Paralympics in London Oscar Pistorius sprintet in Weltrekordzeit zu Staffel-Gold

Erste Goldmedaille für Oscar Pistorius: Südafrikas Staffel gewinnt dank seines Klassesprinters über 4x100-Meter. Das deutsche Team kann erst später über Bronze jubeln - weil zwei Konkurrenten disqualifiziert werden.

Erstes Gold für Oscar Pistorius, nachträglich Bronze für Deutschland: Der unterschenkelamputierte Sprinter aus Südafrika gewann bei den paralympischen Leichtathletik-Wettbewerben im Londoner Olympiastadion mit der 4x100-m-Staffel Südafrikas in der Weltrekordzeit von 41,78 Sekunden.

Oscar Pistorius bei seinem Weltrekord-Lauf

(Foto: AFP)

Pistorius, rang dabei als Schlussläufer Alan Oliveira nieder, hinter dem er im 200-m-Lauf nur Silber gewonnen hatte. Für den 25-jährigen Pistorius war es die fünfte paralympische Goldmedaille.

Deutschland wurde in der Formation David Behre, Markus Rehm, Heinrich Popow (Leverkusen) und Wojtek Czyz (Kaiserlautern) kam in 45,23 Sekunde als Fünfter ins Ziel und durfte sich zehn Minuten später über Bronze freuen, nachdem Brasilien und Japan disqualifiziert wurden.

"Das ist Wahnsinn. Schon mit der Zeit hätte es gar nicht besser laufen können, den wir hatten als einzige Staffel zwei Oberschenkel-Amputierte dabei", sagte Popow. "Das war ein richtig geiler Lauf", meinte Czyz. Rehm, der schon Gold im Weitsprung gewonnen hatte, meinte ebenfalls: "Für die Klassen, mit denen wir gelaufen sind, war das eine unglaubliche Zeit."

Pistorius bekommt im Finale über 100 Meter starke Konkurrenz. Der Olympia-Teilnehmer gewann in 11,18 Sekunden zwar seinen Vorlauf, der 19 Jahre alte Brite Jamie Peacock, der Anfang Juli schon Pistorius' Weltrekord verbessert hatte, war im anderen Lauf in 11,08 Sekunden aber schneller. Pistorius wollte sich nach dem Halbfinale nicht äußern, weil er am späten Abend noch in der Staffel an den Start ging, wo er seine erste Goldmedaille gewann.

Der Brasilianer Alan Oliveira, der Pistorius über 200 m bezwungen hatte, wurde nur Vierter seines Vorlaufs und rutschte erst über die Zeitentabelle in den Endlauf am Donnerstagabend (22.24 MESZ). Dieser wird allerdings ohne deutsche Beteiligung stattfinden.

Weitsprung-Sieger Markus Rehm (11,92) und David Behre (beide Leverkusen/12,17) verpassten als Vierter beziehungsweise Fünfter ihrer Vorläufe die Qualifikation. "Ich hatte eine schwere Zeit im Winter und wurde vier Mal operiert, deshalb ist es ein Wunder, dass ich überhaupt dabei war. Über 400 m hoffe ich aber auf ein weiteres Finale", meinte Behre, der schon im 200-m-Finale stand. Rehm meinte: "Leider habe ich meine Bestzeit nicht erreicht, aber ich habe meinen Wettkampf hier schon gehabt." Als Sieger fürs Finale tippte er auf Peacock: "Er ist über 100 extrem stark."