Formel 1 in Barcelona Bis die Reifen glühen

So nah kamen sich Lewis Hamilton und Sebastian Vettel beim Grand Prix in Barcelona öfters.

(Foto: AFP)
  • Beim Rennen in Barcelona kommt es zu einigen sehr engen Szenen zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton.
  • Der Deutsche muss sich letztlich mit Platz zwei begnügen, weil sein Konkurrent die bessere Marschroute verfolgt.
Von Philipp Schneider, Barcelona

Ach, was ist an diesem Rennwochenende in Barcelona nicht alles geredet und geraunt worden. Über die vielen neuen Teile, die Mercedes an seine Autos montiert hatte. Vor allem über die schöne, schlanke Nase, die nun erstmals die Wagen von Lewis Hamilton und von Valtteri Bottas zierte. Über das vergleichsweise bescheidene Upgrade bei Ferrari wurde natürlich auch diskutiert, die Scuderia hatte ja nur ein bisschen die Aerodynamik an den Autos von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen optimiert.

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Als dann jedoch Hamilton am Sonntag um kurz nach halb vier als Erster über die Zielgerade auf dem Circuit de Catalunya rollte, gefolgt von Vettel und Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, da verstummte die Debatte darüber, welches Team vor dem ersten Rennen in Europa am cleversten geschraubt und geforscht hatte angesichts einer alten Weisheit in der Formel 1: Zieh nie die falschen Reifen auf, sonst verlierst du die Rennen. Vettel und Hamilton waren noch immer gleich schnell. Aber Hamilton hatte gewonnen, weil er seine weichen Gummis auf dem flirrenden Asphalt von Barcelona so lang und so heiß hatte laufen lassen, wie es nicht einmal die Ingenieure von Pirelli für möglich erachtet hätten. "Lewis hat einen guten Job gemacht, vom Speed waren wir identisch", sagte Vettel.

Nach dem fünften Saisonrennen hat Vettel nur noch sechs Punkte Vorsprung auf Hamilton, der seinen zweiten Barcelona-Sieg nach 2014 einfuhr. "Ich habe wirklich gepusht so gut es ging", sagte Vettel: "Es war sehr, sehr knapp, ich habe alles versucht, aber er ist einfach davongeflogen."

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Zunächst ist erst einmal Vettel geflogen. Um 51 Tausendstel hatte der Deutsche am Samstag die Pole-Position verpasst, die Startaufstellung war wie in China: Hamilton vor Vettel, vor Bottas, vor Räikkönen. Vor dem Start erkundigte sich Hamilton bei seinem Renningenieur nach dem Wind, der sich in Barcelona oft rennentscheidend auswirkt. "Pass auf in Kurve neun, da bläst der Wind von hinten", riet der Ingenieur. Auch Hamiltons Boss Niki Lauda war nervös vor diesem Rennen, bei dem es kaum möglich ist zu überholen. "Der Start entscheidet alles. Wir müssen in der ersten Kurve vorne sein. Dann können wir in frischer Luft fahren und Reifen schonen." Daraus wurde nichts.

Hamilton kam zwar ordentlich weg, Vettel aber auch. Der Ferrari beschleunigte allerdings stärker. Möglicherweise lag das am Gegenwind, der dem Briten als Führendem nicht erst in Kurve neun, sondern schon jetzt vor der ersten Kehre gegen die schlanke, neue Nase blies. Eingangs der ersten Kurve war Vettel vorne, gefolgt von Hamilton und Bottas.

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Auch sonst war viel los: Der Ferrari von Räikkönen touchierte den Red Bull von Max Verstappen, der Niederländer rumpelte über die Wiese, und bei Räikkönen brach vorne links die Radaufhängung. Für beide war darauf das Rennen zu Ende. Auswirkungen hatte die Kollision auch für Fernando Alonso. Als Verstappen und Räikkönen auf die Strecke zurückkehrten, musste Felipe Massa ausweichen. Dabei schob er Alonso ins Kiesbett.

Der tapfere Spanier hatte sich in seinem hoffnungslos lahmen McLaren-Honda am Samstag spektakulär den siebten Startplatz erkämpft. Insofern war es etwas schade, dass er nun über die Steine holperte. Aber er sah erstmals in dieser Saison die Zielflagge und wurde am Ende Zwölfter.

An der Spitze zog Vettel den Sprint an, Hamilton blieb dran, Bottas dagegen konnte mit dem Tempo nicht mithalten, neun Sekunden lag er zurück in Runde neun. Vettel rollte als Erster an die Box, um sich einen neuen Satz weicher Reifen aufziehen zu lassen. Und damit eröffnete er eine irrwitzige Pokerrunde zwischen den Teams.