es noch am längsten aus. Zweieinhalb Jahre gab er den treuen Vasallen des Jordaniers, er saß für ihn in Beirat und Aufsichtsrat, auch geschäftlich waren die zwei verbandelt, gemeinsam besaßen sie die Vermarktungsagentur HI Squared. Dann haben sich die zwei verkracht. Oder wie es in solchen Fällen oft so schön heißt: Dann wendete sich Iraki anderen beruflichen Herausforderungen zu.

Diese Ausrede wiederum gab es weder bei Noor Basha, Ismaiks Cousin, inzwischen Student an der LMU, der der nächste Statthalter Ismaiks in München wurde. Oder bei Ulrich Bez, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Aston Martin, mit dem Ismaik eine Freundschaft verband und den er ebenfalls als Vertrauensmann bei 1860 installierte - ehe sich die zwei verkrachten. Von Bez gibt es den schönen Satz: "Man muss Grenzen testen, im organisierten Chaos arbeiten." Damit meinte er die Automobilbranche. Bei 1860 war er schnell wieder weg.

Zwei Männer wechseln die Seiten

Grenzen testen im Auftrag Ismaiks beim in die Regionalliga abgestürzten Klub bald zwei Männer, die sehr unterschiedlich sind. Auf der einen Seite Peter Cassalette, der ehemalige Sechzig-Präsident, der, warum auch immer, am Tag seiner Vorstellung einen Plüschlöwen auf das Podium stellte, der Sechzigs sportlichen Geldverbrennungskurs mit Spielern und Trainern aus allen Nationen durchwinkte und ansonsten als der Löwenpräsident mit den wenigsten Widerworten in die Klubhistorie eingehen wird. Cassalette arbeitet nun offiziell für Ismaik und rückt als sein Stellvertreter in die Gremien. Genau wie Saki Stimoniaris, der als MAN-Betriebsrat für Widerworte bezahlt wird, bei 1860 zuletzt erst aus dem Verwaltungsrat geschieden ist und nun also ebenfalls die Seiten wechselte. Diese ehrliche Positionierung schafft zumindest etwas Transparenz an der Grünwalder Straße.

Hasan Ismaiks bislang schlaustes Manöver bei 1860 geht so: Er ernennt die ehemaligen e.V.-Funktionäre Cassalette und Stimoniaris. Nachdem er sie abgeworben hat wie ein Headhunter. Er zieht sich selbst zurück aus dem einzigen Gremium, in dem er den Vorsitz bestimmt. Und parallel dazu werden die Kompetenzen des Aufsichtsrats aufgewertet. Das ist allerhand.

Ismaik selbst war ja zuletzt so etwas wie der Last Man Standing bei 1860. Er war der einzige Mensch, der immer im Aufsichtsrat saß. Seine eigenen Mitstreiter tauschte er regelmäßig aus, und nicht selten im Groll. Die e.V.-Präsidenten wechselten bekanntlich ähnlich oft. Zum ersten Mal seit dem Einstieg des Jordaniers sitzen nun sechs Personen am Tisch, die zumindest mal ein paar Dinge gemeinsam haben. Sie wohnen alle in München. Sie sind fast alle im e.V. sozialisiert. Und sie können miteinander diskutieren, weil es keine Sprachbarrieren mehr gibt.

Vor allem aber wird der Aufsichtsrat erstmals regelmäßig tagen. Für die e.V.-Vertreter bedeutet das, dass sie sich nicht mehr mit dem Argument herausreden können, Ismaik sei nicht zu erreichen, seine Meinung sei demnach nicht bekannt. Funktionieren kann die neue Arbeitswelt bei 1860 trotzdem nur, wenn Ismaik seinen Vertrauten diesmal etwas länger die Treue hält.

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