Sponsoring beim 1. FC Nürnberg Die Crowd sammelt fürs Max-Morlock-Stadion

Das Stadion in Nürnberg könnte bald anders heißen.

(Foto: dpa)
  • Das Stadion des 1. FC Nürnberg könnte bald so heißen, wie viele Fans sich das wünschen: "Max Morlock Stadion".
  • Möglich wird der lang gehegte Traum der Anhänger unter anderem durch eine Crowdfunding-Kampagne.
  • Eine Nürnberger Bank will von der Aktion profitieren.
Von Felicitas Wilke

Fußballfans des 1. FC Nürnberg haben es nicht leicht. Zu oft ist ihr geliebter Club in die zweite Bundesliga abgestiegen, zu viele wertvolle Spieler verlor er an Erstligisten. Und zu lange mussten sich die Anhänger mit Stadionnamen herumschlagen, die ihrer Ansicht nach eines Traditionsvereins und neunmaligen deutschen Meisters unwürdig waren. Vor elf Jahren hatte eine Kreditbank die Namensrechte am Frankenstadion erworben und taufte es Easycredit-Stadion.

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Die Fans wüteten und gaben auch keine Ruhe, als der Sponsorenvertrag ausgelaufen war und die Sportstätte zwischenzeitlich Grundig-Stadion und Stadion Nürnberg hieß. Sie kämpften für ihren Traum vom Max-Morlock-Stadion. Einer Arena, benannt nach dem Fußballer, der fast ein Vierteljahrhundert für den Verein stürmte und 1954 Weltmeister wurde.

Jetzt könnte der Traum wahr werden. Und eine Bank darf sich, wenn alles gut geht, über einen Marketing-Coup freuen. Die Consorsbank mit Sitz in Nürnberg hat kürzlich bekannt gegeben, dass sie von Ende März an eine sechswöchige Crowdfunding-Kampagne ins Leben rufen will. Wenn die Club-Fans und andere Geldgeber insgesamt 800 000 Euro sammeln, gibt die Direktbank noch mal gut das Dreifache hinzu, um das Stadion für drei Jahre nach Max Morlock zu benennen.

Mit dieser Aktion wolle man möglichst viele Menschen erreichen und den Club-Fans helfen, ihren Wunsch zu erfüllen, sagt die Bank. "Das ist prinzipiell eine charmante Idee", findet Gerd Nufer, Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing in Reutlingen.

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Indem sich ein Sponsor bei den Fans beliebt macht statt auf die Namensrechte zu pochen, steigere er seinen Bekanntheitsgrad und sein Image. Indirekt könne das Unternehmen auch finanziell von der Aktion profitieren, sagt Nufer. Nämlich dann, wenn begeisterte Fußballfans ein Konto oder Depot bei der Bank eröffnen.

Es ist 16 Jahre her, als ein deutscher Spitzenklub erstmals seine Namensrechte an ein Unternehmen verkaufte. Aus dem Hamburger Volksparkstadion wurde die AOL-Arena. Später trug das HSV-Stadion die Namen der krisengebeutelten HSH Nordbank und des irgendwann insolventen Gebäudetechnikers Imtech. Das war zu viel der Symbolik für einen Verein, dem es sportlich eher mau geht. Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne kaufte vor zwei Jahren die Rechte am Stadion.

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Bis 2019 heißt die Arena wieder Volksparkstadion. Dass die Fans nicht nur den alten Namen zurück bekommen, sondern sogar spezielle Wünsche berücksichtigt werden, ist eine relativ neue Idee. Der Chemiekonzern Merck erhielt vor einigen Monaten bundesweit Anerkennung von Fußballbegeisterten, als er bekannt gab, in der laufenden Saison auf seine Namensrechte am Darmstädter Stadion zu verzichten. Ein Jahr lang trägt die Spielstätte den Namen Jonathan Heimes, ein Darmstädter Fan und Vereinsidol, der im März 2016 an Krebs gestorben ist.

Nach Darmstadt soll nun also das Nürnberger Stadion den Namen einer Identifikationsfigur erhalten. "Das Beispiel scheint Schule zu machen", sagt Nufer. Ob die Allianz bald eine Gerd-Müller-Arena aus dem Stadion in München macht? Oder der Signal-Iduna-Park zur Aki-Schmidt-Kampfbahn wird? "Ich warne davor, dass jetzt jeder Sponsor auf diese Idee kommt", sagt Nufer. Wenn sich die Fans zu sehr daran gewöhnen, halte sich der Imagegewinn irgendwann in Grenzen.