Olympia Werth krönt sich zur erfolgreichsten Reiterin

Für Werth, hier mit der Stute Weihegold in der Grand-Prix-Kür, ist es die zehnte Olympia-Medaille seit den Spielen 1992 in Barcelona.

(Foto: Rob Carr/Getty)

Mit Silber im Einzel gewinnt Isabell Werth ihre zehnte Olympia-Medaille. Zwei Kolleginnen zeigen, dass auch die deutsche Zukunft in der Dressur gesichert ist.

Von Gabriele Pochhammer

Als das Goldmedaillenpaar von London, Charlotte Dujardin, 31, und der 14-jährige Valegro, ins Reitstadion von Deodoro trabten, wurde es mucksmäuschenstill. Kraft, Energie und Entschlossenheit strahlte das Paar aus, und jeder konnte ahnen, dass sich die Fehler aus dem Grand Prix Special nicht wiederholen würden. Da hatte Dujardin Isabell Werth mit Weihegold vorlassen müssen; doch der deutschen Rekord-Olympiasiegerin hatte da schon geschwant: "Die Fehler werden Charlotte nicht noch mal passieren, wir müssen mal die Kirche im Dorf lassen." Genauso kam es.

Mit geballter Kraft flog Valegro übers Viereck, warf die Hufe im starken Trab, stolzierte erhaben in den Passagen und drehte sich in den Pirouetten, dass es eine Freude war, für ihn, seine Reiterin und das Publikum. 93,857 Prozent, das würde schwer einzuholen sein.

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Nach London nun dieser - wohl letzte - Olympiaauftritt des niederländischen Wallachs. Die Reiterin schluchzte, als sie am langen Zügel aus der Arena ritt, ihr Trainer Carl Hester, der mit Nip Tuck selbst am Start war und Siebter wurde, war gerührt. Nur Valegro behielt die Fassung und freute sich, dass er bei der Ehrenrunde einen knackigen Galopp vorlegen durfte, der den disziplinierten Dressurpferden sonst verwehrt bleibt. Dujardin streifte sich die Medaille vom Hals und hielt sie in die Luft: Seht her, wir haben's geschafft. Sie ist mit dieser zweiten Goldmedaille die erfolgreichste britische Olympiasportlerin. "Es waren magische Momente", sagte sie, "ich fühlte eine Einheit und eine Partnerschaft mit meinem Pferd, die man nur selten erlebt."

Valegro wird kein Championat mehr gehen, noch steht der Zeitpunkt des Abschieds nicht fest. "Aber wir wollen ihn verabschieden, solange er auf der Höhe seiner Laufbahn ist," sagte Dujardin. Valegro wurde im letzten Jahr nur einmal kurz vor Rio öffentlich gezeigt, seine Kräfte wurden sehr sorgsam eingeteilt.

"Wir haben ein tolles Ergebnis, da bleiben nicht viele Wünsche offen", sagt die Bundestrainerin

Die Erwartungen mehr als erfüllt hat auch Silbermedaillengewinnerin Isabell Werth auf Weihegold. Es war ihre zehnte Olympiamedaille, so viele hat noch kein Reiter vor ihr gewonnen. Sie wusste, dass die mehr als 93 Prozent von Dujardin nicht mehr einzuholen waren. Was der elfjährigen Oldenburger Stute Weihegold an kraftvoller Ausstrahlung fehlt, macht sie durch Anmut und Leichtigkeit wieder wett.

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Zwei kleine Fehler unterliefen dem Paar in der ansonsten sehr anspruchsvollen Kür, eine Aneinanderreihung schwerer Lektionen wie Piaffen und Passagen und Galopppirouetten. Auch ohne Fehlerchen hätte es nicht zum Gold gereicht: "Wenn Valegro ohne Fehler geht, ist nichts zu machen", musste auch Bundestrainerin Monica Thedorescu zugeben. "Aber wir haben ein tolles Ergebnis, da bleiben nicht viele Wünsche offen."

Denn die Bronzemedaille ging an ihren Schützling Kristina Bröring-Sprehe, deren 15-jähriger Hengst Desperados seine beste Prüfung dieser Spiele hinlegte, alles geprägt von großer Leichtigkeit. Die Anstrengung, die Pferd und Reiterin in diesen Ritt stecken mussten, sah man ihnen nicht an. "Diese Tage waren sehr viel für ihn", sagt Bröring-Sprehe, "er hat toll mitgearbeitet, aber jetzt war er am Limit." Auch Desperados darf sich jetzt ein bisschen ausruhen, wenngleich auf ihn sein Nebenjob als Deckhengst wartet.

Dorothee Schneider auf Showtime wurde Sechste. Der erst zehnjährige Wallach kann schon jetzt manche Lektionen besser als Valegro. Er scheint im starken Trab den Boden nur aus Gefälligkeit zu berühren, seine Passagen sind kraft- und ausdrucksvoll, bei seinem starken Galopp bebt der Boden. Manche hatten in ihm den möglichen Überraschungssieger gesehen, aber daraus wurde nichts, der Braune wirkte ein wenig müde und verhaspelte sich in einigen Lektionen - wie der Piaffe und vor allen der Galopppirouette rechts.

"Das war heute ein bisschen viel für ihn", befand auch Dorothee Schneider. Seit sieben Jahren trainiert sie Showtime, im Vorjahr bei den Munich Indoors fiel er zum ersten Mal als möglicher Rio-Kandidat auf. Für Valegro waren es die letzten Spiele, für Showtime sind es die ersten. "Ihm gehört Zukunft", findet Monica Theodorescu.

Bei diesen Spielen standen erstmals seit längerem wieder drei solide ausgebildete Pferde vorne, die nicht mit Tricks nach oben gepuscht waren. Solche gab es natürlich auch in Rio, aber die Richter - erfreulich - verweigerten ihnen die hohen Noten.

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