Christina Schieferdecker vom Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht zur beabsichtigten Genanalyse der südafrikanischen 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya.
Mit dem Fall der 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya (Südafrika) rücken die Anliegen inter- bzw. transsexueller Menschen in den Blickpunkt. Bei Semenya veranlasste der Weltverband IAAF eine Genanalyse, um festzustellen, welches Geschlecht die 18-Jährige hat. Christina Schieferdecker, 41, zweite Vorsitzende des Vereins Aktion Transsexualität und Menschenrecht in Ludwigsburg, über Semenya und warum der Sport Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen ausgrenzt.
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Caster Semenya siegte über 800 Meter - und muss sich einem Geschlechtstest unterziehen. (© Foto: ddp)
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sueddeutsche.de: Frau Schieferdecker, wie erleben Sie den Fall Caster Semenya?
Schieferdecker: Ich finde das ziemlich grotesk. Dass das Parlament in Südafrika eine Beschwerde bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen einreichen will, verstehe ich gut.
sueddeutsche.de: Können Sie sich in das Mädchen hineinversetzen?
Schieferdecker: Kürzlich versuchte eine indische Läuferin, Selbstmord zu begehen, nachdem bei ihr ein Gentest ergab, dass sie nicht bei den Frauen mitlaufen darf. Ich kann mir vorstellen, Caster Semenya befindet sich in einer ähnlichen Gefahr. Als Frau hat sie bestimmt schon in der Jugend unter ihrem männlichen Aussehen gelitten. Dann findet sie etwas, in dem sich das positiv auswirkt und nun fallen alle Leute über sie her.
sueddeutsche.de: Für Sie ist das Diskriminierung.
Schieferdecker: Rennt eine Frau schnell, heißt es: Das muss ein Mann sein. Ich kenne viele Männer, die 800Meter nicht in 2:06 Minuten laufen können. Sind das deshalb Frauen? Das ist eine Hetzjagd. Ich habe auch schon den Ausdruck Hexenverfolgung gehört.
sueddeutsche.de: Der Weltverband IAAF sagt, er habe den Gentest veranlasst, weil Semenya aussehe wie ein Mann.
Schieferdecker: Ich frage mich, nach welchen Kriterien man das beurteilt. Es gibt viele Frauen mit breiten Schultern oder sehr kleinen Brüsten. Andersherum gibt es Männer fast ohne Bartwuchs mit schmalen Schultern. Ich sehe da die Gefahr einer Stereotypisierung. Ein solches Vorgehen wird im übrigen von der UN auch menschenrechtlich geächtet.
sueddeutsche.de: Heute sind aber fast alle Sportarten in Wettbewerbe bei Frauen und Männern eingeteilt. Wo finden inter- bzw. transsexuelle Menschen da ihren Platz?
Schieferdecker: Es gibt keinen.
sueddeutsche.de: Vermutlich, weil viele Menschen der Auffassung sind, dass etwa Caster Semenya, sollte sie intersexuell sein, zu stark ist für die anderen Frauen.
Schieferdecker: Das mag sein. Aber wenn man in der Kategorisierung Mann-Frau bleibt, müsste man sie dennoch mitlaufen lassen.
sueddeutsche.de: Es gibt bereits Spekulationen, irgendwann für Intersexuelle eine dritte Kategorie zu schaffen.
Schieferdecker: Das kann ich mir nicht vorstellen. Zwischen Intersexuellen gibt es wieder zu viele Unterschiede. Das hätte nichts mit Chancengleichheit zu tun.
sueddeutsche.de: Wie kann der Sport diese Menschen integrieren?
Schieferdecker: Ich könnte mir vorstellen, dass man irgendwann nicht mehr nach Geschlechtern trennt, sondern nach Leistungsstärke. So ähnlich wie im Boxen, wo man nach Gewichtsklassen einteilt. Es gibt Menschen ganz unabhängig vom Geschlecht, die haben einen starken Muskelaufbau und hohe Testosteronwerte. Auf der anderen Seite gibt es etwa Männer mit wenig Testosteron. Die werden sie bei der WM in Berlin übrigens nicht finden, weil sie zu schwach sind. Ist das nicht auch Diskriminierung?
sueddeutsche.de: Verstehen Sie, dass dies große Teile der Gesellschaft irritiert?
Schieferdecker: Die meisten Menschen stimmen mit dem heute allgemein anerkannten Geschlechtsbild überein. Doch natürlich ist es so: Es ist nicht einfach, dieser Sache gerecht zu werden.
sueddeutsche.de: Und im Breitensport?
Schieferdecker: Die meisten inter- und transsexuellen Menschen, die ich kenne, machen keinen Sport. Der Umgang ist zu diskrimierend, gerade im Sport, wo Frauen- und Männerbilder stark gepflegt werden. Schon in der Jugend werden Menschen, die nicht der geschlechtlichen Norm entsprechen, gehänselt wegen ihres Äußeren und ziehen sich dann lieber zurück. Das ist für viele sehr belastend, denn auch sie würden zum Beispiel gerne mal schwimmen gehen.
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(SZ vom 24.08.2009/jüsc)
Warum sollen Frauen immer noch diskriminiert werden?
In Deutschland verdienen sie im Durchschnitt etwa 1/4 weniger als die Männer.
In einigen Bereichen werden sie bevorzugt, in anderen hintangestellt. Warum?
Wenn es um Körperkraft geht, sind Männer gewöhnlich überlegen. In anderen Bereichen, Soziales, Pflegendes etc. vermutlich eher Frauen, was die Berufswahl auch bestätigt.
Im Sport ist das doch ähnlich: Beim Motorsport, oder Reiten und ähnlichem sind Frauen aufgrund ihres geringeren Körpergewichts im Gegensatz zu oben wieder von Vorteil.
Was den Frauen fehlt, ist der Kampfgeist, den eben gerade Androgene bringen, sonst hätten sie längst die Nase vorne.Warum liest man von Frauen im Pferde oder Motorsport so wenig? Kraft macht das Werkzeug oder das Tier, der Rest ist Können. Werden Frauen da ausgebissen? Sie wären von Vorteil!
Die einfachste Lösung des vorliegenden Problems ist, parallele Wettkämpfe zusammenzulegen. So können sich Mädels auch nicht mehr beschweren, wenn sie weniger (Werbe-) Einnahmen oder Gehälter als die Männer bekämen.
Das "Mädchen" Semenya und alle Zwischenereignisse wären damit auch erledigt.
Sollten Biologen bisher nicht in der Lage sein, Semenya einzuordnien, was meiner Ansicht nach eine Kapitulation dieser gesamten Wissenschaft bedeuten würde, kann nur noch die Fähigkeit der Kindererzeugung den Ausschlag geben, und wenn es nicht anders geht, in Praxi.
Das schlimmste an den meisten der hier veröffentlichten Kommentaren ist, dass der Biologieunterricht wohl nicht ganz fehlerfrei verlaufen sein kann. Es ist eine biologische Tatsache, dass es Nur-Männer und Nur-Frauen in Wirklichkeit nicht gibt. Geschlecht setzt sich bei jedem Menschen (also auch bei denen, die hier ihre Kommentare abgegeben haben) nicht nur aus einem einzigen Mann-Frau-Faktor zusammen, sondern aus den unterschiedlichsten Faktoren wie z.B. Hormonwerte (wobei hier die Androgenwerte die eigentlichen Werte für die sportliche Leistung sind), Chromosomen (hier existieren nicht nur xx und xy, wie viele fälschlicherweise immer noch annehmen), Innere Organe, Genitalien, Gehirngeschlecht, usw. Wer weiss, dass jeder Mensch bis zur 7. Schwangerschaftswoche ein Zwitter ist (Penis und Klitoris bilden sich z.B. aus dem selben Ur-Organ) und beim Prozess der geschlechtlichen Differenzierung jeder der geschlechtlichen Faktoren sich bei jedem Menschen unterschiedlich entwickelt (deswegen gibt es ja auch grosse und kleine Penisse - sind sie "zu klein" gelten sie in der Biologie bereits als vergrösserte Klitoris), der weiss auch, dass jeder Mensch mehr oder weniger intersexuell ist. In der Tat handelt es sich also beim Fall Caster S um eine Hetzjagt - was man an den Kommentaren hier ganz gut erkennen kann. Es sind Kommentare von Menschen, die aus Unwissenheit vor der Biologie des Menschen (und der Unwissenheit über ihr eigenes "Geschlecht") Menschen für etwas verteufeln, von dem sie selbst betroffen sind.
Dass im Sport die Biologie des Menschen geleugnet wird und an zwei Geschlechtskategorien festgehalten wird, obwohl es sie biologisch nicht gibt, ändert eben nichts an der biologischen Realität. Aber irgendwie geht es bei einem doping-verseuchten Streben nach Stärke (deswegen ja auch das häufige Dopin mit männlichen Hormonen) sowieso mehr um den Schein als um Realität. So ist das wohl...
Was soll denn bitte dieses absolut lächerliche Interview auf einmal? Die "Frau" Schieferdecker schmeißt hier einerseits mit Vorurteilen um sich, hat andererseits von modernem Leistungssport keine Ahnung.
Man kann doch nicht die einseitigen Aussagen solcher Leute unkommentiert stehen lassen. Sie kann ja gerne bei einer Polit-talkshow diskutieren, aber warum soll man ihre Meinung in der Zeitung als Interview lesen, und dann noch in dem bereich "Sport"? Sie hat eine Meinung zu ihrem Problem und weiter nichts, darauf baut sich ihre Sympathie zu der Südafrikanerin und darauf wiederum ihre ganze Argumentation.
Beispiel: "Transsexuelle werden beim Sport gehänselt".... was hat das bitte mit dem Thema zu tun? Hier geht es nicht um das Recht, irgendwelche Körperteile verdecken zu dürfen, sondern um fairness bei der Sportelite. Man gibt ja Dicken ja auch nicht ein paar extra-Sekunden, nur weil sie in der Schule diskriminiert werden.
Ganz unprofessionell....
Von der "verdammten Toleranz" kann man gar nicht genug haben, deswegen braucht mit ihr auch nicht Schluss zu sein.
Ich halte die Untersuchungen, die zur Klärung der Geschlechtszugehörigkeit von Caster Semenya beitragen sollen, nicht für Diskriminierung. Es geht nämlich nicht in erster Linie darum herauszufinden, wie der Mensch Caster Semenya "gestrickt" ist. Sondern es geht darum herauszufinden, wie die Leistungssportlerin, die sich im internationalen Wettbewerb vergleichen lassen will gestrickt ist.
Falls ihr die komplizierten Regelwerke und Zusammenhänge mit wirtschaftlichen Interessen im intern. Leistungssport evtl. nicht bewusst waren, kann sie einem schon leid tun. Diskriminiert wird sie meiner Meinung nach aber nicht.
Es drängt sich doch sehr stark die Frage auf, ob aus Gründen der "Gleichbehandlung" ein neues Fass aufgemacht werden musste, oder ob die Diskussion dem Sommerloch oder einem müden Wahlkampf geschuldet ist. Die Frage, ob weibliche Sportlerinnen nicht gegenüber transsexuellen benachteiligt werden, interessiert wohl nicht! Die nächste Frage wird sein, welche Möglichkeiten haben wir mit Gen - Doping im Bezug auf Männlich - oder Weiblichkeit. Im vorliegenden Fall und anderen Fällen hat es sich bisher um eine klitzekleine Minderheit gedreht. Und die Medien machen eine riesige Sensation daraus. Jetzt sollte man unter diesem Aspekt mal die Medien hinterfragen, wie sie es mit der Menschenwürde halten
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