Kunstturnen Philipp Boy beendet Karriere

Der 25-Jährige konnte seine Angst nach einem schweren Sturz nicht vollständig besiegen. NBA-Team San Antonio Spurs muss 250.000 Dollar Strafe zahlen. Deutschlands Rodel-Doppelsitzer gewinnen auch das zweite Rennen der Saison, die Skilangläufer enttäuschen hingegen. Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft siegt bei der Champions Trophy.

Sportnachrichten in Kürze

Schwerer Sturz vom Reck: Philipp Boy prallt nach einem Fehler im November 2011 hart auf die Matte.

(Foto: dapd)

Kunstturnen, Philipp Boy: Philipp Boy hat das Ende seiner Turn-Karriere verkündet. 124 Tage nach seinem letzten Wettkampf bei den Olympischen Spielen in London begründete der zweimalige Mehrkampf-Vizeweltmeister aus Cottbus seinen Schritt mit psychischen Problemen nach seinem schweren Sturz vor einem Jahr in Stuttgart. "Seit diesem Sturz hatte ich die Bremse im Kopf. Ich konnte das Problem nicht lösen", sagte der 25-Jährige am Rande des Turn-Weltcups in der Stuttgarter Porsche-Arena. "Ich habe gespürt, dass ich in vier Jahren nicht mehr mit um Olympia-Medaillen kämpfen kann. Insofern war es der logische Schritt", sagte Boy.

Er wird aber dem Turnen verbunden bleiben. "Ich habe den Sport 21 Jahre lang betrieben. Ich werden ihm immer treubleiben", fügte er hinzu, ohne konkrete Ziele zu benennen. Beruflich werde er seine zwei Imbiss-Geschäfte in Cottbus weiter betreiben. Bereits nach seinem Debakel in London, wo Boy als Mitfavorit nach Reckabstürzen alle Einzelfinals verpasst hatte, waren das erste Mal Rücktrittsgedanken beim Lausitzer laut geworden. In der Olympia-Saison hatte er mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen.

NBA, San Antonio Spurs: Die San Antonio Spurs müssen für den Verzicht auf ihre Stars im Topspiel gegen die Miami Heat 250.000 Dollar zahlen. Die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA verurteilte den viermaligen Meister zu dieser Strafe, weil die Texaner damit der Liga und den Fans einen schlechten Dienst erwiesen hätten. "Das Team hat die Heat, die Medien und die Liga nicht rechtzeitig informiert", sagte NBA-Commissioner David Stern am Freitag (Ortszeit).

Spurs-Coach Gregg Popovich hatte am Donnerstag in Tim Duncan, Tony Parker, Manu Ginobili und Danny Green seine vier wichtigsten Spieler geschont. Die Strafe rief ligaweit Unverständnis hervor. "Popovich hat das bereits in der Vergangenheit gemacht und er weiß, was das Beste für das Team ist" meinte der frühere Profi Shaquille O'Neal. Unterstützung erhielt Popovich auch von seinem Trainerkollegen Doc Rivers von den Boston Celtics: "Du musst dein Team so coachen, dass du auf lange Sicht gewinnst und dafür alles tun. Wenn das heißt, auf Spieler zu verzichten, dann verzichtest du auf die Spieler." Die Spurs kommentierten die Strafe zunächst nicht. Miami hatte sich nur mit Mühe 105:100 durchgesetzt.

Rodeln, Doppelsitzer: Die Rodel-Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt haben beim Heim-Weltcup am Königssee ihren zweiten Saisonsieg eingefahren. Die Bayern hielten die Konkurrenz mit Bahnrekord deutlich auf Distanz und machten eine Woche nach dem Sieg beim Auftaktrennen ihren zwölften Weltcup-Erfolg perfekt. Die WM-Zweiten Toni Eggert und Sascha Benecken sorgten hinter Wendl/Arlt für den erneuten Doppelerfolg der deutschen Doppelsitzer. Dritte wurden die österreichischen Olympiasieger Andreas und Wolfgang Linger.

Eisschnelllauf, Claudia Pechstein: Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat ihren Aufwärtstrend im Weltcup fortgesetzt, ist an einem weiteren Coup aber knapp vorbeigelaufen. In der kasachischen Hauptstadt Astana lief die 40-Jährige über 5000 m in 7:01,05 Minuten auf den zweiten Platz hinter der tschechischen Doppel-Olympiasiegerin Martina Sablikova (7:00,75), die seit zwei Jahren auf dieser Strecke unbesiegt ist. "Das war eine ganz tolle Leistung von Claudia. Das Eis war heute nicht so gut wie in den letzten Tagen, aber sie ist konstant durchgelaufen", sagte Chef-Bundestrainer Markus Eicher. Stephanie Beckert (Erfurt/7:02,52) musste sich mit Platz vier hinter Olga Graf aus Russland zufrieden geben.

Skilanglauf, Weltcup: Die deutschen Skilangläufer haben auch im zweiten Distanzrennen des WM-Winters den Sprung in die Weltspitze klar verpasst. Der 22. Platz von Jens Filbrich (Frankenhain) war beim Zehn-Kilometer-Rennen im finnischen Kuusamo für das Team des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) noch das beste Resultat. Sieger wurde der Russe Alexander Legkow in 21:52,8 Minuten. "Das war ein sehr knappes, aber ordentliches Rennen", sagte Filbrich, der im Ziel 44,8 Sekunden Rückstand hatte. Neben dem 33-Jährigen verfehlte auch Tobias Angerer auf Platz 28 die Top 15 und damit die erhoffte halbe WM-Norm. Erst gar nicht in die Punkte schafften es Andreas Katz und Tim Tscharnke auf den Plätzen 32 und 33. Axel Teichmann wurde gar 77. Zuvor hatten die deutschen Frauen ein Ausrufezeichen gesetzt: Nicole Fessel sorgte als Neunte für das erste deutsche Top-Ten-Ergebnis der Saison, Katrin Zeller und Denise Hermann rundeten auf den Rängen 14 und 15 das gute Abschneiden ab.

Hockey, Männer: Hockey-Olympiasieger Deutschland ist mit einem Sieg in die 34. Champions Trophy gestartet. Die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise gewann in Melbourne/Australien 3:2 (3:0) gegen Neuseeland. Tobias Matania (2.), Jan Christopher Rühr (21.) und Oliver Korn (26.) sorgten mit ihren Treffern in der ersten Halbzeit für den erfolgreichen Auftakt. Nach dem ersten Spieltag liegt die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), die beim prestigeträchtigen Turnier mit nur drei Goldmedaillen-Gewinnern von London antritt, in der Gruppe A auf dem zweiten Platz. Tabellenführer ist Indien nach einem 3:1 (1:1) gegen England. Am Sonntag (4.30 Uhr MEZ) geht es für das DHB-Team mit dem Spiel gegen die Engländer weiter. Zum Abschluss der Vorrunde steht am Dienstag (7.30 Uhr MEZ) das Duell mit Indien an.

Skispringen, Weltcup: Die deutschen Skispringer haben nach 1027 Tagen wieder einen Mannschaftswettbewerb im Weltcup gewonnen. Im finnischen Kuusamo erreichten Senkrechtstarter Andreas Wellinger (Ruhpolding), Routinier Michael Neumayer (Berchtesgaden), Richard Freitag (Aue) und Severin Freund (Rastbüchl) nach zwei Durchgängen 1104,1 Punkte und verwiesen die Mannschaften aus Österreich (1098,8) und Slowenien (1064,4) auf die weiteren Podestplätze. Nach dem ersten Durchgang hatte das DSV-Quartett noch auf dem zweiten Rang gelegen, ein Patzer der zur Halbzeit führenden Slowenen und ein Glanzsprung von Wellinger über 143 Meter brachten das Team von Bundestrainer Werner Schuster aber mit einem komfortablen Vorsprung den Sieg. Der Schlussspurt von Olympiasieger Österreich kam zu spät. Zuletzt hatte ein deutsches Team am 7. Februar 2010 beim Heimspringen in Willingen triumphiert. Der 33-jährige Neumayer war in Kuusamo einzig verbliebener Springer der damaligen Erfolgsmannschaft.

Ski alpin, Frauen: Maria Höfl-Riesch ist bei einer weiteren Abfahrts-Demonstration von "Speed Queen" Lindsey Vonn zum zweiten Mal in diesem Winter aufs Stockerl gefahren. Die Doppel-Olympiasiegerin aus Partenkirchen belegte beim überlegenen Triumph ihrer Freundin Vonn bei der ersten Saison-Abfahrt in Lake Louise/Kanada nach einer couragierten Fahrt durch den Nebel Platz drei. Auf Rang zwei, den Stacey Cook (USA) holte, hatte Höfl-Riesch nur eine Hundertstelsekunde Rückstand. Vonn (USA) fuhr 1,74 Sekunden schneller - und damit mal wieder in einer anderen Welt. "Im Training waren die Bedingungen besser, aber ich denke, es war ein faires Rennen. Am Ende hat die Beste gewonnen, und das nicht zu knapp", sagte Höfl-Riesch. Mit ihrer Platzierung sei sie "zufrieden, aber mein Ziel ist es immer, an die Lindsey heranzukommen oder sie zu schlagen. Es wird der Tag kommen..." Viktoria Rebensburg (Kreuth/2,42 Sekunden zurück) kam nicht unter die besten Zehn. Das Rennen musste wegen Nebels und Schneefalls für insgesamt rund eine Stunde unterbrochen werden.