Unfaires Tor in der Champions League Verzweifelte Dänen

Das ging wenige Meter gut. Dann kam Mittelfeldspieler Taras Stepanenko, der von der Absprache offensichtlich nichts mitbekommen hatte. Oder nichts mitbekommen haben wollte. Schnell war Nordstrand den Ball wieder los. "Die eine Hälfte des Teams wollte, die andere wollte nicht", klagte Nordsjællands Sportdirektor Jan Laursen. "Wir wollten dem Gegner die Gelegenheit geben, ein Tor zu schießen", sagte auch Lucescu. Doch Stepanenko hatte etwas dagegen. Der Coach bekannte: "Ich möchte mich für das geschossene Tor entschuldigen."

Die Reaktionen bei den Dänen waren verzweifelt. Gleich mehrere Akteure wedelten heftig mit den Armen, sie zeterten und protestierten. "Ihr Angreifer hat es einfach nicht kapiert", klagte Kapitän Stockholm nach der Partie: "Ich habe auf meine Armbinde gesehen, und dort steht etwas von Respekt. Aber ich muss sagen, dass wir davon nicht viel gesehen haben." Unterdessen hatte Adriano an der Mittellinie seine Kollegen zum Weiterspielen animiert - er glaubte weiterhin, alles richtig gemacht zu haben. "Ich bin froh über alle meine Tore, auch über das erste", sagte er kurz vor der Abreise.

Das sah vor allem die dänische Presse später anders. Jyllands-Posten, die auflagenstärkste Zeitung des Landes, sprach von einem "absurden Skandal", das Boulevardblatt B.T. schrieb: "Die Bösen haben den Sieg zusammengeklaut." Und sogar die Lautsprecher der deutschen Sportbild kürten die Aktion schnell zum "schmutzigsten Sieg des Jahres".

Auch Heiko Vogel, der frühere Trainer des FC Basel, sagte bei Sky: "Es gibt so was wie eine Ethik. Und die sollte es auch geben in Zeiten des Kommerzes. Ich glaube, im Falle von Schachtjor, die haben so eine tolle Mannschaft, die haben das nicht nötig. Sie hätten auch ohne den Betrug gewonnen. Aber es geht halt auch um viel Geld."

Adrianos Ruf in Dänemark ist nachhaltig ruiniert, daran besteht kein Zweifel, größere Auswirkungen dürfte sein Tor jedoch nicht nach sich ziehen. Zu eindeutig war das Ergebnis: Nach dem 1:1 ging Nordsjælland durch Lorentzen sogar noch einmal in Führung (2:1), dann spielte jedoch Donezk seine zweifellos vorhandene Klasse aus. Am Ende stand es 2:5, Donezk qualifizierte sich damit fürs Achtelfinale. Erst traf Willian doppelt (44., 50.), dann schoss Adriano seine Treffer zwei und drei. Diesmal übrigens absolut fair.