Probleme des FC Bayern Schimpfen, abwinken, resignieren

Der FC Bayern im Jahr 2012: Gelingt kein früher Treffer, werden die Spieler unsicher und hektisch - richtig aufbäumen kann sich keiner. Das 0:1 in Basel zeigt erneut, dass die aktuelle Bayern-Krise auch eine Frage der richtigen Einstellung ist. Nur der Trainer sieht keinen Anlass zur Sorge.

Eine Analyse von Jürgen Schmieder, Basel

Die Spieler des FC Bayern können froh sein, dass Oliver Kahn seine Karriere längst beendet hat. Dem Torwart wäre so eine Situation wie nach dem 0:1 in der 86. Minute durch Valentin Stocker nicht untergekommen: Kahn hätte sich kurz geschüttelt, dann hätte er seine Kollegen mit patschenden Händen und Gebrüll angefeuert. Am Ende hätte er den Ball zur Mittellinie geworfen, zur Not hätte er das Spielgerät ins gegnerische Tor geboxt und einen Mitspieler hinterhergeworfen.

Im Tor der Münchner steht jedoch seit dieser Saison Manuel Neuer, und der holte das Spielgerät resigniert aus dem Tor und kegelte es nach vorne, gerade mal bis kurz hinter die Strafraumgrenze. Seine Kollegen winkten derweil kollektiv ab oder schimpften miteinander. Vorne stand Mario Gomez, stemmte die Hände in die Hüften und schüttelte den Kopf.

So verhielt sich der FC Bayern nach dem Gegentor: Jeder war sauer auf den anderen und irgendwie auch auf sich selbst. Aber kaum einer dachte daran, dass da noch einige Minuten zu spielen waren - und keiner teilte das den Kollegen mit. Es gibt derzeit keinen Akteur, der die anderen mitzureißen vermag, ob nun durch sportliche oder verbale Aktionen.

Wäre Basels Trainer Heiko Vogel ein gehässiger Mensch, dann hätte er später gesagt, dass er sich bei der Betrachtung der Münchner Spieler hätte sicher sein können, dass nach diesem späten Treffer nichts mehr würde passieren können.

Vogel ist jedoch alles andere als ein gehässiger Mensch, also sagte er: "Wir haben gewusst, dass der FC Bayern mit aller Wucht kommt und loslegen wird wie die Feuerwehr. Diesem Druck mussten wir standhalten - danach konnten wir den ein oder anderen gefährlichen Nadelstich setzen."

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