Fragwürdige Olympiasieger in London Sagenhafte Freakshow

Die Spiele haben mit zwei Siegern begonnen, die viele Fragen aufwerfen. Ein Doping-Schuft gewinnt das olympische Radrennen, eine 16-jährige Chinesin schwimmt die letzten 50 Meter schneller als der schnellste Mann. Wer soll da noch glauben, dass alles mit rechten Dingen zugeht?

Ein Kommentar von René Hofmann, London

Es ist gekommen wie befürchtet. Vor dem Start der Spiele wurde der Direktor der Welt-Anti-Doping-Agentur, der Neuseeländer David Howman, gefragt, wie er es fände, wenn der Leichtathlet Justin Gatlin den populärsten Wettbewerb gewinnen würde, das Rennen über 100 Meter. Der Sprinter aus den USA wurde mehrmals mit Dopingmitteln erwischt, hat es aber auf juristischem Wege geschafft, die lebenslange Sperre abzuwenden, die ihm drohte, und sich den Weg nach London erstritten. Howman hat die Frage fatalistisch beantwortet: "Wer berechtigt ist teilzunehmen, ist auch berechtigt zu gewinnen." Formal mag das richtig sein, aber ist damit schon alles gesagt?

Doppel-Gold mit 16 Jahren

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Die Spiele haben am Samstag mit zwei Siegern begonnen, die viele Fragen aufwerfen. Mit Siegern, die der olympischen Bewegung nicht recht sein können. Mit Problem-Siegern. Im Radrennen spurtete der Kasache Alexander Winokurow voraus. Jener Winokurow, der jahrelang für das Team der deutschen Telekom fuhr, dessen systematisch betriebene Dopingpraktiken hinlänglich dokumentiert sind. Der des Dopings mit Fremdblut - einer besonders ekligen Praktik - überführt und gesperrt wurde. Der in London nur starten durfte, weil eine Regel, die den Ausschluss besonders perfider Betrüger vorsah, als juristisch nicht haltbar eingestuft wurde.

Die Regel wird derzeit überarbeitet, sie soll juristisch wasserdicht werden, denn Sportler wie Winokurow will das Internationale Olympische Komitee bei seinen Spielen nicht dulden. Doch jetzt hat dieser Schuft sogar gewonnen.

Wenige Stunden nach Winokurows Coup vor dem Buckingham Palast tat sich im Schwimmbad kaum Glaubliches. Ye Shiwen gewann über 400 Meter Lagen nicht nur, sie verbesserte den Weltrekord gleich um den sagenhaften Wert von mehr als einer Sekunde. Dabei schwamm sie auf den letzten 50 Metern nicht nur schneller als alle Konkurrentinnen, sie hängte im Vergleich der Spurtzeiten sogar Ryan Lochte ab, der kurz zuvor über die gleiche Distanz gewonnen und dabei ebenfalls fast einen Weltrekord aufgestellt hatte.

Eine 16-Jährige spurtet die letzten 50 Meter schneller als der schnellste Mann! Wer soll da noch glauben, dass alles mit rechten Dingen zugeht? Eine Erklärung fürs Gezeigte hatte Ye Shiwen nicht zu bieten. Schwimmen sei wichtig in China, erklärte sie kindlich naiv, dort gebe es viele gute Trainer. Ach so. Dann ist ja alles in Ordnung, oder?

Die Olympischen Spiele 2012 in London - sie haben begonnen: mit einer mitreißenden Eröffnungszeremonie und einer erstaunlichen Freakshow.

Einhändig und halbblind

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