Fußball in England Liverpool-Verschleiß erzürnt Klopps Kritiker

Jürgen Klopp steht in England in der Kritik, weil zu viele seiner Spieler verletzt sind.

(Foto: REUTERS)
  • Die vielen Muskelverletzungen beim FC Liverpool sorgen in England für eine Debatte.
  • Jetzt wirft ein Teammanager Jürgen Klopp vor, seine Spieler zu verheizen.

Teammanager Sam Allardyce vom englischen Fußball-Erstligisten FC Sunderland hat im Streit mit seinem Kollegen Jürgen Klopp nachgelegt und den Trainer des FC Liverpool für die Verletztenmisere der Reds verantwortlich gemacht. Allardyce sieht die Ursache für den Ausfall von inzwischen zehn Spielern in Klopps forderndem Spielstil und wirft dem früheren Dortmund-Coach vor, er sei schlecht auf die Premier League vorbereitet gewesen.

"Er verlangt von seinen Spielern doch extremstes Pressing in hohem Tempo. Es ist toll, dass die Spieler in der Lage sind, das zu leisten, aber das macht sich jetzt eben bemerkbar", sagte Allardyce bei Talksport über Klopp, den er kürzlich nach dem 0:1 in der Liga gegen Liverpool als "weichen Deutschen" bezeichnet hatte.

Klopp habe nicht verstanden, wie "grausam" die Premier League zum Jahreswechsel sei, weil er immer wieder "diese extra hohe Energie" oder "extra zehn Yards" von seinen Spielern erwarte, führte Allardyce aus: "Diese Jungs sind nach so vielen Spielen in so kurzer Zeit müde - und dann ziehen sie sich eben Muskelverletzungen zu."

Klopp hatte auf die erste Aussage des Kollegen gelassen reagiert. "Viele Leute haben mich schon Schlimmeres genannt", sagte er. Am Dienstag nach dem 1:0-Erfolg im Halbfinal-Hinspiel des englischen Ligapokals bei Stoke City und weiteren Verletzungen von Spielmacher Coutinho und Abwehrspieler Dejan Lovren meinte Klopp, er übernehme "die volle Verantwortung" für die Ausfälle. Zudem betonte er: "Wir müssen sehen, ob wir etwas ändern müssen, ob die Belastung im Training möglicherweise zu groß ist."

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Derweil übt auch ein Ex-Liverpool-Coach Kritik an den Trainingsmethoden. "Fünf Oberschenkelverletzungen auf einmal können kein Zufall sein", monierte Graeme Souness, der die Reds zwischen 1991 und 1994 coachte. "Ein neuer Trainer kam und sprach sofort vom Gegenpressing über das gesamte Spielfeld. Es ist schwer, so über 90 Minuten zu arbeiten. Ich denke, sie müssen gucken, wie sie jetzt trainieren wollen."

Denn sonst wird es nach Meinung des ehemaligen schottischen Nationalspielers ungemütlich für die Klopp-Mannschaft. "Der Club muss das irgendwie hinbekommen, sonst kann es dir eine ganze Saison ruinieren", erklärte Souness. Klopp kann den Vorwurf nicht verstehen. "Wir trainieren nicht. Wir regenerieren nur", sagte der frühere Mainzer Profi und ergänzte: "Wenn Sie mich auch für die Oberschenkelverletzungen verantwortlich machen wollen, ist das okay." Auch Liverpools Nationalspieler Adam Lallana widerspricht Souness. "Wir haben so viele Spiele zuletzt gemacht, da haben wir in den Einheiten mehr regeneriert als intensiv trainiert", sagte er dem Liverpool Echo.