Finanzen beim 1. FC Nürnberg "Jetzt ist der Karren im Dreck"

Es geht nun um Tabuthemen: Michael Meeske beim 1. FC Nürnberg.

(Foto: imago/Zink)
  • Die Finanzlage beim "Club" ist besorgniserregend.
  • Der neue FCN-Vorstand Michael Meeske muss nun sogar ein Tabuthema anpacken.
  • Es geht um das Vereinsgrundstück am Valznerweiher, das beliehen werden soll
Von Markus Schäflein

Es war nach 22 Uhr, mehr als siebeneinhalb Stunden lief die Mitgliederversammlung des 1. FC Nürnberg schon, als es um Flurstück 439 ging. Zuvor hatten die Mitglieder von zwei Millionen Euro Minus in der Saison 2014/15 erfahren und einer ähnlichen Prognose fürs laufende Geschäftsjahr. Sie hatten den früheren Vorständen Ralf Woy und Martin Bader scheppernd die Entlastung verweigert.

Von den charismatischen Nachfolgern Michael Meeske (Finanzen) und Andreas Bornemann (Sport) mitreißende und viel beklatschte Reden zu einer vernünftiger geplanten Zukunft und mehr Transparenz gehört. Und zudem vier Aufsichtsräte gewählt, darunter den imposanten "Meerrettich-Baron" Hanns-Thomas Schamel aus Baiersdorf, einen Unternehmer alter Schule, der in seiner Wahlrede nebenbei einen fünfstelligen Betrag für den Club versprach. Da war mancher erschöpft ob all der Eindrücke. Die Frankenhalle, zuvor mit rund 1300 Mitgliedern besetzt, hatte sich um kurz nach zehn deutlich geleert.

"Ich verstehe, dass wir hier an etwas kratzen, das einmal für viele bedeutsam war", sagt Grethlein

Meeskes Satzungsänderungsantrag, über den die Verbliebenen zu befinden hatten, klang zunächst ja auch wenig mitreißend: "Die Mitgliederversammlung möge beschließen, durch eine Erhöhung der bereits vorrangigen Grundschuld, bzw. einen adäquaten Wegfall des Nießbrauchrechts des 1. FCN Dachverein e. V., am Flurstück 439 zu erreichen, dass die Finanzierungsfähigkeit des Vereins zum Zwecke strategischer Investitionen erhöht wird."

Soll heißen: Der Fußball-Zweitligist möchte sein Grundstück am Valznerweiher beleihen - laut Meeske mit rund zehn Millionen Euro, was in etwa dem Wert entspreche, so lange es kein klassisches Bauland sei. Die Laufzeit soll rund 20 Jahre betragen. Dazu müssen nach den Fußballern auch noch die anderen Abteilungen des Dachvereins ihre Zustimmung erteilen, etwa die Schwimmer, die Tennisspieler und die Boxer.

Besonders die älteren Mitglieder, die noch anwesend waren, reagierten kritisch. "Wir waren bisher eisern bedacht, diese Sache nicht anzupacken. Das war immer ein Tabuthema", sagte der frühere Schatzmeister Bernhard Kemper. Das Nießbrauchrecht, so wurde es unter dem früheren Präsidenten Michael A. Roth 1995 geplant, sollte die Abteilungen des Dachvereins vor einer möglichen Insolvenz der Fußballer schützen. Den derzeitigen Vorständen und Aufsichtsräten war die Brisanz des Themas bewusst, nicht ohne Grund war der Antrag erst kurzfristig veröffentlicht und ganz ans Ende gelegt worden. "Das ist für mich keine Transparenz", schimpfte ein Mitglied - und griff so das große Versprechen der neuen Vorstände auf.