Jonathan Tah im SZ-Interview "Was haben wir Jungs mit dem alten Klischee zu tun?"

Leverkusens Jonathan Tah (r.) im Duell mit Bayerns Sandro Wagner.

(Foto: dpa)

Mit Bayer Leverkusen trifft Jonathan Tah im DFB-Pokal-Halbfinale auf den FC Bayern. Er sieht "eine gute Chance für uns" - und stört sich an den häufigen Vergleichen mit Jérôme Boateng.

Von Christof Kneer und Philipp Selldorf

Jonathan Tah werden die jüngsten Ergebnisse des FC Bayern nicht entgangen sein. Wenn die Bayern auf einen Gegner aus Deutschland trafen, dann stand es am Ende 5:1 (gegen Gladbach), 4:1 gegen Augsburg oder 6:0 (gegen Dortmund). Aber Tah ist sich vor dem Halbfinale im DFB-Pokal einer wichtigen Sache bewusst: "Die Spieler von Bayern München sind auch nur Menschen, genau wie wir", sagt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, "und genau wie wir müssen auch sie ab und zu auf die Toilette gehen."

Was Tah meint: "Die Bayern sind nicht unschlagbar. Und ein Halbfinale hat einen anderen Charakter als ein normales Ligaspiel. Ich sehe da eine gute Chance für uns." Über Tah, 22, heißt schon mal, sein Stil ähnle dem von Bayerns Innenverteidiger Jérôme Boateng. Natürlich sind die Vergleiche Tah nicht entgangen: "Wir sind schon so oft verglichen worden, irgendwann habe ich gesagt: Jetzt reicht's! Ich spiele jetzt mein eigenes Spiel."

Tah sagt das nicht, weil er Boateng für das falsche Vorbild hielte: "Jérôme ist natürlich das Nonplusultra auf der Position, seine Karriere ist ein Traum, und wir haben vielleicht ein paar Ähnlichkeiten - aber ich will meinen eigenen Weg gehen. Damit irgendwann jüngere Spieler sagen: Ich will so spielen wie Jona Tah. Das würde mich freuen."

"In Leverkusen entsteht gerade ein neuer Geist"

Im Februar hat Tah seinen Vertrag in Leverkusen bis 2023 verlängert - bei jenem Klub, dem seit langem der Makel fehlender Titel anhaftet, manifestiert im Spitznamen "Vizekusen". Doch Tah, dreifacher Nationalspieler, sagt: "In Leverkusen entsteht gerade ein neuer Geist. Was haben wir Jungs mit dem alten Klischee zu tun?" Er hat seinen Vertrag auch verlängert, weil er glaubt, dass "in Leverkusen etwas Großes heranwächst und dass sich Bayer 04 in Deutschland ganz oben etablieren kann. Ich hoffe, dass sich hier dann auch mal der Traum von einem Titel erfüllt."

Denn neben ihm hat kürzlich auch Nationalspieler Julian Brandt seinen Vertrag verlängert. "Hier wird ganz bewusst darauf geachtet, eine junge frische Truppe am Start zu haben, das tut dem Verein sehr gut", sagt Tah: "Im Moment spielt hier ja gerade eine Art deutsche B-Nationalmannschaft."

"In Leverkusen entsteht gerade ein neuer Geist"

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