bedeckt München
vgwortpixel

Doping in der Leichtathletik:"Verlogene Szene"

Olympics Day 14 - Athletics

Aslı Çakır Alptekin holte in London überraschend Gold, in Zürich ist sie nicht dabei. Wegen unregelmäßiger Blutwerte.

(Foto: Ian Walton/Getty)

Vor der Europameisterschaft in Zürich kritisiert Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke den ungenügenden Kampf gegen Betrug. Allerdings ist dieser auch schwieriger geworden.

Im Züricher Letzigrund beginnt am Dienstag die Leichtathletik-EM, doch Raphaël Piolanti, einer der bekanntesten Leichtathletik-Trainer in Frankreich, fehlt. Ende Juli nahm die Polizei ihn in Metz in Gewahrsam, 48 Stunden lang. Der Vorwurf: Der Coach soll Sportler zum Doping angestiftet, unerlaubte Mittel erworben und weitergegeben haben. Einer seiner Sportler, Hammerwerfer Quentin Bigot, war Ende Juni mit einem anabolen Steroid erwischt worden, danach hatte der 21-Jährige seinen Trainer offenbar beschuldigt. Piolanti streitet nun alles ab, er darf aber vorerst keinen Kontakt zu seinen Sportlern haben und das Land nicht verlassen. Die französische Affäre sorgt kurz vor der EM für Unruhe in der Leichtathletik. Eine Dopingaffäre - mal wieder.

"Die Leichtathletik ist eine verlogene Szene", sagt Anti-Doping-Experte Werner Franke. Das Vertrauen in den Spitzensport hat der 74-jährige Molekularbiologe längst verloren. Er ist sicher: "Viele Athleten verdanken ihren Erfolg unerlaubten Mitteln."

Leichtathletik ist eine Sportart mit hoher Doping-Neigung. Systematische Verabreichung von leistungssteigernden Mitteln sind aus der früheren DDR und auch der BRD belegt, Ben Johnson flog 1988 bei Olympia auf, 2003 wurden die Verbindungen von Marion Jones zum Balco-Labor bekannt, 2004 flüchteten die griechischen Sprinter Konstantinos Kenteris und Ekaterini Thanou von den Spielen in Athen. Nach Olympia 2012 in London musste die weißrussische Kugelstoßerin Nadeschda Ostaptschuk ihre Goldmedaille wieder zurückgeben. Die bekannten Sprinter Tyson Gay, Asafa Powell und Veronica Campbell-Brown wurden 2013 erwischt. Und das sind nur die prominentesten Fälle.

Auch in diesen Tagen in Zürich ist zu erkennen, wie sehr Doping die Leichtathletik prägt. 1500-Meter-Olympiasiegerin Aslı Çakır Alptekin aus der Türkei darf nicht antreten, weil ihr aufgrund des biologischen Passes Doping nachgewiesen wurde. Als Wiederholungstäterin droht ihr eine lebenslange Sperre. Einige Sportler sind dabei, die Dopingsperren abgesessen haben. Zum Beispiel Sandra Perković, die im Diskuswurf die große Favoritin ist.

Der Weltverband IAAF hat ein paar Maßnahmen ergriffen, um die Leichtathletik wieder glaubwürdiger zu machen. Er führte bereits vor Jahren den biologischen Pass ein, mit dem anormale Werte festgestellt werden können. Auch die Zahl der Tests wird ständig erhöht. 2814 Urin- und 1568 Bluttests führte die IAAF 2012 durch, hinzu kamen Hunderte weitere Proben bei den Spielen in London. Doch wie wenig die Bemühungen bringen, zeigte eine von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Auftrag gegebene Studie: 29 Prozent der Leichtathleten, die bei der WM 2011 starteten, gaben demzufolge zu, in den zwölf Monaten davor gedopt zu haben. Doch nur knapp zwei Prozent der Dopingtests waren positiv.