Ski Alpin Skiverband zieht aus Burkharts Tod erste Konsequenzen

Sicherheitsdebatte: Der DSV will das Risiko für Deutschlands Abfahrer (im Bild Thomas Dreßen) senken.

(Foto: AFP)
  • Deutsche Skisportler brauchen zukünftig die Freigabe des DSV, um bei internationalen Rennen in der Abfahrt teilnehmen zu dürfen.
  • Vor allem junge Athleten in Übersee sollen dadurch vor einem zu hohen Risiko geschützt werden.
  • Eine Änderung am Ausbildungskonzept für die schnellen Disziplinen ist nicht geplant.
Von Johannes Knuth

Der Deutsche Skiverband (DSV) hat auf den tödlichen Sturz des 17 Jahre alten Skirennfahrers Max Burkhart bei einem Nachwuchsrennen in Kanada reagiert. Man werde Athleten in der Abfahrt nur noch für internationale Rennen freigeben, "wenn sie sich dem Ausbildungskonzept des DSV unterworfen haben", kündigte Alpindirektor Wolfgang Maier in der ARD an. Man werde damit künftig nicht jeden Unfall verhindern, sagte Maier auf Anfrage, dafür sei der Sport zu riskant. "Aber wir ziehen zumindest eine Konsequenz."

Bei deutschen Fahrern in Übersee war man bislang oft "hilflos"

Alpine Skirennfahrer können sich bislang, grob gesagt, auf zwei Wegen für internationale Rennen empfehlen: über ihren Nationalverband, der sie schult und bei Rennen einsetzt, oder auf privatem Weg, in einem eigenen Team oder über Nachwuchsschulen.

Burkhart hatte sich im vergangenen Herbst an einer privaten Ski-Akademie in den USA eingeschrieben. Die Schule fordert in diesem Fall eine Freigabe vom nationalen Verband wie dem DSV an, vor der Saison. Denn nur die Landesverbände können Athleten für internationale Rennen wie den zweitklassigen Nor-Am-Cup melden, jene Serie, bei der Burkhart verunglückte. Liegt der Schule die Freigabe vor, kann sie entscheiden, wo sie den Athleten starten lässt, in welcher Rennserie, ob in Technik-Rennen oder schnelleren Wettbewerben wie Abfahrt und Super-G. Als Verband, sagt Maier, sei man da "hilflos". Deshalb habe man beschlossen, dass Fahrer, die jenseits der DSV-Pfade unterwegs sind, zumindest vor Speed-Wettbewerben eine Freigabe einholen müssen. Die Athleten und ihre Betreuer müssten sich dann etwa mit Andreas Ertl austauschen, der im DSV den Nachwuchs der Alpinen verantwortet. Ertl könnte die Referenzen des Fahrers prüfen, ob und wie er beispielsweise für eine Abfahrt geschult wurde.

Mindestalter für Abfahrten wird es nicht geben

Maier sagte, der DSV wolle damit auch jenes Konzept stärken, das er vor drei Jahren angeschoben habe. Die Alpinen überlegten damals, ob sie überhaupt noch Fahrer für schnelle Disziplinen ausbilden sollten, zu spärlich waren die Erfolge in der Vergangenheit gewesen. Aber der neue Cheftrainer Mathias Berthold hielt nichts davon, die Sparte abzuwickeln. Mittlerweile haben sie ein einheitliches Konzept vom 15, 16 Jahre alten Nachwuchs bis zu den Profis installiert. Maier hält deshalb auch nichts davon, Abfahrten erst ab einem Alter von 18 Jahren zugänglich zu machen, man müsse den Nachwuchs schon frühzeitig an die Wettbewerbe heranführen; nur so habe man es ja überhaupt geschafft, dass die Sparte im DSV wieder allmählich floriert.

Dass der Verband nun verstärkt prüfe, welche Fahrer international in seinem Namen gemeldet sind, sei auch ein Signal an Eltern und Sportler, die sich aktuell und künftig den schnellen Disziplinen anvertrauen. Die Sicherheitsmaßnahmen bei dem Rennen in Kanada, betonte Maier nochmals, seien kein Problem gewesen. "Jeden Unfall der Welt können wir sowieso nicht verhindern", sagte Maier, "auch mit den neuen Maßnahmen nicht."

Der amerikanische Skiverband, dessen Regional-Trainer in Lake Louise für Burkhart zuständig waren, schrieb auf Anfrage, dass die kanadischen Behörden den Unfall noch untersuchen. Man könne das Ganze derzeit nicht kommentieren.

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