RB Leipzig An Werner nagt etwas Undefinierbares

Zu oft ohne Erfolgserlebnis: Leipzigs Stürmer Timo Werner sucht seine Form.

(Foto: dpa)
Von Javier Cáceres, Leipzig

Unter der Woche griff Ralph Hasenhüttl, der Trainer von RB Leipzig, zu einer besonderen Maßnahme, um seinem wichtigsten Angreifer wieder zu besserer Laune zu verhelfen: Der Österreicher setzte "spezifische Einheiten für unsere Stürmer aufs Programm" und stellte vor dem Topspiel gegen Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr) auf dem Trainingsplatz Torraumszenen nach, die ganz nach dem Geschmack von Timo Werner waren.

Werner, der am Dienstag 22 Jahre alt wird, habe "richtig Lust" gezeigt - und habe "sehr, sehr viel aufgeräumter" gewirkt als in den vorangegangenen Wochen, erklärte Hasenhüttl. Das überraschte ihn nur mäßig: Hasenhüttl war einst selbst Stürmer, mit der Psychologie dieser Spezies kennt er sich aus. Und Werner zählt er zu jener Klasse von Stürmern, "die beim Stand von 4:0 sich noch beeilen, um den Ball aus dem Netz zu holen, wenn sie nicht selbst getroffen haben". Jeder Ball im Tor ist eine Therapie, und sei es im Training.

Das Gefühl, getroffen zu haben, hat sich in dieser Saison bei Werner nicht gar so häufig eingestellt wie noch in der letzten Spielzeit, als er sinnbildlich für den Aufstieg von RB stand - und zugleich einiges verarbeiten musste. Obwohl er für seine berühmte Schwalbe gegen Schalke öffentlich gefedert wurde, erzielte er 21 Bundesliga-Tore und spielte sich damit nicht nur in die Nationalelf, sondern erarbeitete sich dort annähernd den Status des Unverzichtbaren. Er gewann mit dem Team den Confed Cup 2017 in Russland und wurde dort von Diego Maradona und Ronaldo, dem brasilianischen Weltmeister von 1994 und 2002, als bester Turnierschütze geehrt.

Rätselhafte Schwindelanfälle in Istanbul

Die Scouts der renommiertesten Vereine Englands und Spaniens reisten ihm hinterher und studierten die Möglichkeit, ihn vor Ablauf seines Vertrages (2020) abzulösen; und was aus dem Trainerteam von Nationalcoach Joachim Löw zu hören ist, berechtigt zu der Ansicht, dass es kaum einen DFB-Spieler gibt, der Anlass zu größerem Selbstvertrauen hat als Werner. Er ist der Angreifer, nach dem sich Löw jahrelang sehnte - und deshalb für die WM absolut gesetzt; vor den Stoßstürmern Sandro Wagner (FC Bayern) und Mario Gomez (VfB Stuttgart) oder torgefährlichen falschen Neunern wie Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach) oder Mario Götze (Borussia Dortmund). Und doch scheint etwas Undefinierbares an Werner zu nagen.

Denn seine Formkurve war nach formidablem Saisonstart - fünf seiner zehn Tore erzielte er an den ersten sechs Spieltagen - vom gleichen Auf und Ab geprägt wie die des gesamten Teams, das auf Tabellenplatz sechs gefallen ist. Bei Werner setzte die Berg-und-Talfahrt ein, nachdem er beim Champions-League-Auftritt im Beşiktaş-Stadion in Istanbul wegen rätselhafter Schwindelanfälle ausgewechselt werden musste - die auf eine Blockade der Halswirbelsäulen-Muskulatur und des Kiefergelenks zurückgeführt wurden.