Alberto Contador, der nächste fragwürdige Tour-Sieger, schmiedet unbehelligt Pläne - ohne seinen bisherigen Teamkollegen Lance Armstrong.
Vier Übersetzer sitzen neben Alberto Contador, zwei des Veranstalters, sein persönlicher Sprecher und der seiner derzeitigen Arbeitgebers. Der Mann von Astana, ein durchaus freundlicher Belgier, muss aber nichts sagen in der kommenden halben Stunde, sondern nur ein bisschen in sich hineinschmunzeln. Das ist schade, denn man wüsste gerne, ob jetzt, da der Spanier Contador für den kasachischen Rennstall die Tour de France gewonnen hat, die Menschen in der Hauptstadt Astana in Autokorsos rund um den Bajterek-Turm unterwegs sind. Vermutlich ist das aber nicht der Fall, denn die Tour spricht in diesem Jahr spanisch, was nicht unbedingt Gutes bedeutet für das Rennen und den Radsport. Zum Glück sagt Contador aber "bueno", immer wieder, jede seiner Einlassungen, die kaum eine der Fragen beantworten, beginnt so: gut.
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Ganz in Gelb: Alberto Contador. (© Foto: AFP)
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Der traditionelle Besuch des Toursiegers vor der internationalen Presse am dritten Samstag der Rundfahrt ist seit einigen Jahren schon ein sonderbarer Termin. 2005 gewann Lance Armstrong das siebte Mal, danach trat er in den Ruhestand, was aber gar nicht stimmte, wie man heute weiß, da er zurück ist und diesmal Dritter hinter dem Luxemburger Andy Schleck geworden ist. Sechs der ersten Zehn von 2005 sind inzwischen des Dopings überführt, Armstrong, bei dem in Nachtests Epo gefunden wurde, nicht mal eingeschlossen.
2006, nach dem Eklat um Jan Ullrich und Ivan Basso, gewann Floyd Landis, und am letzten Toursamstag fragte man ihn, wofür er in diesem schweren Moment seines Sports stehen wolle. Da kam nichts. Ein paar Tage später war auch er überführt. 2007 siegte Contador, auch weil Michael Rasmussen kurz zuvor suspendiert worden war, und 2008 Carlos Sastre, ein 33-jähriger Spanier. Wieder kam nichts außer bueno.
In Gelb bis zu den Socken
Nun sitzt Alberto Contador, 26, neben seinen vier Dolmetschern, "bueno", sagt er und entgegnet zu den jüngsten Stimmen auch von Wissenschaftlern, die sich über seine physischen Rekordwerte erstaunt gezeigt hatten: Das interessiere ihn nicht sonderlich, "ich habe jede Kontrolle passiert und stehe auch 365 Tage im Jahr für welche zur Verfügung".
Contador bleibt einstweilen unbehelligt, seine Kundschaft beim Dopingarzt Fuentes, die Gerüchte über Ausnahmegenehmigungen im Gesundheitspass, sein zweifelhaftes sportliches Umfeld, aus dem er stammt, dies alles überstrahlt seine gelbe Montur. Die Hose, die Socken, selbst das Logo auf seiner Kappe, eine Hand in Schusshaltung, jene Geste, die er bei seinem Sieg in Verbier gezeigt hatte, dies alles ist in der Farbe des Maillot Jaune gehalten. "Bueno", sagt Contador dann noch, eine schwierige Tour sei das gewesen, und das stimmt wohl.
Er ist ja der Fremde im Team Astana gewesen, das Armstrong dominierte; der mobbte den Madrilenen mehr oder weniger, weil er selber gewinnen wollte. Komplizierte Sache, sagt Contador, "es war immer davon abhängig, wie die Dinge für ihn liefen". Aber für ihn sei es ja klasse gelaufen, gute Vorbereitung, tolles Training. Demnach alles bueno.
Die Wege trennen sich jetzt natürlich, Armstrong fährt 2010 für das neue US-Team RadioShack, sein Team. "Ich werde in einem anderen Projekt sein", sagt Contador, "vielleicht in einer Mannschaft, die um mich herum gebaut wird." Es dürfte nun recht interessant sein zu sehen, wie sich diese Umbauten vollziehen. Als seinen Trainer nennt Contador ja Pepe Martí, einen geheimnisvollen Mann aus Valencia - der seit zehn Jahren für Armstrongs Teams arbeitete, US-Postal, Discovery und nun Astana.
Das nächste Duell, die Revanche hat wohl schon begonnen, aus Armstrongs Entourage verlautete, erster Zugang sei Heimar Zubeldia, ein Spanier, der sich bei der Tour offen auf die Seite Contadors stellte. So oder so, man sieht sich wieder, nächstes Jahr, auch Astana wird ja kommen, gern mit Dopingsünder Alexander Winokurow, der Sonntag die kasachische Delegation auf den Champs-Élysées begleitete.
Um den Toursieg dürfte sich aber auch Andy Schleck bewerben, der neueste Wunderknabe aus dem Stall des Dänen Bjarne Riis, dem Großonkel des Sportbetrugs. Armstrong nicht zu vergessen, "ich werde nächstes Jahr stärker sein", sagte der 37-Jährige, der auf dem Mont Ventoux alle Angriffe der Schleck-Brüder kontern konnte. Den prestigeträchtigen Tagessieg holte Juan Manuel Garate, ein, nunja, 33-jähriger Spanier. Es war der vierte iberische Sieg im Hochgebirge bei dieser Tour. Tony Martin, der deutsche Debütant, mit dem Garate noch 4:40 Minuten Vorsprung am Fuße des "irdischen Mondes" (NZZ ) auf die Favoriten besaß, konnte dem erfahrenen Spanier im Spurt nicht folgen.
Auch Alberto Contador ist wieder allen entwischt, nicht nur am Berg. Am Ende der halben Stunde pariert er auf seine Art auch die Frage, ob er an ein sauberes Feld glaube. "Es gab hier keinen Dopingskandal", sagt er, "das ist ein großer Sieg für den Radsport."
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(SZ vom 27.07.2009/dop)
Der Flügelflitzer
Lieber Al-DO wenn hier etwas niemanden interessiert, dann sind es ihre ständig gleichen Kommentare. Mein Lieber Herr, sie machen sich so langsam lächerlich. Über Ihre Motive wurde schon gerätselt, aber selbst für einen Vertreter der deutschen Faustball Union sind Ihre sinnfreien Beiträge etwas zu penetrant ;) .
Aufgrund Ihrer, für einen Uninteressierten sehr bemerkenswerten Informiertheit, haben sie sicher die Auffahrt zum Mont Ventoux gesehen. Angesichts der Menschenmassen am Straßenrand kann man schwerlich behaupten, die Tour würde "Niemanden" interessieren.
Laßt sie radfahren, lasst sie in Paris rauf und runter fahren und lasst den Leuten, die sich da hin stellen und sich an dem Spektakel erfreuen, ihr Vergnügen, aber berichten Sie nicht mehr so ausführlich darüber, denn das interessiert hier offenbar niemanden mehr.
Alle Jahre wieder:
Die Franzosen zelebrieren ihr Sommermärchen (obwohl französische Fahrer seit Jahrzehnten keine Rolle mehr gespielt haben), Spanier, Italiener, Amerikaner, sogar Luxemburger und Kasachen feiern mit, nur die Deutschen kauern mal wieder im Schmollwinkel ...
"... sind doch alle gedopt ..." zetern die sogenannten Sportjournalisten .. und schaffen es tatsächlich, die Sportfans nachhaltig zu vergraulen.
Dabei ist der Deutschen Haltung zum Thema ja drollig bigott: auf der einen Seite färben sie absichtliche Regelverstöße als "taktische Fouls" schön oder verniedlichen sie als "Schwalben", während sie sich auf der anderen Seite (vorrangig dort, wo die eigenen Athleten hinterherjapsen) lauthals über "Sportbetrug" entrüsten ..
Bitte, wer belügt und betrügt hier eigentlich wen?
Diejenigen, die das tun, was alle ihre Konkurrenten auch machen, nämlich den eigenen Körper über dessen natürliche Leistungsgrenzen hinweg manipulieren,
oder jene, die uns unverdrossen die Illusion vom "sauberen" Sport vorgaukeln?
Wann wird man es endlich auch im Land der Richter und Henker begreifen:
sauberen, im Sinne von manipulationsfreien, Hochleistungssport kann es nicht geben,
das, was wir "Doping" nennen (übrigens ohne "saubere" Definition), ist konstitutiver Teil des Systems.
Ergo: entweder wir entsagen dem ganzen System "Hochleistungssport" oder handhaben es wie die Anderen und feiern einfach mit ...!
auch wenn dem Radport ein gewisser geruch anhängt.. solange niemand verurteilt ist, hat auchniemand etwas verbrochen - dem Autor scheint dieser Rechtsgrundsatz entgangen zu sein!
was kannd er radsport machen.. erwisch man keinen - wars nicht sauber, sondern nicht genug getestet, oder gut getrickst, und erwischt man einen - tönts aus der schreiberzunft höhnend.. wir habens ja imemr schon gewusst und geschrieben
komisch - in anderes sportarten ist wohl nie was.. rund um tim bolt - dopingvorwürfe..
herr burkert - wäre das auch nicht noch ein unbeackertes betätigungsfeld für sie??? oder sind sie auf den radport fixiert???
es reicht mit dem rumgeprügle auf den radsport - glaubwürdig ist KEINE sportart (mehr)
aber - die lobby lässt wohl grüssen.. nur der fussbal.. und allem voran wohl FC Bollywood ist sauberer als ein neugeborenes...
Es wäre ja mal toll, wenn in der gleichen Verve die Fußball-Bundesliga unter die Dopinglupe genommen werden würde.
Grundsätzlich hab ich für kritische Berichterstattung sehr viel übrig. Aber wenn sich kritische Berichterstattung nicht auch an Veranstaltungen mit einer weitaus größeren und mächtigeren Lobby (und die des Fußballs ist ohne Zweifel eine solche) heranttraut, dann versagt sie im Endeffekt.
Mit der Tour de France hat sich die Süddeutsche nun ein paar Jahre gemessen und kann erhobenen Hauptes in die Redaktionsstube zurückkehren - Hut ab!
Doch wenn jetzt nicht die Größeren angegangen werden, dann verkommt der bisherige Einsatz für einen sauberen Sport zur Farce!
Paging