Geständnis von DDR-Kugelstoßer Beyer Doping? Ach was!

Olympiastadion in Montreal, 1976: Der DDR-Kugelstoßer Udo Beyer setzt zu einem Versuch an

(Foto: dpa)

Geplant war das anders: Ein Film, der das einseitige Bild vom Doping in der DDR aufbrechen wollte, wird nun reduziert - aufs Doping in der DDR. Dabei überrascht ein gedopter DDR-Olympiasieger heute wohl niemanden mehr. Für die Filmemacher dürfte die Diskussion aber zum richtigen Zeitpunkt kommen.

Ein Kommentar von Claudio Catuogno

Aus der cineastischen Perspektive betrachtet ist das jetzt tatsächlich dumm gelaufen: Da dreht die Filmemacherin Sandra Kaudelka, geboren 1977 in Leipzig, einen bewegenden, sehr persönlichen Dokumentarfilm über vier Sporthelden des einstigen Arbeiter- und Bauernstaats. Und sie tut das, weil sie "das eindimensionale Bild gestört hat, das immer vom DDR-Sport vermittelt wird", sprich: "die Reduktion auf das Thema Doping".

Kaudelka war selbst Teil des DDR-Sports: Im Kindergarten wurde sie als Wasserspringerin gecastet, 1987 wurde sie Zweite bei der Spartakiade. Dabei wollte sie nie Sportlerin sein. Sie hasste Wasserspringen. Und hat sich doch nicht wehren können gegen den "Zwang zum Drill". Kaudelka hat den DDR-Sport, der seine Besten mit Privilegien köderte, sie aber auch jederzeit fallen ließ, "perfide und subtil erlebt" - über verbotene Mittelchen hinaus.

Geprägt von dieser Erfahrung ist nun also ein Anderthalb-Stunden-Werk entstanden, das von den Zwischentönen lebt. Und was bleibt übrig, wenn so ein Film von den Nachrichten-Lieferanten ausgequetscht und auf seinen vermeintlichen Kern durchgekämmt ist? Die Reduktion auf das Thema Doping. "DDR-Olympiasieger gedopt." Ach was!

Schweigen aus Angst

Als könne das noch irgendwen überraschen, dass Udo Beyer, der Kugelstoß-Olympiasieger von 1976, seine übermenschlichen Kräfte nicht bloß dem Genuss von Leipziger Allerlei verdankte. In der Literatur über das DDR-Staatsdoping sind sogar die exakten Dosen Oral-Turinabol dokumentiert, die Beyer bekam. Seit mehr als 20 Jahren. Mehr als das späte Geständnis erzählt da schon die Verklärung, die mit diesem einhergeht ("Einen Ackergaul kannst du noch so viel dopen, der wird nie ein Rennen gewinnen..."). So redet sich also Udo Beyer die Sache schön. Andere Ex-Athleten schweigen bis heute zu dem Thema. Die Angst dahinter ist wohl die gleiche: dass weite Teile ihrer Biografien in der neuen Welt nichts mehr wert sein sollen.

So richtig interessant ist deshalb erst der Subtext des Films: dass nämlich der DDR-Sport mit seiner Leistungs-Optimierung um jeden Preis seine Protagonisten im Grunde ganz gut vorbereitet hat auf das, was ab 1989 plötzlich neue gesellschaftliche Realität war. Leistungs-Optimierung um jeden Preis nämlich: im Spitzensport West. Aber auch weit über den Sport hinaus.

Die Filmemacher haben sich deshalb am Donnerstag ein bisschen geärgert über die Udo-Beyer-Schlagzeilen, man kann das sogar verstehen. Andererseits: Aus der Marketing-Perspektive ist so ein Doping-Geständnis keine schlechte Sache. Der Dokumentarfilm "Einzelkämpfer" hat diesen Freitag Premiere auf der Berlinale. Ein Verleih wird noch gesucht.