Finale der Frauen-Tennistour Abschlussball in Istanbul

Das Finale der Frauen-Tennistour in die Türkei zu vergeben, war ein Risiko. Warum sollte ein Turnier, das lange erfolglos um die Welt gewandert ist, ausgerechnet in einem Land ohne herausragenden Tennisprofi die Menschen interessieren? Die Befürchtungen stellen sich als grundlos heraus: Das Turnier ist ein Hit.

Von René Hofmann

Mintgrün. Natürlich dauerte es nicht lange, bis die Farbe des Platzes für Aufregung sorgte. Das erste Match des Turniers - die Begegnung zwischen der Tschechin Petra Kvitova und der Russin Wera Swonarewa - war erst ein paar Minuten alt, als sich in den Internet-Foren die Fans zu Wort meldeten. Tenor: Das ist hässlich! Und: Vor dem mintgrünen Hintergrund ist der Ball kaum zu erkennen!

Fan-Debatten sind nicht immer ernst zu nehmen. Manchmal aber erzählen sie doch eine Menge. Dass es an den ersten Tagen des Final-Turniers der Frauentennis-Tour WTA dieses Mal oft um die Platzfarbe ging, ist ein gutes Zeichen.

In den vergangenen Jahren waren die Probleme weit drängender. Damals spielten die Frauen in Doha. Der Platz war schön, der Ball war toll zu sehen. Nur: Es sah so gut wie keiner zu. In dem Emirat war die Veranstaltung ein Flop. Ein noch größerer Flop als einige Jahre zuvor, als die Frauen in Los Angeles auftraten - vor so wenig Publikum, dass während der Ballwechsel das Klappern des Bestecks in den Logen zu vernehmen war.

22 Jahre lang - von 1979 bis 2000 - war das Masters, bei dem sich die besten Spielerinnen der Saison noch einmal messen dürfen, im Madison Square Garden in New York ausgetragen worden. Danach begab es sich auf Wanderschaft. Es wurde heimat- und auch ein bisschen seelenlos. Und ein gutes Beispiel dafür, dass so etwas bei einem Sportereignis nicht funktioniert. Nun sieht es so aus, als sei ein Wendepunkt erreicht.

In diesem Jahr wird die Veranstaltung erstmals im Sinan Erdem Dome ausgetragen. In Istanbul. In der Türkei. In einem Land also, das rund 75 Millionen Einwohner hat, 14.000 registrierte Tennisspieler und etwa hundert Tennis-Klubs. Aber keinen herausragenden Profi in dem Sport. Cagla Buyukakcay ist aktuell die beste Türkin in der Weltrangliste; sie wird an Position 208 geführt.

Der Ausflug an den Bosporus war deshalb gewagt. Auch, wenn die Veranstaltung sich früh die Hilfe eines gewieften Profis sicherte: Der Schweizer Markus Günthardt, 54, der auch den Tennis-Grand-Prix in Stuttgart beaufsichtigt, fungiert als Turnierdirektor.

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