Nach der Ski-WM Klima spricht für Amerika

Sie hielt sich an das Drehbuch: Mikaela Shiffrin.

(Foto: AFP)

Begeisterung in Beaver Creek, viele Rennen nur im Bezahlfernsehen: Trotz gemischter Bilanz der Ski-WM dürfte der US-Markt immer wichtiger für die Sportart werden. Dem Wetter in Europa sei Dank.

Kommentar von Johannes Knuth

Am letzten Tag dieser Ski-Weltmeisterschaften präsentierte sich das Wetter so, wie es sich für einen Februartag in Beaver Creek gehört: stürmisch, bewölkt, kalt. Später legten sich nasse, schwere Schneeflocken auf den Kurs. Ansonsten hatten die Organisatoren in den vergangenen zwei Wochen sämtliche Zutaten beisammen, um die bestellten Bilder zu produzieren: Das Wetter war gut, ungewöhnlich gut, sie füllten die Tribünen bei jedem Rennen - mit kostenlosen Karten, aber immerhin.

Rund 130 000 Zuschauer kamen in zwei Wochen, eine stolze Zahl, bei manchen Weltcups in Nordamerika sind fast mehr Athleten anwesend als Zuschauer. Die Organisation verlief reibungslos, am Ende hielten sich sogar die heimischen Athleten ans Drehbuch: Ted Ligety und Mikaela Shiffrin gewannen Gold im Riesenslalom und Slalom, während an der Strecke viele kleine Ted Ligetys und Mikaela Shiffrins zuschauten.

"Komm Fritz, dieses Mal"

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Die dritte WM in Vail und Beaver Creek war, wie man in der Funktionärssprache sagt, Werbung für den Sport - auch wenn davon in den meisten amerikanischen Wohnzimmern wenig zu sehen war. Zwei Sender hatten zwar die Rechte eingekauft, sie übertrugen die meisten Rennen allerdings auf ihren Bezahlkanälen. Die Welle der Aufmerksamkeit, die sie mit ihrer WM in den USA erzeugen wollten, dürfte an den Grenzen der Skigebiete abebben, aber das muss nichts Schlechtes bedeuten. Großereignisse lassen sich auch im Kleinen ausrichten, es müssen ja nicht immer 50 000 Zuschauer neben der Piste stehen.

Der US-Skiverband USSA würde den Weltcup-Zirkus demnächst gerne häufiger im Land begrüßen, die Chancen stehen gar nicht schlecht. Wobei das nur bedingt mit der WM zu tun hat. Vielmehr passt der Wettkampfkalender des Weltverbands Fis nicht mehr so recht zu den meteorologischen Gegebenheiten. Derzeit legen die Skirennfahrer nach den Auftaktrennen in Sölden und Levi einige Stopps in Nordamerika ein, im Dezember kehren sie nach Europa zurück. Dort lässt sich der Winter in diesem Zeitraum aber immer seltener blicken. "Die Natur zeigt uns, wo es langgeht", sagt Markus Waldner, seit dieser Saison Renndirektor, er hat die Herausforderungen durch den Klimawandel an die erste Position seiner Agenda gesetzt. Waldner wäre nicht abgeneigt, manche europäischen Termine im Dezember ins folgende Frühjahr zu verlegen. Die Amerikaner, sagte USSA-Präsident Tiger Shaw am Samstag, wären wiederum bereit, die Renn- läufer derweil bei sich zu begrüßen, zum Beispiel im Nordosten Amerikas.

Ob sich die Fis mit den europäischen Ausrichtern einigt, ist jedoch ungewiss. Die Skifirmen in Europa wollen im Dezember ihr Weihnachtsgeschäft ankurbeln, dafür soll der Wintersport im Dezember auch schöne Bilder aus der Umgebung produzieren. Bleibt die Frage, wie lange sich derartige Interessen auf Dauer mit einer der wetteranfälligsten Sportarten überhaupt verbinden lassen.