Speerwerferin Linda Stahl im Interview Und nebenher die Doktorarbeit

"Muss etwas in der Hinterhand haben": Speerwerferin Linda Stahl.

(Foto: dpa)

Wo liegen die Grenzen der Selbstvermarktung? Linda Stahl, Weltjahresbeste im Speerwerfen und Ärztin, spricht im Interview über den Spagat zwischen Leistungssport und Medizinstudium - und den Mut, auch mal keine Sprüche zu klopfen.

Von Thomas Hahn

Seit Jahren zählt Linda Stahl zu den Leichtathleten, die den deutschen Verband bei Großveranstaltungen zuverlässig vertreten. Keinen Saisonhöhepunkt hat sie seit 2009 verpasst, die Speerwerferin wurde 2010 Europameisterin, bei den Olympischen Spielen 2o12 in London gewann sie Bronze. Die Leverkusenerin ist im Sport bekannt wie ihre erfolgreichen Kollegen in den Wurf- und Sprungdisziplinen.

Doch anders als viele Medaillenkandidaten der modernen Leichtathletik tritt die 28-Jährige vergleichsweise still auf. "Ich klopfe nicht so große Sprüche", sagt sie vor Beginn der Europameisterschaft in Zürich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

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Das hat immer auch mit der Persönlichkeit zu tun, aber auch mit den Lebensumständen. Stahl hat Medizin studiert, sie beginnt im Oktober in einem Krankenhaus als Ärztin, der Aufwand der dualen Karriere ist zuweilen aufreibend: "Zur Examenszeit habe ich manchmal nur vier, fünf Stunden geschlafen", sagt sie.

Als Leichtathletik-Profi zu arbeiten, kommt aber für Stahl nicht infrage: "Meine Eltern sind Lehrer, für die war die Ausbildung immer das wichtigste: ,Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung. Der Sport ist ja nur so ein Hobby von dir.' Aber ich weiß selbst: Im Sport ist man nur für eine kurze Zeit richtig gut." Auch wenn sie, anders als zum Beispiel Diskus-Olympiasieger Robert Harting, keine Klagen über das Auskommen als Top-Athletin führt, denkt sie strategisch: "Es kann in jedem Moment vorbei sein - dann muss ich was in der Hinterhand haben."

Es geht ihr aber nicht nur um die finanzielle Unabhängigkeit und einen erfüllenden Beruf, sondern auch um einen Kontrast zum Sport: "Ich habe von 2011 bis zu Olympia 2012 für meine Verhältnisse sehr wenig gemacht in der Uni. Da wurde mir etwas langweilig, da habe ich meine Doktorarbeit angefangen. Ich brauche schon ein bisschen Ausgleich für den Kopf." Selbstvermarktung zählt für sie kaum: "Erstens hatte ich bisher nicht viel Zeit dafür. Zweitens ist es nicht meine Art, mich in den Vordergrund zu stellen. Ich habe auch nichts für die breite Öffentlichkeit anzubieten."

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