Ski alpin Lindsey Vonns Ski-Zirkus

Im Fokus: Lindsey Vonn zieht wieder Aufmerksamkeit auf sich.

(Foto: AP)
  • Zum wiederholten Mal formuliert Lindsey Vonn ihren Wunsch, einmal bei einer Männer-Abfahrt mitmachen zu dürfen.
  • Der Ski-Weltverband will den Antrag prüfen.
  • Doch vor allem aus Österreich kommen erhebliche Bedenken, weil Vonn anderes im Sinn zu haben scheint als einst die Tennisspielerin Billie Jean King.
Von Barbara Klimke

Der Winter hat noch nicht begonnen, noch sind keine frischen Spuren in die Rennpisten gefräst. Aber Lindsey Vonn gehen offenbar schon jetzt die Gegnerinnen aus. Deshalb hat sich die prominenteste der US-amerikanischen Skifahrerinnen nun zunächst die Seniorenriege vorgeknöpft. Jene "älteren Herren, die diesen Sport nie richtig bestritten haben", die "keine Ahnung haben". Und die "nicht respektieren", was sie, Lindsey Vonn, "schon alles geleistet hat". Das, so sagte sie, sei der Grund, weshalb sie jetzt den Marsch durch die Institutionen antritt.

Lindsey Vonn, 32, hat Klartext geredet vor ein paar Tagen auf einem Gipfeltreffen für junge Führungskräfte in Boston, das die Zeitschrift Forbes organisierte. Was sie so in Rage versetzt, ist die zögerliche Haltung, mit der der Ski-Weltverband Fis auf ihren Herzenswunsch reagiert. Die US-Athletin, Olympiasiegerin und zweimalige Weltmeisterin, will seit Jahren zumindest einmal im Weltcup der Männer antreten. Einen Ort hat sie sich auch schon ausgesucht, nämlich die Männer-Abfahrt auf ihrer Lieblingspiste in Lake Louise in Kanada, wo sie in ihrer Karriere 18 Mal (bei den Frauen) gewonnen hat; auch einen Termin hat sie im Sinn: die Saison 2018/19.

In der vergangenen Woche nun kam das Anliegen bei der Herbstsitzung der Fis in Zürich auf den Tisch; der US-Verband hatte erstmals einen schriftlichen Antrag eingereicht. Es gab eine kontroverse Debatte, berichtet Fis-Renndirektor Markus Waldner aus Südtirol. Die "heikle Geschichte" wurde schließlich aufs kommende Frühjahr vertagt, weil sie nicht den unmittelbar bevorstehenden Weltcup-Winter betrifft. Eine "politische" Lösung, das gibt Waldner zu. Der US-Verband hat den Aufschub dennoch als ein positives Signal gewertet.

Menschen, Skier, Sensationen - die Männer sind verschreckt

Für ihr Sonderrecht führt Lindsey Vonn eine Reihe von Argumenten an, die sie mit ihrer Ausnahmestellung untermauert. Erstens ist sie bei Weltcup-Rennen häufiger als jede andere Frau als Erste über die Ziellinie geschossen, 77 Mal bislang, weshalb sie inzwischen einen männlichen Rivalen, eine Legende der Vergangenheit, zu ihrem adäquaten Gegner auserkoren hat: Ingmar Stenmark, dessen Rekord (86 Siege) sie jagt. Außerdem trainiert Vonn schon seit Jahren regelmäßig mit Männer-Teams, und laut Hörensagen ist sie durchaus imstande, den einen oder anderen um Längen zu schlagen. "Aber wenn man sich aus dem Starthäuschen katapultiert, dann erreicht man ein anderes Niveau", erläutert sie, "und es ist dieser höhere Level, den ich erreichen will." Falls ihre Schussfahrt mit Zöpfen unter dem Helm im Skizirkus der Männer außerdem für eine Sensation sorgen sollte, wäre ihr das auch recht. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, findet sie, könne dem Wintersport nicht schaden.

Es ist auch dieses Szenario - Menschen, Skier, Sensationen - das die Männer verschreckt. Der Rennsportleiter des österreichischen Teams, Andreas Puelacher, verwies im Gespräch mit der Austria Presse Agentur auf den Grundsatz der Geschlechtertrennung im Wettkampfsport, der fast immer Anwendung findet - außer wenn die Sportler auf Pferden sitzen. "Frauen boxen auch nicht gegen Herren oder spielen auf der Herren-Tennistour", sagte er: "Das ganze Theater gibt es nur, weil Frau Vonn unbedingt und nur bei einem bestimmten Rennen gegen die Herren fahren will." Damit, findet er, "machen wir uns lächerlich".