Olympia Hoch aufs deutsche Eishockey

Gemeinsame Freude: Patrick Hager (rechts) und Yannic Seidenberg jubeln über den Einzug ins Viertelfinale.

(Foto: dpa)
Von Johannes Aumüller, Pyeongchang

Es war eine durchaus passende Musik, die zum einsetzenden Jubelrudel aus den Lautsprechern ertönte. Wenn bei den Eishockey-Wettkämpfen von Gangneung Tore fallen, dann spielt die Hallenregie bei vielen Teilnehmern Lieder ein, die irgendwie zu der Mannschaft passen sollen, manchmal sogar in der Landessprache. Und als sich nach 26 Sekunden der Verlängerung dieses K.-o.-Spiels der Münchner Verteidiger Yannic Seidenberg einen Abpraller schnappte, den Puck einmal um den gegnerischen Torwart herumzog und seinen Torjubel begann, da erklang also "Ein Hoch auf uns"; dieses Lied von Andreas Bourani, das stets die Erinnerung an große Erfolge im Sport weckt, wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, als es sich zur großen landesweiten Hymne entwickelte.

Nun ist die Mannschaft des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) weder Weltmeister noch Olympiasieger geworden. Davon ist sie auch noch weit entfernt, und realistischerweise wird sie es zeitnah nicht schaffen. Aber andererseits haben sie Gründe für ausgelassenen Jubel. Am Dienstag bezwang das DEB-Team in einem spannenden Spiel die Schweiz mit 2:1 nach Verlängerung. Damit steht es zum ersten Mal seit 2002 bei einem olympischen Turnier in einem Viertelfinale. Nach gerade mal 20 Stunden Pause trifft es schon an diesem Mittwoch (13.10 Uhr MEZ) auf den Weltmeister Schweden. "Das fühlt sich jetzt einfach sehr gut an und wir sind sehr glücklich, dass wir das so weit geschafft haben", sagte Bundestrainer Marco Sturm.

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Das Spiel hatte gut begonnen für seine Mannschaft. Bereits nach zwei Minuten schien es, als habe sie den größten Mangel der eigentlich sehr ordentlichen Vorrundenspiele abgelegt: nämlich die geringe Effizienz vor dem Tor. Die Schweiz spielte nach einer Strafzeit für Cody Almond (brutaler Check gegen Christian Ehrhoff, der erst zum zweiten Drittel wieder mitwirken konnte) in Unterzahl, und das nutzte Verteidiger Leonhard Pföderl zum 1:0.

Doch seltsamerweise verlieh dieser frühe Treffer den Deutschen kaum Sicherheit. Stattdessen leisteten sie sich eine erstaunliche Nervosität und unnötige Strafzeiten. Gleich mehrere größere Chancen hatten die Schweizer, und da war es nur folgerichtig, dass irgendwann der Ausgleich fiel: In der 24. Minute traf Simon Moser, als die deutsche Abwehr den Puck nicht aus der Gefahrenzone bekam. Ein typisches eidgenössisches Jubellied spielte die Hallenregie an dieser Stelle übrigens nicht ein, es folgte etwas aus dem klassischen englischsprachigen Repertoire.

"Wenn alles passt, können wir auch die Schweden schlagen", sagt Seidenberg

Im dritten Drittel jedoch stabilisierten sich die Deutschen wieder; es war das erste Drittel, in dem sie mehr Schüsse aufs Tor hatten als der Gegner. "Kompliment, dass sich die Mannschaft da noch mal so zurückgekämpft hat", sagte Trainer Sturm - auch wenn sein Team noch eine knifflige Phase zu überstehen hatte: Fast vier Minuten spielten sie in Unterzahl, 15 Sekunden davon sogar mit nur drei Feldspielern gegen fünf. Doch das lösten sie erstaunlich gut. Es entstand ein eher zähes Spiel, nicht so gut wie die drei Vorrundenspiele, aber sehr spannend und intensiv. Und dann begann die Verlängerung, die wegen Seidenbergs Schuss gerade einmal 26 Sekunden dauerte. "In dem ersten Augenblick konnte ich es noch gar nicht begreifen, als die Jungs da aufs Eis kamen", sagte er: "In der Overtime will man natürlich immer der Held sein. So einfach war es aber nicht. Ich bin froh, dass ich das Tor gemacht habe."

Für Sturms Mannschaft ist das Erreichen des Viertelfinales der Höhepunkt einer längeren Entwicklung. Noch vor vier Jahren in Sotschi war das DEB-Team gar nicht dabei, doch seit Sturms Ernennung im Herbst 2015 läuft bei den Deutschen vieles gut - und sie haben auch mal das notwendige Glück wie nun gegen die Schweiz. 2016 WM-Viertelfinale, 2017 WM-Viertelfinale und nun 2018 olympisches Viertelfinale, das liest sich beeindruckend konstant. Dabei versuchen die DEB-Spieler vor dem Duell gegen Schweden erst gar nicht, ihren Ehrgeiz zu verbergen. "Wenn man im Viertelfinale steht, sagt man nicht: Schön war's", meinte etwa Torschütze Seidenberg. "Wenn alles passt, können wir auch die Schweden schlagen."

Die Deutschen kennen den Gegner gut, sie haben erst in der Vorrunde gegeneinander gespielt - und dabei trotz eines 0:1 ihre vielleicht beste Turnierleistung gezeigt. Gleich vier Mal trafen sie dort nur Latte oder Pfosten. Spannend wird, wen Sturm im Tor einsetzt. Drei der vier bisherigen Partien bestritt Danny aus den Birken (München), der allerdings gegen die Schweiz manche Unsicherheit zeigte. Der Ingolstädter Timo Pielmeier hingegen stand just gegen Schweden im Tor - und zeigte dabei eine starke Leistung.

"Wir können befreit aufspielen", sagt Sturm. Und es sieht viel danach aus, dass seine Spieler ein besseres Ergebnis erzielen als die Mannschaft, die vor 16 Jahren in Salt Lake City das bisher letzte olympische Viertelfinale einer deutschen Mannschaft bestritt. Mit 0:5 endete das Duell gegen die USA damals. Als Spieler mit dabei war unter anderem der heutige Bundestrainer.

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