Von Jürgen Schmieder

Bei der WM 2006 tanzte ein knuffiges argentinisches Maskottchen zugedröhnt auf der Tribüne. Vier Jahre später steht es als Trainer an der Seitenlinie - und sieht einfach nur großartig aus.

Wer an vergangene Heroen des Sports denkt, der hat meist ein einzelnes Bild vor Augen, das auf wundersame Weise ins Langzeitgedächtnis tätowiert wurde. Boris Becker etwa kann sich noch so viel Mühe geben, immer mehr auszusehen wie Uli Edel oder Wolfgang Joop - der innere Projektor spielt nur die Szene ab, in der ein orangebehaarter Lümmel in weißem Trikot auf dem Rasen steht und seinen ersten Sieg in Wimbledon bejubelt.

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Diego Maradona bei der WM 2006: ein tanzendes Maskottchen auf der Tribüne. (© ag.dpa)

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Von nur ganz wenigen, den Überlebensgroßen nämlich, sind im Gedächtnis mehrere Bilder gespeichert. Franz Beckenbauer ist so einer, da wirft die innere Memory Card einen eleganten Fußballer aus, einen einsamen Wanderer, der nach dem WM-Finale 1990 über den Rasen von Rom schreitet - und noch ein Bild von Beckenbauer mit Mikrofon in der Hand, der sich selbst besser parodiert als Matze Knop.

Der Einzige, der den Kaiser in dieser Frage übertreffen kann, ist Diego Maradona: Ein ganzer Diavortrag spielt sich da intern ab, in Erinnerung ist etwa geblieben, wie er bei der WM 1986 den Ball mit der Hand über Peter Shilton ins Tor bringt. Oder wie er bei der WM 1994 nach einem Treffer in die Kamera brüllt. Oder ein Foto aus der Zeit, in der er aussah wie ein Luftballon, der zu stark aufgepustet wurde. Und natürlich dieses Bild von der WM 2006, als er bei den Spielen der argentinischen Nationalelf zugedröhnt auf der Tribüne tanzt und das Maskottchen gibt.

Am Samstag hat Diego Maradona der Diashow ein weiteres Bild hinzugefügt: das des großen Staatsmannes. Einen edlen Zwirn hatte sich Maradona beim ersten Spiel der argentinischen Elf - dessen Trainer er nun ist - um den gedrungenen Körper geworfen. Die graue Krawatte schimmerte passend zum mattgrauen Anzug, das weiße Hemd darunter saß perfekt. Die schwarzen Lackschuhe waren derart poliert, dass Maradona jederzeit die flockigen Haare oder seinen George-Clooney-Bart hätte begutachten können.

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