Schach Sergej Karjakin fordert Magnus Carlsen heraus

Erstmals für ein WM-Duell im Schach qualifiziert: Sergej Karjakin (rechts im Bild).

(Foto: Maxim Shipenkov/dpa)

Er opfert einen Turm - und gewinnt das Herausforderer-Turnier. Sergej Karjakin darf nun um den Weltmeister-Titel im Schach kämpfen.

Von Johannes Aumüller

36 Züge waren gespielt in dieser finalen Partie eines langen Kandidatenturnieres, da bewies Sergej Karjakin mal wieder seine feinen Rechenqualitäten. Die Stellung im Duell gegen Fabiano Caruana sah auf den ersten Blick recht ausgeglichen aus, doch dann fand der 26-Jährige einen wunderbaren Zug: Er opferte einen seiner Türme, womit seine Dame zu vielfältigen Drohungen gegen den gegnerischen König kam - und wenige Züge später war der Sieg perfekt.

Caruana gab in aussichtsloser Lage auf. Und Karjakin, gebürtiger Ukrainer und seit 2009 für den russischen Verband aktiv, sicherte sich mit diesem Erfolg in der Schlussrunde den Sieg beim Moskauer Kandidaten- turnier und darf nun im November gegen Magnus Carlsen um den WM-Titel spielen.

Der Verlauf dieser Turniers, bei dem jeder der acht Teilnehmer zweimal gegen jeden spielte, hatte zu einer ungewöhnlichen Konstellation geführt. Vor der letzten Runde lagen Karjakin und Caruana mit jeweils 7,5 Punkte vorne - und trafen dann aufeinander. Kurioserweise war aufgrund des komplizierten Wertungssystems vor dem Spielbeginn und während der ersten Stunden nicht klar, wer sich bei einem Unentschieden als Turniersieger feiern lassen darf.

Karjakin entdeckt das Turmopfer

Das klärte sich erst, als am Nebenbrett Viswananthan Anand sein Duell mit Pjotr Swidler nach drei Stunden mit einem Remis beendete. Danach war die Lage im Spitzenduell eindeutig: Karjakin würde schon ein Remis reichen, Caruana musste gewinnen - ein schweres Unterfangen, weil er mit den schwarzen Steinen spielte. Also musste der Amerikaner etwas riskieren, doch das ging nicht lange gut, weil Karjakin das Turmopfer entdeckte.

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Caruana dürfte sich aber weniger über den Verlauf seines Abschlussduells ärgern als vielmehr über zwei andere Partien aus den vergangenen Tagen im früheren Moskauer Telegrafenamt. Am Gründonnerstag stand er gegen den bulgarischen Tabellenletzten Veselin Topalov klar auf Gewinn und nutzte das nicht. Und danach gab es noch einen besonderen Moment in Caruanas dramatischer Partie gegen Swidler am Ostersonntag: Über Dutzende Züge quälte er seinen Gegenüber, obwohl die Lage quasi aussichtslos war.

Caruana hatte noch König, Turm und Läufer, Swidler nur noch König und Turm. Die Stellung war "theoretisch Remis" - so sagen die Schachspieler, wenn eine Partie nicht mehr zu gewinnen ist, falls beide Seiten keine groben Patzer mehr machen.

Doch dann unterlief dem Russen tatsächlich ein Fehler und öffnete sich Caruana die Chance für einen Sieg - und für die Vorentscheidung im Kandidatenturnier. Doch nach mehr als sieben Stunden Partiezeit und 100 Zügen fand der Amerikaner den siegbringenden Turmzug nicht. Und damit war alles bereitet für das direkte Duell, das Karjakin für sich entschied.