Frauenfußball Darf Steffi Jones weitermachen?

Darf sie weitermachen? Steffi Jones, die deutsche Fußball-Nationaltrainerin.

(Foto: Maja Hitij/Getty Images)
  • Wir sind schuld, nicht die Trainerin: Das ist die Botschaft der DFB-Fußballerinnen nach der überraschenden EM-Niederlage gegen Dänemark.
  • Im Verband wird nach dem Viertelfinal-Aus dennoch über Steffi Jones diskutiert.
Von Anna Dreher, Sint-Michielsgestel

Um halb neun Uhr am Morgen war die Röte aus ihren Augen wieder verschwunden, die Enttäuschung und innere Leere noch nicht. Dzsenifer Marozsán musste am Montag mit Gefühlen umgehen, auf die sie lieber verzichtet hätte. Aber ändern konnte die Spielführerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft das auch nicht mehr. Und so stand die 25-Jährige vor dem Teamhotel und versuchte in Worte zu fassen, was sie noch gar nicht verarbeitet hatte. "Das war eine kurze und keine schöne Nacht", sagte sie. "Am meisten verletzt mich die Art und Weise, wie wir verloren haben. Das tut einfach weh und ist schwer zu akzeptieren."

Im Hintergrund liefen ihre Mitspielerinnen mit gepackten Koffern zum Mannschaftsbus, lächeln konnte kaum eine. Das Team von Bundestrainerin Steffi Jones war einen Tag zuvor gegen Dänemark mit 1:2 (1:0) im Viertelfinale der Europameisterschaft ausgeschieden. "Das ist eine bittere Lehrstunde für uns, wir hatten das klare Ziel, weiterzukommen", sagte Jones. "Wir müssen jetzt alle erst mal runterfahren. Das ist schon ein harter Brocken für uns."

"Uns hat die Courage gefehlt und der letzte Biss"

Der Titelverteidiger und achtmalige EM-Sieger hat sein großes Ziel verpasst - nach dem Finale am Sonntag werden andere jubeln. Für Babett Peter war die Enttäuschung darüber so groß, dass sie die Niederlage gegen Dänemark mit jener von 2011 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land verglich, die bisher als emotionaler Tiefpunkt im deutschen Frauenfußball gegolten hatte. "Wir haben uns das alle ganz anders vorgestellt. Uns hat die Courage gefehlt und der letzte Biss", sagte die Abwehrchefin. "Wir haben im Kollektiv versagt. Jede Spielerin muss sich jetzt auch selbst hinterfragen, woran das lag."

In die eigene Falle getappt

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Um viertel vor neun fuhren die Spielerinnen ein letztes Mal vom Teamhotel die Allee zur Hauptstraße entlang. Eine Woche früher als erwartet und statt des erhofften Pokals mit lauter Fragen im Gepäck.

Vom ersten Moment dieser EM an hatte die deutsche Auswahl nicht richtig ins Turnier gefunden, sie konnte die spielerische Qualität nie in der erwarteten Dominanz zeigen. In der Vorrunde hatte Steffi Jones alle Feldspielerinnen eingesetzt, doch egal, in welcher Kombination sie spielen ließ - gegen Schweden (0:0), Italien (2:1) und Russland (2:0) -, brauchte es im offensiv ausgerichteten 4-4-2 mit Raute drei Elfmeter und einen Torwartfehler, um die Gruppenphase zu überstehen. Als Isabel Kerschowski gegen Dänemark ein herausgespieltes Tor gelang, befreite das die Mannschaft nicht, sondern verunsicherte sie noch mehr. Hinzu kamen eklatante Fehler und Schwächen im Abschluss.