Streit um Dopingtests Wie Joghurt aus dem Supermarkt

  • Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) lässt auch mit abgelaufenem Material testen.
  • Experten warnen: Kontrollen mit alten Röhrchen können zu falschen Ergebnissen führen.
  • Die Nada teilt die Bedenken nicht.
Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Die Blutentnahme war schon eine Weile vorbei, der Dopingkontrolleur hatte das Haus bereits verlassen. Doch als der getestete Athlet die Verpackung entsorgen wollte, mit der die Utensilien für eine Kontrolle umwickelt sind, fiel ihm etwas auf: das Haltbarkeitsdatum, das auf dem sogenannten Kit aufgedruckt war. Es war einige Monate überschritten.

Was der Athlet seinem Anwalt schilderte, klingt nach einer ungewöhnlichen Panne, die nicht vorkommen sollte, bei den vielen Kontrollen aber mal vorkommen kann. Geht man dem Fall nach, tritt bei den verantwortlichen Instanzen aber eine Haltung zutage, die Zweifel an der Integrität des Anti-Doping-Systems schüren könnte. Denn für die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) spielt es keine Rolle, ob das Haltbarkeitsdatum der genutzten Utensilien abgelaufen war oder nicht. Die Probe zählt.

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In der Regel stellt die Firma Berlinger alles zusammen, was der Kontrolleur für die Kontrolle braucht. Auf den verpackten Nadeln und Röhrchen steht ein Haltbarkeitsdatum, ebenso auf einem Etikett auf der Tüte. Die von der Nada beauftragten Kontrollfirmen kaufen das Material und verteilen es an die Tester. Normalerweise gehört es zu den Aufgaben der Firmen, darauf zu achten, dass keine abgelaufenen Kits benutzt werden. Nada und Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sagen, sie hätten diesen Fall noch nie gehabt. Passieren kann es offenbar doch. Dem Sportrechtler Rainer Cherkeh aus Hannover sind inzwischen drei Fälle bekannt, in denen Mandanten ihm von der Verwendung abgelaufener Utensilien bei Blutkontrollen berichteten.

Zwei problematische Aspekte

Besonders wichtig ist die Haltbarkeitsfrage bei den Röhrchen, durch die das entnommene Blut fließt. Der Stuttgarter Labormediziner Matthias Orth verweist auf zwei problematische Aspekte: Zum einen könne das Vakuum aufgrund zu langer Lagerung vermindert sein und zu falschen Mischungsvolumina führen, zum anderen sind Zusatzstoffe im Röhrchen.

"Sind die Röhrchen abgelaufen, kann es zu Beeinträchtigungen des Ergebnisses kommen. Im Anti-Doping-Kampf wollen Sie Veränderungen dokumentieren, die in einem minimalen Bereich liegen, da müssen Sie sichergehen, dass es durch keinen äußeren Faktor zu einer noch so geringen Verfälschung kommen kann", sagt Orth, Vorstand im Berufsverband Deutscher Laborärzte: "Wir haben öfter gemerkt, dass bei Proben aus abgelaufenen Röhrchen unplausible Werte herauskamen. Besonders in einem forensischen Labor dürfen Sie niemals abgelaufene Röhrchen benutzen."

Die Nada teilt diese Bedenken nicht. Sie erklärt, dass eine Probe weiterhin valide und rechtlich verwertbar bleibe. Weder der Wada-Code noch die einschlägigen Standards würden diesbezüglich Vorgaben machen. Zudem lägen ihr keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, nach denen sich Material mit überschrittener Haltbarkeit auf das Analyseergebnis auswirkt. Nach dem Motto: Auch ein Joghurt aus dem Kühlregal im Supermarkt lässt sich gegebenenfalls noch ein paar Tage nach dem aufgedruckten Datum verzehren.