Trainer-Manieren Fuchtler, Pöhler, Zyniker

Christian Streich: Gestenreich an der Seitenlinie

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Christian Streich tobt an der Seitenlinie, Jürgen Klopp poltert ironisch durchs TV-Studio und Pep Guardiola provoziert ein Wortgerangel mit einem Reporter - die Knigge-Debatte über Trainier-Manieren ist längst entbrannt. Ihr Verhalten hat auch direkten Einfluss auf ihr Team.

Von Christof Kneer

Christian Streich ist natürlich ein Sonderfall. Er ist mit keinem anderen Trainer zu vergleichen, außer vielleicht mit Christian Streich. Verkürzt gesagt verhält es sich bei Streich so, dass er gerne am Spielfeldrand herumtobt, und zwar in drei streng zu unterscheidenden Szenarien: Er tobt, wenn es keinen Freistoß für die eigene Mannschaft gibt, obwohl die Anderen die Eigenen gefoult haben. Er tobt auch, wenn es Freistoß für die Eigenen gibt, weil die Anderen die Eigenen dann ja gefoult haben. Und er tobt bei allen Szenen dazwischen.

Klopp-Ärger im ZDF-Studio "Die Sache ist durch, oder?"

ZDF-Moderator Jochen Breyer stellt Jürgen Klopp nach dem 0:3 gegen Real Madrid eine Frage - und verärgert den BVB-Trainer derart, dass dieser polternd das Studio verlässt. Am Tag danach ist der Journalist Twitter-Trend - und findet die Frage selber "dämlich".

Jürgen Klopp ist ebenfalls ein Sonderfall. Auch er ist ein versierter Veitstänzer, und immer häufiger gelingt es ihm, seine selbstkreierte Form von pöhlerhafter Ironie ins Fernsehstudio hinüber zu retten. Dann gerät er dort mit ZDF-Moderatoren und/oder ehemaligen Nationaltorhütern aneinander, wie am Mittwochabend nach dem 0:3 in Madrid.

Pep Guardiola ist auch ein Sonderfall. Sein Furor am Spielfeldrand gilt meist nur Spielern, die sich eines falschen Laufwegs schuldig gemacht haben, aber nach dem Spiel in Manchester hat auch er sich ein Wortgerangel mit einem Reporter geliefert, den er mit einem erzieherischen Hinweis in die Nacht entließ ("Schau mich an, wenn ich mit dir rede").

José Mourinho ist sowieso ein Sonderfall. Er hat die Verschwörungstheorie als taktisches Mittel etabliert, und als Trainer von Real Madrid hat er mal den gegnerischen Co-Trainer am Ohr ziehen wollen und ist mit dem Finger versehentlich in dessen Auge gelandet. Am vorigen Wochenende, nach der 0:1-Niederlage seines FC Chelsea bei Crystal Palace, hat er vermutlich versehentlich einen 12-jährigen Balljungen bedroht, der den Ball nicht schnell genug rausrückte. Wenn er das noch mal mache, so Mourinho zum 12-Jährigen, "dann wird dich eines Tages jemand mit der Faust schlagen".