Fußball-Bundesliga "Jugend forscht" in Leverkusen

Frisch in der Bundesliga: Leverkusens Benjamin Henrichs (rechts).

(Foto: dpa)
Von Frieder Pfeiffer, Stuttgart

Jürgen Kramny hob die Schultern, ohne die Hände aus der Tasche zu ziehen. Dazu neigte er den Kopf leicht zur Seite, hob die Augenbrauen und mit ihnen die Mundwinkel. Die Herumstehenden nickten. Kramny besitzt die Fähigkeit der Antwort ohne Worte. In diesem Fall entgegnete der Trainer des VfB Stuttgart auf die Frage, ob sein Team den Gegner wohl etwas zu leicht genommen habe, mit einem klaren körpersprachlichen Das kann man so sagen.

Roger Schmidt war zu diesem Zeitpunkt schon verschwunden, dabei wäre die Reaktion des Leverkusener Trainers auf diesen speziellen Dialog interessant gewesen. Wenn sich nun selbst beim längst nicht gesicherten VfB "zu viel Selbstsicherheit" im Angesicht Leverkusener Spieler breit macht, wie Kramny später doch noch in wörtlicher Rede anmerkte, dann sagt das so manches über die wankelmütige Stuttgarter Elf. Viel mehr verdeutlicht es jedoch die Sicht auf die Leverkusener vor dieser letzten Partie vor der Länderspielpause: abgerutscht in der Tabelle, rausgerutscht aus der Europa League.

"Sie wurden einfach reingeschmissen und haben es überragend gemacht"

Auch wenn sich Trainer Schmidt nach dem überraschend ungefährdeten 2:0-Sieg in Stuttgart dagegen verwahrte, unter Druck gestanden zu haben, gab er zu, die Ausgangslage sei "sehr spannend" gewesen. Denn aufgrund einer weiteren Verschärfung der sowieso chronisch schwierigen Personallage vertraute er gleich zwei Startelf-Debütanten: dem Sechser Wladen Jurtschenko, 22, und Rechtsverteidiger Benjamin Henrichs, 19. "Sie wurden einfach reingeschmissen und haben es überragend gemacht", fand Torhüter Bernd Leno. So war es mit der Spannung ähnlich schnell vorbei wie bei einem mittelprächtigen Fernsehkrimi.

Jugendnationalspieler Henrichs, seit fast zwölf Jahren im Verein und vor einem Jahr noch Schüler und A-Jugendlicher, machte dank geschickter Zweikampfführung und beachtlicher Grundschnelligkeit aus dem zuletzt gepriesenen VfB-Außenbahnflitzer Filip Kostic einen frustrierten Flaneur. Und der Ukrainer Jurtschenko agierte im Mittelfeld so abgeklärt, als er seit Jahren nichts anderes getan.

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Auf ganze 18 Minuten Bundesliga hatte es Jurtschenko in dieser Saison gebracht, zusammen mit den 30 von Henrichs ergibt sich so gerade eine Halbzeit mit Nachspielzeit. Derartige Zahlenspiele ließ das Duo ungerührt. Und hätte Jurtschenko nach gut einer Stunde den Ball mit viel Wucht statt an der Latte im Stuttgarter Tor untergebracht, er hätte die Bühne nicht unbedingt einem anderen Teenager überlassen müssen.