Robert Louis-Dreyfus Kulissenschieber und Kassenfüller

Mann mit Geld, aber ohne Krawatte: Robert Louis-Dreyfus

(Foto: AFP)

Er lieh Uli Hoeneß Millionen zum Zocken, fiel bei Olympique Marseille der Justiz auf und soll den deutschen WM-Bewerbern viel Geld gegeben haben: Wie umstritten Robert Louis-Dreyfus ist.

Von Hans Leyendecker

Es gibt Strippenzieher, Kulissenschieber - und der Kaufmann Robert Louis-Dreyfus war einer der ganz Großen hinter den Kulissen. Sein Wort hatte Gewicht. Sein Geld wog schwer.

RLD, wie Freunde den französisch-schweizerischen Unternehmer nannten, ist eine zentrale Figur in der Affäre um das deutsche Sommermärchen. Er soll für das Bewerberkomitee eine schwarze Kasse mit 13 Millionen Mark ausgestattet haben. Mit dem Geld soll die WM gekauft worden sein. Die, die sich von RLD angeblich helfen ließen, sollen erstaunt gewesen sein, dass dieser nach der Vergabe sein Geld zurückhaben wollte. So erzählt das der Spiegel in einer nachvollziehbaren Geschichte. Und weil sich das mit der Rückzahlung nicht so leicht machen ließ, soll alles so verdächtig weitergelaufen sein. Für diese These spricht eine Menge.

Dieser Louis-Dreyfus war eine sagenhafte Gestalt. Reich, hart und sehr durchsetzungsfähig. Seine Methoden mit unkonventionell zu umschreiben, wäre eine arge Verharmlosung.

Gegen Insider-Regeln verstoßen

Der 1946 in Paris geborene Sohn einer Händler- und Reederfamilie war früh auf der Gewinnerseite - und er fiel gleich durch seine Methoden auf. 1991 verurteilte ihn die US-Börsenaufsicht zu einer Geldbuße in Höhe von rund 213 000 Dollar, weil er bei einer Transaktion gegen Insider-Regeln verstoßen hatte. Er hatte einige Freunde und seine Schwester an einem lukrativen Handel profitieren lassen wollen. Später fiel er der französischen Justiz auf, weil er als Eigner von Olympique Marseille bei Spielertransfers in illegale Zahlungen verwickelt war. Louis-Dreyfus erhielt dafür eine Gefängnisstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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Den Unternehmer, der er wirklich war, hat das nicht aus der Bahn geworfen. Manchmal musste man eben Dinge tun, die man tun musste. Mit Geld und Beziehungen geht in dieser Welt alles. Zur Lebensgeschichte des Louis-Dreyfus, der 2009 im Alter von 63 Jahren an Leukämie starb, gehört auch, dass er schon äußerlich anders als viele andere war. Er trug nie Krawatten und mochte es, wenn die Locken verwuschelt aussahen. Die Freunde von RLD haben immer erklärt, auf ihn könne man sich verlassen. Dass RLD, wie der Spiegel schreibt, vor einer schwierigen Bewerbung den Machern des DFB als Privatmann das viele Geld geliehen haben soll, damit die das Sommermärchen schaffen konnten, ist gut möglich. Das hätte zu ihm gepasst.

Mit dem deutschen Fußball war der Franzose seit 1993 eng verbandelt, nachdem er 15 Prozent von Adidas gekauft hatte. Die Marke mit den drei Streifen gehört ein Stück zum deutschen Fußball. Adidas ging es damals nicht gut. Dreyfus, der Spezialist für Marketing, Beziehungen und ungewöhnliche Wege, wusste, wie es wieder nach oben gehen konnte.

RLD war auch der Mann, der Uli Hoeneß das Geld lieh

Dass ihm eine WM in Deutschland lieber war als in einem anderen Land, ist leicht nachvollziehbar. Die Financial Times Deutschland hat in einer Geschichte aus dem Jahr 2002 das Beisammensein von Louis-Dreyfus und Fifa-Chef Joseph Blatter beschrieben. Die würden bei Treffen "einander auf die Schulter hauen". Mit ihren Blicken schienen sie zu sagen, "dass die Deals für die nächste Fußballweltmeisterschaft schon ausgemachte Sache sind, selbst wenn es Formalien gibt wie öffentliche Ausschreibungen".

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RLD war übrigens auch der Mann, der Uli Hoeneß im Jahr 2000 fünf Millionen Mark lieh und für weitere 15 Millionen Mark eine Bürgschaft übernahm, damit Freund Uli an der Börse spekulieren konnte. So geht die gute Geschichte, die möglicherweise auch wahr ist. Die böse Geschichte, die möglicherweise nicht stimmt, heißt, dass Hoeneß das Geld bekam, damit Adidas, das im Wettbewerb mit Nike lag, vom FC Bayern für einen neuen Ausrüstervertrag den Zuschlag bekam. Nike hatte mehr geboten.

Hoeneß hat das Börsen-Geld gleich an Louis-Dreyfus zurückgezahlt. Der DFB brauchte offenbar eine Weile, um Louis-Dreyfus auf dubiosen Wegen zu geben, was ihm zustand. Das kann ein Fehler gewesen sein.