Keine Stallorder: Sebastian Vettel gewinnt in São Paulo den vorletzten Formel-1-Lauf der Saison vor Teamkollege Mark Webber. Die WM-Entscheidung fällt im Abschlussrennen.
Die Erleichterung war groß, aber sie war auch etwas gespielt: Am Kommandostand des Formel-1-Teams von Red Bull wurde nach dem Sieg von Sebastian Vettel beim Großen Preis von Brasilien - vor seinem Teamkollegen Mark Webber und Ferrari-Fahrer Fernando Alonso - gejubelt. Die Reihenfolge bedeutet, dass dem Rennstall der Konstrukteurstitel sicher ist.
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Nummer eins in São Paulo: Sebastian Vettel. (© dpa)
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Aber sie bedeutet auch: Alonso wird am kommenden Sonntag um 14 Uhr deutscher Zeit als Favorit in Abu Dhabi ins Finale der Saison 2010 ziehen. Der Spanier kommt auf 246 Punkte, Webber ist acht Zähler zurück, Vettel 15. Weil es für einen Sieg 25 Punkte gibt, hat Mc-Laren-Mann Lewis Hamilton mit 222 Zählern wohl nur noch eine theoretische Chance, zum zweiten Mal nach 2007 den WM-Titel zu gewinnen.
Für Vettel war es der neunte Sieg seiner Karriere und der vierte in diesem Jahr. "Phantastisch, eine großartige Fahrt!", lobte Teamchef Christian Horner am Funk den siegreichen Vettel. Der gab zurück: "Ich bin stolz, ein Teil von euch zu sein." Der Erfolg war auf eindrucksvolle Weise entstanden: Schon im Training war Vettel der Schnellste gewesen. Sein Teamkollege Webber wirkte alles andere als glücklich: Wie angekündigt, hatte Red Bull auf jede Stallorder verzichtet. Das führt dazu, dass Alonso im letzten Rennen ein zweiter Platz reicht, um zum dritten Mal nach 2005 und 2006 den Titel zu gewinnen.
Auf den ersten Metern hat es im Autodromo in Interlagos schon häufig ein Kuddelmuddel gegeben. Dieses Mal blieb alles geordnet: Vettel zog vor der ersten Kurve an Williams-Fahrer Nico Hülkenberg vorbei, der am Samstag bei wechselhaftem Wetter überraschend die Qualifikation gewonnen hatte. Wenig später zog Webber nach und ebenfalls an Hülkenberg vorbei. Alonso und Hamilton, die anderen Titelkandidaten, benötigten etwas länger, aber auf Dauer konnte Hülkenberg sie nicht hinter sich halten. Als alle in ihren Rhythmus gefunden hatten, fuhren die Top-Kräfte an der Spitze: 1. Vettel, 2. Webber, 3. Alonso.
Konstrukteurs-WM entschieden
Die Konstellation barg Spannung: Vor dem Rennen war viel darüber geredet worden, ob Red Bull seine Fahrer im Fall des Falles anweisen würde, in welcher Reihenfolge sie ins Ziel fahren sollen. So, wie die Reihenfolge lag, stellte sich die Frage neu und mit Nachdruck: Mit einem Platztausch hätte Webber den Rückstand in der Fahrerwertung auf Alonso vor dem letzten Saisonrennen auf einen Punkt verkürzen können.
Doch Teambesitzer Dietrich Mateschitz hatte vor dem Start des Rennens einen strategischen Eingriff ausgeschlossen. Bei der Boxenstopp-Runde hielt sich die Crew daran. Sowohl Vettel, der in Umlauf 26 von 71 als Erster vor die Box fuhr, wurde anstandslos abgefertigt wie auch Webber, der eine Runde später kam. Alonso und Hamilton setzten ihre Reise durch den sonnigen Nachmittag ebenfalls ohne jedes Problem fort.
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Der Flügelflitzer
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Wenn, wie zu erwarten, zum Ende Vettel das Rennen anführt und Alonso auf Platz drei liegend Webber verfogt, dann wird Vettel, weil dann ohne reelle Chance mehr auf den Titel, Webber auch ganz ohne Stallorder vorbei lassen und ihm so zum Titel verhelfen. Einem Titel der dann, weil erst durch Vettel Gnaden möglich, sich selbst entwertet. Das ist dann die späte Rache von Vettel an Webber.
Wenn in Abu Dhabi Vettel wieder die im Kreis fahrende Meute anführt, und der Spanier Alfonso an zweiter Position fahrend, an Schumacher vorbei möchte, kann doch der Kegelmeister diesen Mittelpin herauskugeln. In der Disziplin soll er bekanntlich auch Meister sein.
Also Zufälle gibts...