Kurs des 1. FC Nürnberg Zickzack in die zweite Liga

Der 1. FC Nürnberg steht vor dem achten Abstieg in der Geschichte.

(Foto: dpa)

Nürnbergs Sportchef Martin Bader hat Gertjan Verbeek als Trainer geholt und entlassen - zwei mutige Entscheidungen. Der Klassenerhalt würde den Abschied rechtfertigen. Doch im Abstiegskampf wird immer deutlicher, dass in Nürnberg ein klares Konzept fehlt.

Ein Kommentar von Markus Schäflein

Es ist ohne Frage eine bemerkenswert mutige Entscheidung gewesen, Gertjan Verbeek zu verpflichten. Der Holländer ist ein ausgewiesener Fachmann des Fußballspiels, trotzdem - oder: gerade deshalb - widersetzt er sich mit Begeisterung so manchen Gesetzen seiner Branche.

Also kam er im Oktober nach Nürnberg zu einer bis dahin sieglosen Mannschaft, um den Verbleib in der Bundesliga zu schaffen mit Mitteln, die im eigentlichen Sinne fußballerisch sind: mit schönem Offensivspiel, ohne Gebolze und Getrete, immer fair und ehrlich. An seinen Überzeugungen hielt Verbeek auch fest, als er Spiel um Spiel verlor.

Zuvor war schon Michael Wiesinger gescheitert, der sich vorwerfen lassen musste, zu ruhig und zu still zu sein für den recht problematisch zusammengestellten Kader. Verbeek war eher ein lauter Dirigent, ihm wurde unterstellt, zu stur und zu rigoros zu sein. Dass der 1. FC Nürnberg kein Trainerproblem hat, sondern ein Mannschaftsproblem, offenbart sich nun erst so richtig.

Die alten Recken wie Torwart und Kapitän Raphael Schäfer hatten unter Verbeek offen kritisiert, es gehe nur defensiver und auch mal mit unfairen Mittel - im Klartext: nur ohne Verbeek. Kaum ist der Holländer weg und die Nürnberger haben das nächste Spiel verloren, beklagen die jungen Schöngeister im Team, Josip Drmic etwa, wortreich die Entlassung des Holländers.

Rasenschach - die Fußball-Taktikkolumne Verbeeks verflogener Zauber

Mit forschem Offensivfußball wollte Gertjan Verbeek den 1. FC Nürnberg aus der Abstiegszone befreien - das Experiment scheiterte. Der neue Trainer Roger Prinzen setzt nun auf das Konzept, von dem sich der Club eigentlich verabschiedet hatte.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Süddeutsche.de)

Die Entscheidung von Sportvorstand Martin Bader gegen Verbeek, die von einer Mehrheit des Aufsichtsrats getragen wurde, war nicht weniger als die Entscheidung gegen einen konsequenten Umbruch. Verbeek wäre der richtige Mann für einen Neuaufbau mit jungen, spielfreudigen Menschen gewesen, zur Not in der zweiten Liga.

Doch die Entschlossenheit zu einem klaren Kurs, die Baders Entscheidung für Verbeek innewohnte, ist dem Sportdirektor irgendwo unterwegs im Keller verloren gegangen. Er ließ sich dabei maßgeblich von Stimmungen aus der Mannschaft leiten, was nicht unbedingt ein Fehler sein muss - doch es zeigt sich eben, dass es eine Meinung in diesem heterogenen Kader nicht gibt.

So bleibt - seit dem Weggang des souveränen Dieter Hecking - der Eindruck eines Zickzackkurses, nicht nur in der Trainerfrage, sondern auch bei der Suche nach einem Konzept. Zudem zeichnet Bader auch für die Statik des Kaders verantwortlich. Die Entscheidung, Verbeek zu entlassen, ließe sich nur durch den Klassenverbleib rechtfertigen.

Der Erfolg wäre ihr einziger Sinn. Derzeit sammeln Mitglieder Unterschriften, um eine außerordentliche Versammlung einzubestellen. Bader hat sich selbst unter Druck gebracht. Verbeek zu entlassen, war so gesehen genauso mutig, wie ihn einzustellen.