Nach Fehlentscheidungen Fifa überdenkt Schiedsrichter-Ansetzungen

Sein Eflmeterpfiff für Brasilien im Auftaktspiel sorgte nicht nur bei den kroatischen Fußballspielern für Unmut: Yuichi Nishimura (rechts).

(Foto: Thanassis Stavrakis/AP)

Nach zweifelhaften Urteilen bricht die Fifa mit einem ungeschriebenen Gesetz. Für Portugals Fabio Coentrão ist die WM frühzeitig beendet, währenddessen kritisiert José Mourinho seine Nationalmannschaft. Lionel Messi schwärmt von einem Stürmer-Kollegen.

Fifa, Schiedsrichter: Mit der Benennung der Schiedsrichter Pedro Proença aus Portugal für das WM-Spiel Kamerun gegen Kroatien und Carlos Velasco aus Spanien für die Partie zwischen Uruguay und England bricht die Fifa ein eigenes ungeschriebenes Gesetz. Üblicherweise waren Referees seit der Fußball-WM 2010 nicht mehr für Spiele mit Mannschaften aus ihrer eigenen Konföderation eingesetzt worden. Einzige Ausnahme waren Spiele zwischen zwei Teams vom gleichen Kontinent wie zum Beispiel zwischen Deutschland und Portugal am Montag in Salvador mit dem Serben Milorad Mazic als Referee.

"Das entscheidende Kriterium ist die Qualität der Schiedsrichter", sagte Fifa-Sprecherin Delia Fischer am Dienstag in Rio de Janeiro. Zweite in den WM-Regularien schriftlich festgehaltene Prämisse ist, dass der Referee nicht aus einem Land kommen darf, das in der gleichen WM-Gruppe spielt wie die beteiligten Teams. Dies besagt Artikel 10.1. der WM-Regularien. Die Kontinent-Klausel galt nur als Common Sense und war bei der WM 2010 in Südafrika strikt eingehalten worden. Einen Zusammenhang mit der öffentlichen Kritik nach dem Elfmeter-Fehlpfiff des Japaners Yuichi Nishimura im Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien (2:1) gebe es nicht, hieß es von der Fifa.

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Portugal, Fabio Coentrão: Für Portugals Linksverteidiger Fabio Coentrão ist die Fußball-WM in Brasilien vorzeitig vorbei. Die Leistenverletzung des Spielers von Real Madrid stellte sich einen Tag nach der 0:4-Niederlage gegen Deutschland als so schwerschwiegend heraus, dass er selbst im Fall eines Weiterkommens der Portugiesen nicht mehr für ein mögliches Achtel- oder Viertelfinale fit werden könne, teilte der nationale Verband FPF am Dienstag mit. Bei Hugo Almeida besteht dagegen noch Hoffnung auf eine Rückkehr während des Turniers. Der frühere Bremer kann zwar zurzeit genau wie Torwart Rui Patricio nur ein individuelles Training absolvieren. Doch seine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel ist nach Verbandsangaben nicht so gravierend wie die Blessur bei Coentrão. Beide mussten am Montag bei der Auftakt-Niederlage der Portugiesen gegen Deutschland ausgewechselt werden.

Portugal, José Mourinho: Der portugiesische Fußballtrainer José Mourinho hat die Leistung seiner Nationalelf beim 0:4 gegen Deutschland und dabei vor allem das Verhalten von Verteidiger Pepe kritisiert. "Wenn ich auf die letzten großen Turniere zurückschaue, muss man einfach sagen, dass Portugal keine guten Resultate gegen die großen Teams der Welt erzielt", sagte der Trainer des FC Chelsea in seinem WM-Blog bei eurosport.yahoo.com. Die Portugiesen seien bei der EM 2012 und der WM 2010 jeweils gegen Spanien ausgeschieden und hätten es auch in beiden Turnieren nicht geschafft, gegen Brasilien und Spanien ein Tor zu schießen.

"Ich hatte aber trotzdem erwartet, dass das Spiel gegen Deutschland ausgeglichener verläuft", meinte Mourinho. Die Umstände seien durch den zweifelhaften Elfmeter zum 1:0 und die ebenfalls strittige Rote Karte für Pepe sehr schwierig gewesen. Dennoch nannte Mourinho das Verhalten seines früheren Spielers bei Real Madrid vor dem Platzverweis "nur schwer zu akzeptieren für Portugal". Vielleicht sei Pepe noch frustriert gewesen, weil er vor dem zweiten deutschen Tor den entscheidenden Fehler begangen habe, sagte der 51-Jährige.

Argentinien, Lionel Messi: Argentiniens Lionel Messi hat in den höchsten Tönen von seinem Nationalmannschaftskollegen Gonzalo Higuain geschwärmt und wäre "sehr erfreut", wenn dieser zum FC Barcelona wechseln würde. "Ich habe mit ihm gesprochen, und das wäre wirklich grandios", sagte Messi. Higuain (beide 26) sei "einer der besten Angreifer der Welt", ein Wechsel wäre laut Messi für den spanischen Renommierklub "großartig". Barca hatte in der vergangenen Saison enttäuscht, vor allem im Angriff fehlte häufig die nötige Durchschlagskraft. In den Medien wurde Higuain, der derzeit beim SSC Neapel unter Vertrag steht, bereits mit den Katalanen in Verbindung gebracht. "Derzeit konzentriere ich mich aber nur auf die WM in Brasilien", äußerte Higuain. Dort haben die Argentinier ihr Auftaktspiel in Gruppe F gegen den WM-Debütanten Bosnien-Herzegowina gewonnen (2:1). In der nächsten Begegnung treffen Messi und Co. am Samstag auf Iran.

Platzverweise: Wilson Palacios aus Honduras und der Uruguayer Maximiliano Pereira wurden nach ihren Platzverweisen aus den ersten Gruppenspielen bei der Weltmeisterschaft in Brasilien jeweils für die nächste Partie gesperrt. Das gab der Fußball-Weltverband FIFA am späten Montagabend bekannt. Palacios hatte im Spiel der Gruppe D gegen Frankreich (0:3) nach einem Bodycheck gegen Paul Pogba Gelb-Rot gesehen und fehlt seinem Team am Freitag gegen Ecuador (19.00 Uhr MESZ/ARD). Uruguay muss im Kampf um die letzte Chance auf das Achtelfinale gegen England (Donnerstag, 16.00 Uhr/ZDF) ohne Pereira auskommen. Der Verteidiger hatte bei der überraschenden 1:3-Niederlage gegen Costa Rica in Gruppe D nach einem groben Foulspiel Rot gesehen.

Gepfeife und Gewedel

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Kolumbien, Ausfall: Kolumbien muss in den ausstehenden beiden Gruppenspielen bei der WM in Brasilien ohne seinen Angreifer Carlos Bacca (27) auskommen. Der Profi vom FC Sevilla hat sich im Training eine Muskelzerrung zugezogen und muss laut Verbandsangaben bis zu zehn Tage pausieren. Damit steht Bacca seinem Trainer José Pekerman in den Partien der Gruppe C gegen die Elfenbeinküste (Donnerstag, 18.00 Uhr MESZ/ZDF) und zum Abschluss gegen Japan (Dienstag, 22.00 Uhr MESZ/ZDFinfo) nicht zur Verfügung. Kolumbien war mit einem überzeugenden 3:0 gegen Griechenland in das Turnier gestartet.

Russland, Social-Media-Verbot: Russlands Nationaltrainer Fabio Capello hat das Social-Media-Verbot für seine Spieler vor und während der Fußball-WM in Brasilien verteidigt. "Tweets können Probleme hervorrufen", sagte der Italiener am Montag in Cuiaba auf einer Pressekonferenz. Seit Mitte Mai hat Capello seine Spieler zur Vorbereitung auf die WM zusammen. Seither durften sie sich weder über den Kurznachrichtendienst Twitter noch über Facebook, Instagram oder ein anderes soziales Medium via Internet äußern. "Wir stellen jeden Tag zwei Spieler, immer zwei andere Spieler nach dem Training für Interviews zur Verfügung", erklärte Capello.

Kamerun, Samuel Eto'o: Kamerun muss in seiner nächsten Partie bei der Fußball-WM am Mittwoch (Donnerstag/0.00 Uhr MESZ) gegen Kroatien voraussichtlich auf Stürmer Samuel Eto'o verzichten. "Die Mediziner bestätigen! Ich nehme wahrscheinlich nicht teil an der Partie am Mittwoch, 18. Juni (Ortszeit) gegen Kroatien wegen einer Knieverletzung", twitterte Eto'o am späten Sonntag aus Brasilien. Der 33-Jährige kämpft schon länger mit der Verletzung. Der Kapitän musste zwei Tage mit dem Training aussetzen. Den "unbezähmbaren Löwen" von Trainer Volker Finke droht nach der 0:1-Niederlage im Auftaktspiel gegen Mexiko bei einer weiteren Niederlage das vorzeitige WM-Aus.