Kandidatur als IOC-Präsident Wie Thomas Bach München die Spiele vermiest

Thomas Bach strebt das höchste Amt im Weltsport an - dies hat auch Auswirkungen auf eine Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2022. Wenn das IOC für einen deutschen Präsidenten stimmt, hat München schlechtere Chancen.

Von Lisa Sonnabend

Nun ist es offiziell: Thomas Bach strebt das höchste Amt im Weltsport an. "Nach vielen Gesprächen mit Freunden aus dem nationalen und internationalen Sport habe ich mich dazu entschlossen, mich um das Amt des IOC-Präsidenten zu bewerben", sagte der 59-Jährige auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Die Entscheidung, wer die Nachfolge von Jacques Rogge antritt, fällt im September. Bewerber müssen ihre Kandidatur bis zum 6. Juni beim IOC anmelden. Bach ist der erste Kandidat, der offiziell ins Rennen geht.

Sollte er IOC-Präsident werden, "wäre das eine Anerkennung für den deutschen Sport", sagte Bach bei der Pressekonferenz. Doch wird Bach gewählt, wäre dies zwar ein persönlicher Erfolg für den ehemaligen Florettfechter - jedoch auch ein großer Dämpfer für die Ambitionen Münchens, die Winterspiele 2022 auszurichten.

Bis zum 14. November können die nationalen Verbände - in Deutschland der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), dem Bach vorsteht, - eine Stadt als Ausrichter für die Winterspiele 2022 vorschlagen. In München formieren sich derzeit die Pläne, erneut anzutreten. Der DOSB hatte sich bereits festgelegt, über eine Bewerbung der bayerischen Hauptstadt erst im Herbst zu entscheiden. Die Begründung: Man wolle dies erst nach den Landtags- und Bundestagswahlen im September tun. Aber vermutlich spielten auch da bereits die Karrierepläne des Thomas Bach eine Rolle. Denn sollte Bach zum IOC-Präsidenten gekürt werden, kann Deutschland sich kaum noch Hoffnungen machen, auch bald Olympische Spiele auszurichten.

Die Spiele für den Sommer 2020 werden im September vergeben - zeitgleich mit der Wahl des neuen IOC-Präsidenten. Bach kommt es sehr gelegen, dass keine deutsche Stadt antritt. Denn das IOC hätte nicht zwei Mal für Deutschland votiert. Deswegen hatte sich der 59-Jährige seit Jahren für eine Bewerbung Münchens für den Winter 2018 stark gemacht, auch wenn diese von Anfang an mit wenig Aussichten auf Erfolg gesegnet war, da Pyeongchang bereits zwei Mal zuvor gescheitert war und das IOC nun den Südkoreanern den Zuschlag schuldig war.

Wenn Bach nun im September Präsident werden sollte, wäre es auch unwahrscheinlich, dass München den Zuschlag bekommen würde, wenn 2015 darüber abgestimmt wird, wo die Spiele 2022 stattfinden.

Dabei stehen die Chancen von München an sich gut. Nach der Niederlage gegen Pyeongchang für die Winterspiele 2018 würde München bereits zum zweiten Mal antreten - das sieht das IOC immer gerne. Außerdem haben im Juli 2012 die USA ihre Ambitionen aufgegeben und schließlich im Frühjahr auch noch Graubünden in der Schweiz eine angestrebte Bewerbung wieder auf Eis gelegt, weil die Bevölkerung nicht mitzog.

Nach den Retorten-Spielen, die 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang stattfinden, kämen dem IOC Spiele in einer Region, in der die Zuschauer mit dem Wintersport tief verbunden sind, eigentlich gelegen. Neben München denken derzeit Krakau, Oslo, Barcelona und das ukrainische Kwiw über eine Bewerbung nach.

In Bachs Interesse wäre sicherlich eher eine Bewerbung für Sommerspiele - zum Beispiel ein Berlin 2028 oder 2032. Denn die lösen größere Begeisterung bei der Bevölkerung aus - und Bach könnte mit dem Zuschlag für die Sommerspiele seine Amtszeit krönen.