HSV-Sieg gegen Dortmund Slomka belebt einen hoffnungslosen Abstiegskandidaten

Mirko Slomka herzt den unter van Marwijk aussortierten Verteidiger Slobodan Rajkovic.

In sechs Tagen gelingt dem neuen Trainer Mirko Slomka, was Bert van Marwijk schon lange nicht mehr geschafft hatte: Der HSV tritt als Mannschaft auf, die Selbstbewusstsein ausstrahlt und leidenschaftslosen Dortmundern keine Chance lässt. Ein wichtige Rolle spielen dabei bereits ausgemusterte Profis.

Von Saskia Aleythe, Hamburg

Wo zuletzt noch Bert van Marwijk mit bedröppelter Miene kauerte und von Pep Guardiola Mut zugesprochen bekam, thronte nun Mirko Slomka. Stolz, im fusselfreien dunkelblauen Sakko, lauschte er Jürgen Klopp. Der Dortmunder Trainer lobte seinen Gegner dafür, was er in den vergangenen sechs Tagen in Hamburg geleistet hat. Slomka nippte am Wasserglas, einmal, zweimal, dann war auch er an der Reihe. "Vielen Dank für die warmen Worte", sagte der 46-Jährige bei seiner ersten Pressekonferenz nach einem Spiel als HSV-Trainer. Filmreife erste Worte nach einer filmreifen Premiere.

Es fehlte nur noch bunter Konfettiregen, golden schimmerndes Sprühfeuerwerk und ein wenig Musik im Hintergrund, um den ersten großen Auftritt von Mirko Slomka in Hamburg kinotauglich zu untermalen.

Mit Slomka zurück zum Glück

Der Hamburger SV kann es also doch noch: Beim Debüt von Trainer Mirko Slomka gelingt den Norddeutschen ein überzeugendes 3:0 gegen den BVB. Weil die Borussia es zulässt, spielen die Hamburger mit neuem Selbstbewusstsein - und schaffen den ersten Erfolg der Rückrunde. Von Saskia Aleythe, Hamburg mehr ...

Nach sieben Liga-Niederlagen in Folge hatte Slomka den verunsicherten Hamburgern ausreichend Leben eingehaucht, um nicht nur nicht zu verlieren - es reichte sogar für einen Sieg. 3:0. Gegen Borussia Dortmund. Ein Resultat, das vor der Partie als wahnwitzige Prognose abgetan worden wäre. Eines, das sich die leidgeplagten Anhänger eben wünschen, wie vor dem Anpfiff, als ein junger Fan ins Mikrofon seinen Tipp sprechen durfte ("3:1 für Hamburg!") und Gelächter durchs Stadion ging.

"Das Ergebnis war in dieser Höhe nicht ganz verdient", sagte Slomka dann sogar entschuldigend, auch ihm kam das alles vielleicht etwas unheimlich vor. "Wir haben es aber über weite Strecken in der Defensive gut gemacht und die Mannschaft kann auf diese Punkte stolz sein", führte er fort, wollte aber auch zu verstehen geben: "Heute war eines von 13 Spielen, und wir werden nie aufhören zu arbeiten."

Aufpäppeln und Motivieren, das liegt Slomka

Bemerkenswert an diesem Samstagnachmittag war tatsächlich, wie der HSV zu diesem Sieg gekommen war. Die erste Großtat von Slomka war es, dem Abstieg nahen Verein wieder Hoffnung einzuflößen. Er hatte eine eingeschüchterte Truppe vorgefunden und als neuer Impulsgeber innerhalb kurzer Zeit recht muntere Menschen auf den Rasen schicken können. "Er hat einfach Ruhe ausgestrahlt", befand René Adler und meinte das anerkennend.

Aufpäppeln und Motivieren, das liegt Slomka. Hakan Calhanoglu war nach 90 Minuten so selbstbewusst, dass er einen direkten Freistoß aus fast 40 Metern einfach mal direkt verwandelte und die Dortmunder endgültig düpierte. "Ich habe gedacht: Mach einfach das, was du im Training machst", erklärte der 20-Jährige. "Beim Stand von 0:0 hätte ich es nicht gemacht. Das war echt das schönste Tor meiner Karriere." Klopp resümierte schon fast gönnerhaft: "Das dritte Tor hat Hamburg wohl für die vergangenen Monate entschädigt."

Slomka war vom Auftritt seiner Mannschaft freilich angetan und setzte seine Motivationsstrategie fort: "Ich sehe eine Begeisterung, ich sehe Bereitschaft, für den Verein zu arbeiten und ich sehe eine leistungsfördernde Atmosphäre." Ein wichtiges Signal, das vom neuen Trainer ausging: die Wiederbelebung bereits ausgemusterter Profis. Er schenkte Slobodan Rajkovic die erste Einsatzzeit in der aktuellen Saison überhaupt, der Verteidiger zeigte eine ordentlichen Leistung. "Ich bin sehr dankbar, dass er mir heute die Chance gegeben hat zu spielen", sagte der 25-jährige Serbe. Angreifer Petr Jiracek war seit Ende September vergangenen Jahres nicht mehr auf dem Platz, gegen Dortmund köpfelte er den Führungstreffer zum 1:0.

Dass der HSV überhaupt als Mannschaft auftrat, war ein Phänomen, das es unter van Marwijk schon lange nicht mehr gegeben hatte, stattdessen verstolperten oft elf Individuen die Bälle. Jürgen Klopp analysierte nach der Partie: "Mirko hat versucht, das zu tun, was man als Trainer auch zu machen hat: Der Mannschaft Sicherheit und taktisches Konzept zu geben."