Kurt Landauer und der FC Bayern "Untrennbar voneinander"

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Als Charakterkopf führte Kurt Landauer den aufstrebenden FC Bayern. 1933 wurde er von den Nazis abgesetzt, weil er Jude war - und kehrte nach dem Krieg zurück. Mit einer beeindruckenden Choreografie gedenken die Bayern-Ultras nun eines Mannes, der schon fast in Vergessenheit geraten war.

Von Claudio Catuogno

Ein paar Schwarz-Weiß-Bilder, sehr viel mehr war bis vor wenigen Jahren von Kurt Landauer nicht mehr zu finden. Und sein Neffe Uri Siegel, einer der wenigen Verwandten, die den Nazi-Terror überlebten, hatte noch diese Offizierskiste mit Dokumenten, dazu ein paar vererbte Manschettenknöpfe - und einen alten Regenschirm. Einen "kernigen Bauernschirm", sagt Uri Siegel gleich zu Beginn der ARD-Dokumentation, die im Spätsommer 2014 einen Spielfilm zu Kurt Landauer flankieren soll.

Der Schirm, den Uri Siegel immer mit sich herumträgt, ist in der eindringlichen 30-Minuten-Doku das Accessoire, das Landauer exemplarisch charakterisiert. Ein Macher, das war er wohl, bodenständig, tief verwurzelt in Bayern. Kernig. Landauer war Präsident des aufstrebenden FC Bayern München von 1913 bis 1914 und erneut von 1919 bis 1933. Dann wurde er abgesetzt von den Nationalsozialisten, weil er Jude war.

30 Tage war er 1938 im Konzentrationslager Dachau interniert, Baracke Nummer acht. 1939 ließ man ihn nach Genf emigrieren. Und dann, 1947, nach der Rückkehr in das Land, das gerade fast seine gesamte Familie ausgelöscht hatte, wurde er noch einmal Bayern-Präsident, bis 1951. Ein Charakterkopf bis zuletzt; wenn eine Sekretärin mal was durcheinanderbrachte, konnte er bellen: "Habt ihr denn gar nichts gelernt außer Heil Hitler sagen?"

Kurt Landauer. Eine prägende Figur, deren Erbe in einem Klub wie dem FC Bayern mehr oder weniger von alleine am Leben erhalten wird dank ihrer Verdienste? Sollte man meinen.

Fast in Vergessenheit geraten

Doch als Karl-Heinz Rummenigge, der heutige Vorstandschef, 1974 als Spieler zum FC Bayern kam und zehn Jahre dort blieb, ist ihm "der Name Landauer nie mehr begegnet", berichtete Rummenigge am Sonntag auf einer Gedenkveranstaltung im Vereinsmuseum. Und Charlotte Knobloch, die langjährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, fiel vor einiger Zeit fast aus den Wolken, als sie eher zufällig am Stadtrand den Kurt-Landauer-Weg entdeckte, "neben dem Klärwerk, Häuser gibt's da nicht". So gedachte die Stadt München Kurt Landauer.

"Aber der FC Bayern", sagte Knobloch am Sonntag, "hat diesem Mann nachträglich gegeben, was er verdient hat, und was die Stadt München versäumt hat." 2013 wurde Landauer posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt. Und dank Uri Siegel sowie der Recherchen des BR-Reporters Nick Golücke und anderer weiß man jetzt sogar so viel über Landauer, dass es für einen Themenabend in der ARD reichen wird.

In vielen Klubs hat es schon zum Rückrundenauftakt Aktionen gegen Rassismus und Diskriminierung gegeben. Gebündelt wurden sie in der bereits zehnten Auflage des Aktionstags "Nie wieder!", mit dem der deutsche Fußball seit 2005 das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig hält. In Frankfurt diskutierten unter anderem DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Liga-Präsident Reinhard Rauball auf einem dreitägigen Kongress mit fast 300 Teilnehmern.

Bayern-Ultras gedenken Landauer

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp war das Gesicht einer "Nie wieder!"-Plakatkampagne. Und in den Stadien organisierten oft just jene jungen Ultra-Fans, die in der Republik nicht überall den besten Ruf haben, die eindrucksvollsten Gedenk-Kampagnen, Choreografien oder Veranstaltungen.

Der FC Bayern hat den Aktionstag nun verlängert bis zu diesem Spiel gegen Frankfurt. Das bot sich an: 1932 waren die Bayern das erste Mal Deutscher Meister geworden, Kurt Landauer hatte sie zu einem der modernsten Klubs Europas geformt, schon damals. Das Finale gewannen die Bayern 1932 gegen Eintracht Frankfurt, den Gegner vom Sonntag.

Zuverlässig wie Tipp-Kick-Figuren

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Während die Vorab-Premiere des Dokumentarfilms samt Gesprächsrunde noch im kleinen Rahmen stattfand, erreichte die Choreografie der Bayern-Ultras bereits 70.000 Leute. Landauers Konterfei zierte die Südkurve, dazu ein Zitat von 1947: "Der FC Bayern und ich gehören nun einmal zusammen und sind untrennbar vonein- ander." Wenn es anders gewesen wäre, wenn bei den Münchner Fußballern nicht schon seinerzeit dieser weltoffene Geist geherrscht hätte: München wäre dem Juden Kurt Landauer kaum wieder zur Heimat geworden.