Transferpolitik im Fußball Fairplay mit Fehlkonstruktion

Ist das Fairplay? André Schürrle wechselt für mehr als 30 Millionen Euro zum VW-Klub Wolfsburg.

(Foto: dpa)

Der Welttransfermarkt im Fußball ist überhitzt, das zeigt auch der Wechsel von André Schürrle. Finanzielles Fairplay soll für Abkühlung sorgen - doch die bisherigen Regelungen sind fragwürdig.

Kommentar von Johannes Aumüller

Zur Ehrenrettung des VfL Wolfsburg sei an dieser Stelle an die Herren Danny und Adam Lallana erinnert. Der eine spielt für Sankt Petersburg, der andere für Liverpool, und beide sind Teil eines zirka 100 Namen umfassenden Zirkels: jener Fußballer, für die eine Ablöse von 30 Millionen Euro oder mehr bezahlt wurde. Und wenn diese zwei qualifizierten, aber vom Höchstniveau weit entfernten Spieler so viel kosten, dann darf ein Verein eine solche Summe auch für einen Spieler berappen, dessen linkes Bein den deutschen WM-Sieg eingeleitet hat.

Der Welttransfermarkt ist überhitzt, das ist seit Jahren so, und das ist bedauerlich. Gleichwohl ist es so erwartbar wie berechtigt, dass auf den Schürrle-Wechsel mal wieder die Debatte folgt, ob derartige Summen zu vertreten sind. Neuerdings ist das doppelt spannend, weil sich zur alten moralischen Frage "Darf ein Fußballer so viel kosten?" nun eine scheinbar juristische gesellt: Ist so ein Transfer mit dem Financial Fairplay vereinbar?

Financial Fairplay. So heißt das Zauberwort, das der Europa-Verband Uefa seit geraumer Zeit den finanziellen Auswüchsen entgegensetzt. Vereinfacht gesagt soll es zweierlei bewerkstelligen: a) Klubs dürfen nur noch so viel ausgeben, wie sie einnehmen; b) Klubs müssen dies ohne maßlose Zuwendungen von Investoren schaffen. Das klingt nach einem edlen Ansatz, doch de facto gibt es einige Konstruktionsfehler.

Schwierige Entscheidung, was "angemessen" ist

So sind ab jetzt zwar ausgeglichene Jahresbilanzen Pflicht, aber die Verschuldungsquote ist egal. Wer also in den vergangenen Jahren im Übermaß gelebt hat und sich mit teuren Stars Erfolg und erhöhte Sponsoreneinnahmen verschafft hat, muss nichts fürchten. Wer hingegen ein solides wirtschaftliches Fundament aufgebaut hat und nun zur sportlichen Weiterentwicklung auch mal ein paar Schulden machen möchte, hat das Nachsehen. Wettbewerbsrechtler rügen das scharf, sie sehen das Financial Fairplay nur als Mittel, um die Position von Europas führenden Klubs zu zementieren.

Ein anderer Punkt, der speziell in der Causa Wolfsburg interessant ist: Die Uefa will verhindern, dass große Konzerne wie VW oder reiche Mäzene ihre Zuschüsse über getarnte Sponsorenleistungen tätigen, sie fordert daher "angemessene" Tarife für Werbeleistungen. Aber lässt sich wirklich fundiert und neutral entscheiden, was angemessen ist? Zumal sich im Fußball mit einem einzigen Spiel, einer einzigen Spieler-Verletzung der Werbewert des Vereins stark verändern kann.

Neben den strukturellen Defiziten haben die ersten Financial-Fairplay-Verstöße gezeigt, dass die Sanktionen im Zweifel fragwürdig sind. Der unbedeutende FC Malaga etwa flog aus dem Europapokal. Paris St. Germain, dank Geldgebern aus Katar auf dem Transfermarkt exzessiv aktiv, kam mit einer Geldstrafe (60 Millionen Euro) davon - und kaufte danach trotzig David Luiz für 50 Millionen Euro.

Solange der Fußball sich keine anderen Instrumente überlegt als das Financial Fairplay, wird es auch in näherer Zukunft ein paar Schürrles geben, die 30 Millionen Euro und mehr kosten. Und sogar ein paar Dannys und Lallanas.