Bayer Leverkusen Schmidt lässt sein Team alleine

Roger Schmidt: Denkt schon weiter

(Foto: Bongarts/Getty Images)
Von Kathrin Steinbichler, Augsburg

Vor dem Spiel hatte Markus Weinzierl noch nett sein wollen. Schließlich war sein Trainerkollege Roger Schmidt von Bayer Leverkusen beim Aufeinandertreffen an diesem Samstag ein drittes und letztes Mal gesperrt. Wo also wohl Schmidt, der sich beim FC Augsburg ab einer halben Stunde vor dem Spiel nicht mehr im Innenraum aufhalten durfte, dieses Bundesligaspiel seiner Mannschaft verfolgen würde? "Wenn alle Stricke reißen: Ich wohne nicht weit weg und habe Sky. Da lade ich ihn ein", hatte Weinzierl unter der Woche auf eine entsprechende Nachfrage geantwortet.

Doch Roger Schmidt kam auf das Angebot Weinzierls, auf seiner Fernseh-Couch Platz zu nehmen, nicht zurück. Der Leverkusener Trainer dachte pragmatischer. Schmidt bereitete die Werkself im Stadion noch auf das Spiel vor, verabschiedete sich dann aber Richtung Spanien - und ließ seine Mannschaft mit Assistenztrainer Markus Krösche in der Augsburger Arena alleine. Er konnte ja nicht ahnen, wie aufwühlend und kurios dieses 3:3 (2:0) verlaufen würde.

"Roger Schmidt auf dem Weg nach Villarreal! Ein letztes Mal ersetzt Markus Krösche heute unseren in der Bundesliga gesperrten Cheftrainer. Schmidt nutzt die Zeit und hat sich soeben in Richtung Spanien verabschiedet, wo er heute Abend das Spiel unseres Euroleague-Gegners Villarreal gegen Las Palmas scouten wird!", twitterte das Leverkusener Social-Media-Team eine gute Viertelstunde vor dem Anpfiff. Dass der Leverkusener Trainer eine Partie seiner Mannschaft überhaupt nicht sieht, das hatte es noch nie gegeben. Und die Spieler ahnten davon vorab auch nichts. "Echt? Davon wusste ich nichts", sagte Christoph Kramer mit verwundertem Blick, als er nach dem Spielende hörte, dass sein Trainer gar nicht im Stadion gewesen sei.

Die Leverkusener Medienbetreuerin muss Christoph Kramer ermahnen

Das war der Moment, in dem die Leverkusener Medienbetreuerin dem Weltmeister ein einschüchterndes "Eyy!" zuraunte und ihn mit einem Zupfer am Trikotärmel zur Achtsamkeit aufrief. Bloß nichts Falsches sagen in diesen anstrengenden Leverkusener Tagen, in denen Verletzungen, spielerische Mängel und Trainerdebatten den Alltag bestimmen! Schmidts Stellvertreter Krösche dagegen gab sich ganz entspannt: "Das war abgesprochen. Wir haben vorher überlegt, was uns was bringt."

http://media-cdn.sueddeutsche.de/globalassets/img/unsprited/placeholder.png

Dass Schmidt schließlich lieber den nächsten Gegner beobachtete, als tatenlos das Leverkusener Spiel zu verfolgen, sei "ein sehr professionelles Verhalten" und zudem "ein großer Vertrauensbeweis für die Mannschaft und für uns als Trainerteam", meinte Krösche. Er war sichtlich zufrieden, seinem Chef nach diesem Vertrauensbeweis einen Punkt und eine Erkenntnis nach Hause mitzubringen: "Die Mannschaft hat heute Moral gezeigt. Die Mentalität, die ihr in letzter Zeit oft abgesprochen wird, hat sie heute gezeigt." Unter kräftiger Mithilfe des FC Augsburg allerdings, der eine 3:0-Führung auf kuriose Weise verspielte.