Mitgliederversammlung des 1. FC Nürnberg Bloßgestellt in 16 Sekunden

Schwer in der Kritik: Nürnbergs Aufsichtsratsmitglied Günther Koch

(Foto: dpa)

Ist das noch Profifußball? Ein Aufsichtsrat mit FC-Bayern-Schal, skurrile Zwischenrufe und eine groß angekündigte Palastrevolution. Die Mitgliederversammlung des 1. FC Nürnberg entwickelt sich zur Provinzposse.

Von Matthias Schmid

Um 2.45 Uhr am frühen Mittwochmorgen war dann auch die Mitgliederversammlung des 1. FC Nürnberg beendet, nach mehr als acht Stunden. Es war nicht nur eine lange Versammlung, es war eine Versammlung, die die Anwesenden so schnell nicht vergessen werden. Eine, die zwischen Trauerspiel und Komödienstadl changierte und die es im Laufe des Abends als Hashtag #FCNJHV in die deutschen Twitter-Trends geschafft hat.

"Den Tweets nach ist die Jahreshauptversammlung des 1. FC Nürnberg die beste Comedyshow seit immer", hat ein User erkannt. Als Fan des 1. FC Nürnberg ist man ja einigen Kummer gewohnt. Immer diese emotionalen Achterbahnfahrten, diese sportlichen Dramen mit Auf- und Abstieg, finanzielle Exzesse. Doch diesmal waren es weder finanzielle oder sportliche noch personelle Gründe, die die Mitgliederversammlung 2014 so unvergesslich gemacht haben, sondern ein 16-sekündiges Video auf Youtube.

Es waren 16 Sekunden, die viel über den Klub aussagen. Über seine Befindlichkeiten, über Gerüchte, Halbwahrheiten und Intrigen. Eigentlich war ja alles für eine Palastrevolution vorbereitet. Die Initiative "ProClub 2020" um den ehemaligen Aufsichtsrat Hanns-Thomas Schamel forderte mit großspurigen Versprechungen einen radikalen Neustart des 1. FC Nürnberg, ohne Sportvorstand Martin Bader und Finanzvorstand Ralf Woy. "Der Aufsichtsrat darf sich nicht länger von angestellten Vorständen auf der Nase herumtanzen lassen, die in anderen Unternehmen für manche Äußerungen in den letzten Tagen fristlos entlassen worden wären", schrie Schamel bei seiner Vorstellung.

16 Kandidaten waren angetreten. Unter anderem Schamel, der "Meerrettich-König" aus Baiersdorf. Drei Minuten hatten sie Zeit, für sich zu werben. Alle redeten länger, auch weil immer wieder verblüffende Zwischenrufe ("Wie lauten die Lottozahlen am Samstag?") den Ablauf störten. Am Ende wurde aber nur über einen geredet: über Günther Koch. Der ehemalige Radioreporter des Bayerischen Rundfunks stand dabei gar nicht zur Wahl. Sein Aufsichtsratsmandat läuft noch ein Jahr. Doch drehte sich früh schon alles um ihn. Auch er hatte in den Tagen davor viel Kritik an Bader geübt. Doch meinte es auch ernst? Einige der anwesenden Mitglieder trauten Koch nicht, also stellten sie einen Dringlichkeitsantrag, um ihn abzuwählen.