Die einst so hoch geschätzten deutschen Slalom-Frauen gehen im WM-Rennen unter, Maria Riesch verpasst knapp Bronze. Dafür wissen zwei Österreicherinnen nicht, wohin mit ihrem Glück.
Wolfgang Maier stand plötzlich am Zaun und sprach in einige Mikrofone hinein. Er grinste dabei oft, lächelte manchmal, doch was der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbands da sagte, war eigentlich gar nicht zum Lachen. Es glich eher einer Generalabrechnung mit einigen seiner Skifahrerinnen. Und weil Wolfgang Maier seine harschen Worte mit einem so freundlichen Ausdruck untermalte, erhärtete sich der Eindruck, dass da einer nun gar keinen Spaß mehr versteht.
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"Es ist eine Enttäuschung, was wir hier abgeliefert haben", sagte der 50-Jährige nach dem WM-Slalom der Frauen am Gudiberg. Und er fühlte sich bestätigt. Denn Maier hatte die Frauen schon seit dem schlechten Abschneiden zwei Wochen zuvor in Zwiesel harsch angegangen. Der Tenor: Viele Mädchen beim DSV haben großes Talent, ruhen sich aber darauf aus und richten es sich bequem ein hinter den Erfolgen von Maria Riesch. Der WM-Slalom spiegelte genau das wider.
Nur Riesch konnte um die Medaillen mitfahren - wieder einmal. Dabei gelangen auch ihr nicht die allerglücklichsten Rennen, im ersten Lauf verlor sie im oberen Steilhang acht Zehntel auf die Österreicherin Marlies Schild. Als Fünfte riskierte sie im zweiten Lauf viel und machte zu Halbzeit der Strecke einen schlimmen Fehler, der ihr schließlich eine Medaille kostete.
Riesch kam auf Platz vier, 67 Hundertstel Sekunden hinter der drittplatzierten Maria Pietilae-Holmner. Weit enteilt: die Österreicherinnen Kathrin Zettel (Silber, eine Sekunde vor Riesch) und Marlies Schild (1,34 Sekunden vor Riesch).
Noch bis in den Dezember hinein galten die deutschen Frauen in den technischen Disziplinen Slalom und Riesenslalom als das beste, was im Weltcup herumfährt. Kein Team würde technisch so genau fahren, so keck, so beschwingt die Berghänge bezwingen. Hinter Maria Riesch bereitete sich eine Horde junger Nachfolgerinnen auf den Durchbruch nach ganz oben vor. Der Slalom der Frauen an diesem Samstag sollte der Höhepunkt der Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen werden, das Skistadion am Gudiberg war mit 11.000 Zuschauern seit Wochen ausverkauft, angeblich hätten die Veranstalter mehr als 40.000 Karten verkaufen können.
Doch irgendwann während dieses Winters wendete sich plötzlich die Tendenz. "Seit Dezember hat sich das Abschneiden bei dieser WM abgezeichnet", schimpfte Maier.
Das Abschneiden sah dann so aus: Katharina Dürr lieferte im ersten Lauf eine wilde Fahrt und hatte da schon 3,99 Sekunden Rückstand (am Ende Platz 23). Christina Geiger schied zum sechsten Mal im achten Weltcup-Rennen aus, weil sie in der Haarnadel ein Tor nicht erwischte. Fanny Chmelar sagte nach dem ersten Lauf: "Ich hab auf der Strecke gemerkt, dass mehr drin war, dass ich mal Gas geben muss." Und nach dem zweiten Lauf: "Das war mehr als bescheiden." Sie kam auf Rang 15 und versteckte sich erst einmal hinter den Absperr-Luftpolstern vor den Blicken der Zuschauer.
Susanne Riesch stolperte dann sinnbildlich für das deutsche Slalom-Team nach einem Fahrfehler über eine Stange und rutschte 20 Meter auf dem Bauch den Hang hinunter. Es war fast schon bemitleidenswert. Danach war sie erleichtert, dass die Heim-WM endlich vorbei war: "Jetzt ist der Druck weg, die Last."
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