Persönliche Erklärung von Thomas Hitzlsperger Homophobe "haben einen Gegner mehr"

Er will jungen Fußballspielern Mut machen für ein Coming-out: Thomas Hitzelsperger.

Ist der Profifußball schwulenfeindlich? In einer Videobotschaft sagt Thomas Hitzlsperger, warum das so schwer zu beurteilen ist. Im "Guardian" spricht der Ex-Nationalspieler über seine Wolfsburger Zeit. Damals habe er bereits ein Coming-out erwogen. Doch ihm sei davon abgeraten worden.

Ex-Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger will mit seinem Coming-out als Homosexueller "jungen Spielern Mut machen". Das sagte er in einer einer Videobotschaft, die in der Nacht parallel zu einer schriftlichen Erklärung im Internet veröffentlicht wurde.

Bei ihm habe die "Bewusstwerdung" darüber, dass er homosexuell sei, länger gedauert, sagte Hitzlsperger. Deshalb habe er sich nicht früher öffentlich dazu bekannt. Er drückte jedoch seine Hoffnung aus, dass sich junge Spieler, die sich über ihre Neigungen im Klaren seien, "offen damit umgehen" könnten.

"Ich kenne keinen Einzigen persönlich", sagte Hitzlsperger auf die Frage, ob von anderen homosexuelle Fußballspielern wisse. In der Kabine werde jedoch auch nicht hauptsächlich über das Privatleben geredet. Ob im Profifußball ein schwulenfeindliches Klima herrsche, fand er "nicht eindeutig zu beurteilen", auch da es "keine bekannten Homosexuellen" gebe.

In seiner persönlichen Erklärung teilte der 31-Jährige mit, jeder Mensch solle so leben dürfen, dass er "wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Neigung oder Religion keine Angst haben muss, diskriminiert zu werden". "Das verstehe ich nicht als politisches Statement, sondern als Selbstverständlichkeit."

"Profisport und Homosexualität schließen sich nicht aus, davon bin ich überzeugt", sagte Hitzlsperger. Er beklagte jedoch, dass sich die Fußballszene "in Teilen immer noch als Macho-Welt" präsentiere. Das Bild eines schwulen Spielers werde von Klischees und Vorurteilen geprägt, die Realität sehe indes anders aus. Hitzlsperger sagte in die Richtung von allen Homophoben und Menschen, die andere wegen ihrer Sexualität ausgrenzen: "Die haben einen Gegner mehr."

Coming-out vor Sotschi

Dem britischen Guardian sagte Hitzlsperger, eine Debatte über die Lage in Russland sei erforderlich. Gegen die Diskriminierung von Minderheiten, ob sexueller oder anderer, müsse etwas unternommen werden, sagte Hitzlsperger der Zeitung, die ihn auf die bevorstehenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi ansprach. Er sei neugierig zu sehen, was bei den Olympischen Spielen in Russland geschehen werde. Jedenfalls habe er nichts dagegen, dass sein Coming-out auch im Zusammenhang mit den Winterspielen diskutiert werde.

Das russische Parlament verabschiedete im Juni ein Gesetz, das die Propagierung der Homosexualität in Gegenwart von Minderjährigen unter Strafe stellt. Schwule und Lesben kämpfen in der konservativen russischen Gesellschaft mit vielfachen Erscheinungsformen von diskriminierender Behandlung.

Hitzlspergers Coming-out wurde am Mittwoch über ein Gespräch mit der Wochenzeitung Die Zeit publik. Der Fußballer spielte in der Jugend für den FC Bayern München, 2000 wechselte er zum englischen Premier-League-Verein Aston Villa. Danach war er unter anderem Kapitän des VfB Stuttgart, spielte für den VfL Wolfsburg, in England und Italien. Für die deutsche Nationalmannschaft lief der Mittelfeldspieler zwischen 2004 und 2010 insgesamt 52 Mal auf. Im Guardian-Interview sagte Hitzlsperger auch, er habe bereits während seiner Zeit in Wolfsburg (2011/2012) mit dem Gedanken gespielt, seine Homosexualität öffentlich zu machen. Dann habe er jedoch auf Menschen gehört, die ihn vor negativen Reaktionen warnten. "Sie sagten, ich solle es nicht tun, weil eine große Welle auf mich einbrechen würde."

Vor vier Monaten zog sich Hitzlsperger aus dem öffentlichen Leben als Fußballprofi zurück. Es gibt nur wenige international bekannte Sportler, die ihre Homosexualität publik gemacht haben. Dazu zählen der Wasserspringer Greg Louganis, der Basketballspieler John Amaechi und die Tennisspielerin Martina Navratilova.