Nürnberg entlässt Wiesinger Irritiert vom eigenen Trainer

Diese Debatte hätte Bader wohl ausgehalten, aber auch ihm ist aufgefallen, dass sich die Mannschaft sportlich zuletzt eher zurückentwickelt hat. Als Wiesinger im vorigen Dezember den Job des über Nacht nach Wolfsburg geflüchteten Dieter Hecking übernahm, hat er schnell Zug in die Truppe gebracht, aber am Sonntag sah die Elf aus wie eine, die sich dringend nach klarer sportlicher Führung sehnt.

Gegen den HSV hatte Wiesinger erneut umgestellt, er wollte dem Tabellen-Sechzehnten offensiv begegnen: Er postierte Josip Drmic als zweiten Stürmer neben Tomas Pekhart, und im Mittelfeld gab er eine bisher kaum gespielte Raute in Auftrag, in der sich Makoto Hasebe als einziger Sechser herumschlagen musste. Eine einschneidende Systemänderung vor einem so wichtigen Spiel - das war eine mutige Entscheidung, und man muss im Nachhinein sagen: eine beeindruckend falsche.

Der HSV war deutlich stärker als ein Tabellen-Sechzehnter, weshalb der Club besser das getan hätte, was er immer noch am besten kann: erst einmal sicher stehen. Wiesingers Taktik führte in der Tat zu forschem Angriffsfußball - allerdings beim Gegner.

Ein bisschen haben sie sich beim Club in den letzten Tagen an die Zeit unter Michael Oenning zurückerinnert gefühlt; wieder gab es da einen jungen Trainer, der viel übers Spiel weiß und viel probiert, dabei aber irgendwann womöglich die eigene Elf irritiert. Viele Spieler sehnen sich gerade zurück nach dem Prinzip, das Wiesingers Vorgänger Dieter Hecking und Hans Meyer verkörperten: einfache, klare Vorgaben, die im Spiel zu Erfolgserlebnissen führen, weil sie funktionieren.

Sonntagsspiele der Bundesliga Fünf Watschn für chancenlosen "Club"

Der 1. FC Nürnberg erlebt beim 0:5 gegen den HSV einen schlimmen Nachmittag. Während bei den Franken alles misslingt, freut sich Hamburgs neuer Trainer van Marwijk über seinen ersten Erfolg - einem Stürmer gelingen drei Treffer. Freiburg ärgert sich beim 1:1 gegen Frankfurt über zu viele vergebene Chancen.

Es war bezeichnend für die allgemeine Verunsicherung, dass gegen den HSV plötzlich auch die zuverlässigen Kräfte imposant versagten: Verteidiger Per Nilsson vor dem 0:4 und Torwart Raphael Schäfer vor dem 0:5 leisteten sich grobe Patzer, die Wiesinger als "Slapstick" bezeichnete. Die Elf wirkte auf dramatische Art hilfsbedürftig, was nun auch die Nachfolgersuche beeinflussen dürfte.

Nach den Erfahrungen mit Oenning und Wiesinger dürfte Bader aktuell keinen weiteren Versuch mit einem unerfahrenen Coach wagen, er dürfte einen Fahrensmann suchen, dessen Vita Halt verspricht und der sich vernehmbarer äußert als das leise Trainer- und Co-Trainer-Trio Wiesinger/Reutershahn/Mintal.

Schon fallen Namen wie Thomas Schaaf und Christian Gross, auch zu Felix Magath wird Bader ein Kontakt unterstellt, zumal dieser sehr spezielle Fahrensmann am Sonntag gut sichtbar auf der Haupttribüne Platz genommen hatte. Das bedeute gar nichts, sagen sie beim Club. Magath sei mit dem früheren Präsidenten Gerd Schmelzer befreundet.