Mit Bulgarien verpasste Lothar Matthäus kürzlich die EM - und wurde als Trainer entlassen. Damit steht er exemplarisch für die traurige Generation der Weltmeister von 1990: Viele Mitglieder dieser großen Elf geben heute Autogrammstunden in Möbelhäusern - richtige Jobs haben sie nicht.
Am Montag erreichte eine Mail die Redaktionen, in der sich ein Fachmann zu Wort meldete. Jeder Gegner sei gegen einen deutschen Meister doppelt motiviert, erfährt man zum Beispiel in dieser online übermittelten Kolumne. Weitere kostbare Einschätzungen folgen, etwa, dass in Leverkusen "Feuer unterm Bayer-Dach" sei. Laut Kolumnist liegt das daran, dass Trainer Dutt einige Profis "nicht auf ihren angestammten Positionen spielen" lasse, André Schürrle etwa, den man rechts spielen lasse müsse, nicht links.
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Als Spieler ein Held, als Trainer erfolglos und schon wieder entlassen: Lothar Matthäus. (© AP)
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Dazu ist zu sagen, dass links die Lieblingsposition von André Schürrle ist. Die von einer Agentur verschickte Kolumne heißt Klare Kante, bei dem Kolumnisten handelt es sich um Thomas Berthold. Er hat 62 Länderspiele bestritten und an drei Weltmeisterschaften teilgenommen.
Der Drittligist Arminia Bielefeld sucht gerade einen Trainer, aber Thomas Berthold wird es trotz der schönen Bewerbungskolumne nicht werden. Gewagt sei die exklusive Prophezeiung, dass Bielefeld auch Jürgen Kohler nicht verpflichten wird, ebenso wenig Guido Buchwald, Andy Brehme oder Klaus Augenthaler. Zwar verfügen sie über Merkmale, die sie als Trainer ausweisen, sie haben Zeit, sind bereit und schon mal entlassen worden.
Ihre Biographien enthalten aber ein dunkles Kapitel, über das sie gerne sprechen: Sie sind 1990 Weltmeister geworden. Dieser Titel ist wie ein Gaunerzinken, wie ein Zeichen, das ihnen die Branche an die Hauswand gemalt hat: Achtung, bei diesem Trainer nicht klingeln! Er ist ein 90er-Weltmeister!
Auf Jahre hinaus unschlagbar sei diese Generation, meinte der Weltmeister-Trainer Franz Beckenbauer damals. Die Wahrheit ist: Sie wurden auf Jahre untragbar. In dieser Woche hat es wieder zwei von ihnen erwischt.
Lothar Matthäus war die prägende Figur des Turniers, Olaf Thon verwandelte im Halbfinale im Elfmeterschießen den letzten Strafstoß. Matthäus ist gerade als bulgarischer Nationaltrainer entlassen worden, weil er sich angeblich mit den jüngeren Spielern nicht verstanden hat. Olaf Thon hat als Trainer des Fünftligisten VfB Hüls hingeschmissen, weil er sich angeblich mit den älteren Spielern nicht verstanden hat. Das ist der Dank.
Viele Mitglieder dieser großen Elf geben heute Autogrammstunden in Möbelhäusern, sie leihen Autohäusern ihr Gesicht, manchmal laufen sie in Benefiz-Spielen auf, für einen guten Zweck, der manchmal auch das eigene Konto ist. Sie spielen dann gegen eine Auswahl bayerischer Starköche, ihre Pässe kommen gestochen scharf wie früher. Manche dürfen in ihrem Heimatklub Techniktrainer werden wie Thomas Häßler in Köln, was immer noch besser ist als Juror der österreichischen Castingshow Austria's New Footballstar zu sein (was er auch schon war). Manche dürfen in ihrem Heimatklub im Vorstand sitzen wie Guido Buchwald beim Viertligisten Stuttgarter Kickers. Manche sind nach langer Reise immerhin im System Magath angekommen wie Pierre Littbarski, der in Wolfsburg als Co-Co-Trainer beschäftigt wird.
Andere werden Betclic-Botschafter, sie stellen den Namen "Thomas Berthold" einem Wettunternehmen zur Verfügung, in dessen Namen sie dann eine Kolumne verfassen. Klare Kante, Feuer unterm Bayer-Dach. Und in ihren trophäendekorierten Wohnzimmern müssen die Weltmeister von 1990 zusehen, wie die besten Mannschaften des Landes von den Zweitligaspielern Joachim Löw und Jürgen Klopp verantwortet werden oder vom 74er-Weltmeister Jupp Heynckes.
Zufall? Vielleicht. Aber eher nicht.
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Lothar M. kann einem fast schon leid tun, hätte Loddar einen besseren Berater gehabt (wenn er denn einen gehabt hat) würde heute keiner über ihn reden. Und "negative" Beispiele gibt es seit der WM 1954 (auch da sind einige völlig abgestürzt) immer wieder. Und was heißt schon Erfolg. Wenn ich während meiner aktiven Zeit genügend verdient habe, vielleicht reicht dann ein Vorstandsplatz beim Viertligisten aus.
die Herrschaften haben jahrelang beim FC Bayern, Inter Mailand usw. soviel Kohle eingestrichen, das niemand von ihnen heute auf einen richtigen Job angewiesen sein müsste. Wenn Sie es doch sind, konnten und können sie halt nicht mit Geld umgehen. Dafür muss man nicht mit ihnen trauern.
...hier ein Artikel der ZEIT vom letzten Jahr, der das Thema etwas genauer beläuchtet:
http://www.zeit.de/2010/23/DOS-Fussball-Weltmeister-Deutschland/komplettansicht
aktiven Zeit verdient haben, leben können, ist die doch Ausnahme!
Hätte der "Franz" nicht in die Versicherungsbranche "reingeschaut", in seiner Jugend, und seinen kaufmännischen und rectlichen Berater Robert Schwan gehabt, der im gesagt hat, dass das Leben mit der aktiven Karriere nicht beendet ist, könnte er doch von seinen Einnahmen aus den sechziger und siebziger Jahren auch nicht mehr leben? Das gleiche gilt für Netzer-Grashoff-Lüthi. Oder Becker-Tiriac...
Diese Einnahmen waren ein hervorragendes Fundament, auf dem die Sportler aufbauen konnten - mehr nicht! Sie haben das Beste daraus gemacht - Ausnahmespieler und Ausnahme-Vermarktungstalente!
Die andere Seite der Medaille: massenweise Schulterklopfer, mindestens 20%-ige Beraterhonorare, horrende Anwaltskosten, überdurchschnittliche Autokosten, überdurchschnittliche Mietaufwendungen und Hauskäufe in besten Lagen.
Die Freunde - eine Handvoll, mit denen man ehrlich umgehen kann aus der Vor-Karriere-Zeit und massenweise neue und "falsche" Freunde, die sich aushalten lassen. Das ist aber nicht nur im Fußball so...
Daher gilt auch für die Weltmeistermeisterelf 1990 das chinesische Sprichwort: "Ein einfacher Freund in meinem Dorf ist mehr wert als sechzehn Brüder am Kaiserhof."
Warum gibt es dann Franz Beckenbauer noch? ;-)
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