Formel 1 Alonso löst ein wildes Tauschgeschäft aus

Bekommt im kommenden Jahr einen neuen Motor in seinen Dienstwagen eingebaut: Formel-1-Pilot Fernando Alonso.

(Foto: Mark Thompson/Getty)
  • McLaren-Pilot Fernando Alonso ist mit seinem Motor so unzufrieden, dass er kürzlich seinen Wagen beim Rennen in Spa einfach an der Box abgestellt hat - obwohl nichts defekt war.
  • Der zweifache Weltmeister bekommt im kommenden Jahr einen neuen Motor in seinen Dienstwagen eingebaut.
  • Das dürfte in der Formel 1 zu einer komplexen Rochade führen - betroffen sind nicht nur Alonso, McLaren und Honda, sondern auch Renault, Red Bull und dessen kleine italienische Schwester Toro Rosso.
Von Philipp Schneider

Wenn der Eindruck nicht täuscht, dann ist Fernando Alonso so gut wie am Ziel. Sollte er Ende der Woche tatsächlich am Ziel sein, dann hat er sich das verdient mit seiner Hartnäckigkeit außerhalb seines Rennwagens. Er hat die Mikrofone auf den Pressekonferenzen zur politischen Waffe umfunktioniert und vor allem das Funkgerät in seinem McLaren.

Wenn der Eindruck nicht täuscht, dann hat sich Fernando Alonso so lange beschwert, geflucht und gezetert, bis die Hälfte aller Funktionäre aus den unterschiedlichsten Teams nachgegeben haben, um dem Spanier seinen größten Wunsch zu erfüllen: Im nächsten Jahr bekommt er einen neuen Motor in seinen Dienstwagen eingebaut. Alonso fährt dann mit einem Antrieb von Renault. Das verfluchte Honda-Aggregat aus Japan kommt weg und wechselt von McLaren zu Toro Rosso. Alonso hat es mal als "GP2-Motor" beschimpft. Dazu muss man wissen, dass Formel-1-Fahrer vor den GP2-Motoren aus der Nachwuchsserie in etwa so viel Respekt haben wie Astronauten vor einer beim Discounter erworbenen Silvesterrakete.

Es wird erwartet, dass McLaren und andere Teams anlässlich des am Sonntag in Singapur anstehenden Rennens eine recht komplexe Rochade verkünden werden, in deren Zentrum Alonso steht. Der zweimalige Weltmeister ist mit seinem Motor so unzufrieden, dass er kürzlich seinen Wagen beim Rennen in Spa zur Überraschung seiner Ingenieure einfach abgestellt hat an der Box - obwohl nichts defekt war. Es war eine Tat, die vom Sport hinüberwölbte in die Politik und mit der sich Alonso nun einreihte in die Ahnengalerie berühmter Aktivisten.

Sein Motor treibt Alonso in den Wahnsinn

Der frühere Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso verzweifelt am Antrieb seines McLaren-Honda. Beim Rennen in Spa wirkt es, als wolle er seinen Abschied provozieren. Von Philipp Schneider mehr ...

Alonso ging es um seine Würde

Gut, er rief nicht: "Wir sind hungrig!", wie die mit dem Bau der Königsgräber in Theben beschäftigten Ägypter, jene Erfinder des Streiks, die 1159 v. Chr. die Arbeit niederlegten, weil sie von Pharao Ramses III. seit Tagen nicht mit ihrem Deputat an Getreide entlohnt worden waren. Alonso rief: "Peinlich, wirklich peinlich!" Es ging ihm ja nicht um Getreide. Alonso ging es um seine Würde. Die war nicht länger zu wahren, nachdem er drei Jahre lang mit einem zugleich schwächlichen und unzuverlässigen Motor entlohnt worden war, der eines Alonsos nicht nur aus Alonsos Sicht überaus unwürdig war.

Wenn McLarens Scheidung von Honda wie erwartet vollzogen wird, gibt es niemanden in der Formel 1, der nicht profitiert. Das ist insofern erstaunlich, als dafür ein regelrechtes Scheidungskarussell in Gang gesetzt werden muss und doch niemand verschwindet. Betroffen sind nicht nur Alonso, McLaren und Honda. Betroffen sind Renault, Red Bull und dessen kleine italienische Schwester Toro Rosso. Sowie wohl auch der Spanier Carlos Sainz, 23, eines der begehrtesten Talente der Formel 1, der von Toro Rosso zu Renault wechseln wird. Doch der Reihe nach.

Für McLaren wird die Trennung von Honda teuer. Das Engagement des japanischen Herstellers, der an der Komplexität der in der Formel 1 seit 2014 erforderlichen Turbo-Hybrid-Aggregate verzweifelt ist, bringt der englischen Traditionsschmiede geschätzte 100 Million Dollar. Eingerechnet sind da die Motoren und auch die Hälfte des Gehalts der Fahrer. Daran, dass das Team von Zak Brown diese Kosten ab 2018 alleine tragen muss, lässt sich erahnen, wie groß die Unzufriedenheit sein muss in der Grafschaft Surrey mit einem Motor aus Tokio, der 80 PS weniger Leistung bringt als die Kunden-Aggregate von Mercedes und 50 PS weniger als das von Renault.