Tennis Nadal und die Dopingvorwürfe: "Jetzt ist es zu viel für mich"

Hat genug von den Dopingvorwürfen gegen ihn: Tennisspieler Rafael Nadal

(Foto: AFP)

Normalerweise spricht Rafael Nadal nur über Tennis. Doch nach neuen Dopingvorwürfen wehrt er sich - und kündigt rechtliche Schritte gegen eine Ex-Ministerin an.

Von Gerald Kleffmann

Rafael Nadal ist eine Größe. Er hat 14 Grand-Slam-Titel errungen. Er ist reich. Fans verehren ihn, auch wenn er um seine frühere Bestform kämpft. Er zählt neben Novak Djokovic, Roger Federer und Andy Murray zu den großen Vier, The Big Four. Sein zurückhaltendes Auftreten kommt an. Es passiert so gut wie nie, dass der Mallorquiner richtig aus sich heraus geht und wütend reagiert.

Am Sonntagabend beim millionenschweren Tennisturnier in Indian Wells ist allerdings genau das passiert. Nadal war sauer. Mächtig sauer. Daher wollte er dringend eine Botschaft loswerden. Die Adressatin war keine geringere als die frühere französische Gesundheits- und Sportministerin - und alle, die das behaupten, was Roselyne Bachelot behauptet hatte.

Nadal habe mit einer langen Verletzungspause 2012 einen positiven Dopingbefund kaschieren wollen - das hatte die 69 Jahre alte Politikerin in einer TV-Show gesagt. Der Fall entwickelte sich rasch zum Politikum, Beweise konnte sie ja nicht vorlegen. Spaniens Sportpolitik, seit Langem überkreuz mit der französischen, griff die Steilvorlage auf und fiel über Bachelot her - ähnlich wie Toni Nadal. Rafaels Onkel und ewiger Trainer bezeichnete sie als "stupide". Kurz sah es aus, als sollte der Fall damit beendet sein. Aber nur sehr kurz.

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Seitdem auch die Dopingaffäre um die Russin Maria Scharapowa aufschlug, herrscht unübersehbar Nervosität in der Branche; Nadals Berater haben in Zuge dessen offenbar entschieden, dass Beschimpfungen nicht ausreichen, um ein Zeichen bei diesem heiklen Thema zu setzen. Nadal will, das verkündete er, der sonst meist über Topspinschläge und die Form spricht, nun gegen jeden juristische Schritte einleiten, der ihm Dopinggebrauch unterstelle.

"Das alles ermüdet mich. Seit ich fünf Jahre alt bin, arbeite ich viel, immer mit Ehrlichkeit, Leidenschaft, Intensität und Liebe für den Sport", versicherte Nadal. Er gab zwar zu, dass er nicht das erste Mal solche Kommentare wie jene von Bachelot vernommen habe. Bislang habe er nur nie darauf reagiert, weil er die Absender für unseriöse Personen gehalten habe. Ab sofort werde Nadal anders vorgehen - und sich "rechtlich dagegen wehren". Denn: "Jetzt ist es zu viel für mich." Sein 6:2, 2:6, 6:4-Zweitrundensieg gegen den Luxemburger Gilles Muller war zu diesem Zeitpunkt längst unerheblich geworden.

Nadal fordert Strafe für Scharapowa

Zum Auftritt Nadals passte seine Haltung gegenüber Scharapowa, die zehn Jahre lang ein Mittel für Herzkranke einnahm und nicht mitbekommen haben will, dass es seit Anfang 2016 auf der Dopingliste steht. "Es ist schwer vorstellbar, dass so etwas passiert. Für Maria möchte ich glauben, dass es ein Fehler war. Sie wollte es nicht tun", sagte Nadal und forderte: "Aber es war offensichtlich fahrlässig. Sie muss dafür bezahlen." So sportpolitisch hart hat Nadal, immerhin seit 2001 Profi, noch nie gesprochen. Es sind wahrlich spezielle Zeiten im Welttennis.

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