1860 München "...dann wünsche ich auch den Löwen alles Gute"

Beim Pizzaessen: Robert Schäfer (rechts) mit Hasan Ismaik (2. v. li.) und Hamada Iraki (2. v. re).

(Foto: Stefan Matzke/Sampics)

Robert Schäfer war Geschäftsführer bei 1860 München. Jetzt ist er beim direkten Abstiegskonkurrenten Fortuna Düsseldorf und holte als erstes: den alten Löwen-Trainer Friedhelm Funkel.

Von Ulrich Hartmann, Markus Schäflein und Philipp Schneider

Als der neue Trainer Friedhelm Funkel vorgestellt wurde, saß Robert Schäfer in der letzten Reihe neben dem Buffet und sah zu. Er saß nicht auf dem Podium, er gab keine Kommentare ab, es war nicht seine Entscheidung, die da getroffen worden war. Im Gesicht trug er das betäubte Lächeln von einem, der mit dem, was um ihn herum passiert, abgeschlossen hat. Drei Wochen später trat Schäfer als Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München zurück, um seiner Entlassung zuvorzukommen. Das war im September 2013.

Zweieinhalb Jahre später sitzt Schäfer oben auf dem Podium, an diesem Mittwoch, seinem 40. Geburtstag. Er hat sich tatsächlich eine rot-weiß gestreifte Krawatte besorgt. In München hätte er sich das natürlich nicht erlaubt, jetzt aber ist er neuer Vorstandsvorsitzender bei Fortuna Düsseldorf, Sechzigs direktem Konkurrenten im Abstiegskampf, und dessen Farben sind nun mal Rot und Weiß. Und wenn Schäfer auch noch nicht detailliert sagen kann, welche Ziele er in Düsseldorf verfolgt, so hat er doch zumindest allerhand allgemeine Formulierungen des Aufbruchs vorbereitet. "Wir werden hier jetzt anfangen zu gestalten", sagt er, "wir müssen etwas aufbauen, auch sportlich, aber das kostet natürlich Zeit."

Schäfer lernte: Man kann eine alteingesessene Wirtin nicht einfach rauswerfen

Zeit haben sie in Düsseldorf neben dem Geld natürlich am wenigsten, aber die Verwaltung des Mangels kennt Schäfer ganz gut aus seiner Zeit bei 1860 München und zuletzt auch bei Drittligist Dynamo Dresden. Und auch für die Beherrschung von Turbulenzen fühlt er sich gut gerüstet. "Die Zeit in München war intensiv und lehrreich", sagt er inzwischen, "eine prägende Zeit in jeder Hinsicht."

Er lernte, dass der Geschäftsführer eines erfolglosen Profivereins schon mal einen Vietnam-Urlaub abbrechen muss, wenn eine Trainerentlassung zur Debatte steht; er lernte, dass ein winterlicher Not-Bustrip nach Norditalien auch nicht die beste Lösung im Fall einer kaputten Rasenheizung ist; und er lernte am Beispiel von Christls Löwenstüberl, dass man als Immobilienbesitzer eine alteingesessene Wirtin unabhängig von den lukullischen Qualitäten ihrer Schinkennudeln nicht einfach rauswerfen kann, ohne massive Proteste zu erdulden.

Ismaik kam und sagte, er wolle auf eine Stufe mit dem FC Barcelona

Als Schäfer im November 2010 vom Vermarkter IMG zum TSV 1860 kam, sagte Vizepräsident Franz Maget: "Vor ihm liegt eine Höllenarbeit." Damit war zunächst die Vorhölle gemeint, dass die kurz vor der Pleite stehenden Sechziger dringend einen Investor brauchten. Schäfer und der damalige Präsident Dieter Schneider, der ihn ins Amt gebracht hatte, versuchten es mit einem öffentlichen Hilferuf. Und präsentierten kurz darauf tatsächlich einen Interessenten. Dass die Lage noch weitaus höllischer wurde, als ein Investor gefunden war, konnte Schäfer da noch nicht ahnen.

Im Mai 2011 erschien der Jordanier Hasan Ismaik in der Fröttmaninger Arena, um die unmittelbar bevorstehende Insolvenz mit dem Kauf von 60 Prozent der Klubanteile abzuwenden. Er sagte, er wolle in zehn Jahren auf einer Stufe mit dem FC Barcelona stehen und der TSV 1860 müsse in Amerika und Asien bekannt werden. Und: "Ich hoffe, dass Robert Schäfer uns in seiner derzeitigen Position erhalten bleibt." Erst viereinhalb Jahre später, bei seiner berüchtigten Pressekonferenz in London, verriet Ismaik auch warum: Der Investmentbanker Hamada Iraki, Ismaiks damaliger Vertrauensmann, der ihm zum Einstieg bei 1860 überhaupt erst geraten hatte, habe ihm prophezeit, sagte Ismaik, dass sich der Klub über die Person des Geschäftsführers machtpolitisch kontrollieren lasse. Sozusagen an den Vorschriften der in Deutschland geltenden 50+1-Regel vorbei - die vorschreibt, dass die Vereinsvertreter auch in Klubs mit Investorenbeteiligung das letzte Wort haben sollen.