Olympia-Vergabe an Peking "Ein Albtraum für die Menschenrechte"

Thomas Bach: Olympia-Vergabe an Peking

(Foto: REUTERS)

Nach dem Zuschlag für Peking jubelt vor allem die chinesische Delegation. Die Kritik an der Vergabe folgt umgehend. Die Stimmen zu Olympia 2022.

"Es ist ein historisches Ergebnis", sagte IOC-Präsident Thomas Bach und ergänzte: "Von heute an wird Peking die erste Stadt in der olympischen Geschichte sein, die Sommer- und Winterspiele ausrichtet - und das in einem Zeitraum von zwölf Jahren."

Zuvor war der Appell des kasachischen Ministerpräsidenten Karim Massimow an das IOC, "eine goldene Gelegenheit" zu nutzen und ein kleines Land die Winterspiele organisieren zu lassen, nicht erhört worden. Kasachstan hatte sich mit der Stadt Almaty für die Spiele beworben.

Die chinesische Führung gab sich zuversichtlich für die Ausführung der Spiele. "Wir geben alle Garantien, die erforderlich sind", versicherte Vizeministerpräsidentin Liu Yandong. Ihr Präsident, Xi Jinping, versprach: "Lassen sie mich Ihnen versichern, dass die chinesische Bevölkerung fantastische, außergewöhnliche und exzellente Olympische Winterspiele präsentieren wird."

"Ich bin unheimlich aufgeregt. Das ist Chinas Stolz", sagte Zhang Hong, Eisschnelllauf-Olympiasiegerin von Sotschi 2014.

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Auch Kritik aus China

Aus Peking selbst kam nicht nur Jubel, Kritiker äußerten sich scharf. "Die Propaganda-Maschine ist angeworfen, aber es hat wohl niemand bei den normalen chinesischen Menschen nachgefragt, was sie davon denken", sagte der Historiker Xu Guoqi: "Das IOC hat eine Entscheidung getroffen und denkt, es ist damit auf der sicheren Seite. Es hat sich für Peking entschieden, weil es weiß, dass die Stadt die Spiele abliefern wird."

Michael Vesper, Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sagte über das Bewerbungsverfahren: "Man hat erfahren, dass man mit Präsentationen vermutlich verlieren, aber nicht gewinnen kann."

Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, glaubt, München hätte bei einer Bewerbung das Rennen gemacht: "Hinsichtlich der Nachteile beider Bewerberstädte wäre Deutschland mit München wohl eindeutiger Sieger gewesen, wenn die Bevölkerung uns im Rennen gelassen hätte. In den beiden zuletzt verbliebenen Ländern sind teils dramatische Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung.", sagte Beucher und fügte an: "Etwas verwundert bin ich hinsichtlich der Wahl für Peking aufgrund der Tatsache, dass die räumliche Nähe der Wettkampfstätten bei weit über 100 Kilometern Entfernung nicht gegeben ist."

Kritik kam auch von den Menschenrechtsorganisationen. Wolfgang Büttner von Human Rights Watch Deutschland sagte: "Die Vergabe an Peking birgt ganz klar die Gefahr, dass es bei der Vorbereitung und Durchführung der Olympischen Spiele wie bei den Sommerspielen 2008 zu Menschenrechtsverletzungen kommt."

Florian Kasiske (NOlympia Hamburg): "Die Entscheidung für Peking ist ein Albtraum für die Menschenrechte. Es zeigt, mit was für einer Organisation man sich beim IOC einlässt."

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