Fifa-Ermittlungen US-Justiz sendet Blatter eine Botschaft

  • Die Verhaftung der beiden Fifa-Vizepräsidenten Juan Angel Napout und Alfredo Hawit sind auch eine Warnung an Sepp Blatter.
  • Die geschäftlichen Verwicklungen der Fifa in die USA könnten dabei eine besondere Rolle spielen.
  • Das Urteil der Ethikkommission über den suspendierten Sepp Blatter könnte noch vor Weihnachten fallen.
Von Thomas Kistner

Am Donnerstag wurden in Zürich erneut zwei Fifa-Vizepräsidenten inhaftiert, Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit (Honduras). Kurz darauf schickte Loretta Lynch eine Botschaft aus Washington, als sie den Ermittlungsstand zur Fifa-Korruptionsaffäre darlegte. Ihre Botschaft steckte weniger in der Drohung, dass dieser globalen Fahndung "keiner entkommen wird" - sondern in offenen Worten an den seit Oktober suspendierten Fifa-Chef Sepp Blatter: "Ich glaube, er ist sich der Natur unserer Vorwürfe bewusst. Ich glaube, er hat viel Zeit verbracht, die überholte Anklageschrift zu lesen. Das spricht für sich selbst."

Für sich selbst spricht auch die Warnung der US-Justizministerin. Die Anklageschrift beschreibt detailliert, wie 41 Beschuldigte aus Verbänden und Agenturen auf dem amerikanischen Kontinent bei ihren Rechtedeals 200 Millionen Dollar Schmiergelder untereinander verschoben haben. Weitere zwölf Mittäter bekannten sich schon nach dem ersten Zugriff der US-Justiz am 27. Mai schuldig und kooperieren; darunter Zorana Danis, die Chefin der Sportagentur IMS.

„Ihr werdet es nicht aussitzen, ihr werdet nicht verschwinden, ihr werdet nicht entkommen.“

Loretta Lynch, US-Justizministerin, kündigt an, dass die US-Justiz weitere korrupte Funktionäre im Visier hat.

Dassler war stiller Lenker

1989 hatte ihr Vater die IMS in New Jersey gegründet. Der hieß Blagoje Vidinic und war enger politischer Mitstreiter von Horst Dassler, Adidas-Chef und stiller Herrscher des Weltfußballs. Dassler, der 1987 starb, hatte Leute wie Sepp Blatter für die Spitzenämter im Sport ausgesucht. Und er gründete in der Schweiz die Schmiergeldagentur ISL. Nach dem Bankrott der ISL 2001 flog auf, dass sie 142 Millionen Franken an Funktionäre bezahlt hatte. Für die Fifa war sie die Hausagentur; dokumentiert ist, wie der frühere Generalsekretär Blatter die ISL im Bieterverfahren um die Fifa-Rechte begünstigte. In der Schweiz wurden die Ermittlungen zur ISL-Korruption 2010 eingestellt; die Beschuldigten zahlten Wiedergutmachung: Blatters Amtsvorgänger João Havelange und dessen Schwiegersohn Ricardo Teixeira, Fifa-Vorstand und Fußballboss in Brasilien - sie hatten von der ISL Millionen kassiert. Teixeira steht auch in der neuen US-Anklageschrift. Aber auch die Fifa zahlte damals 2,5 Millionen Franken an die Justiz. Sie war vom Opfer zur Beschuldigten geworden, weil sie die Strafermittlung nicht unterstützt hatte.

Urteile gegen Blatter und Platini vielleicht noch vor Weihnachten

Nach SZ-Informationen interessiert sich die US-Justiz sehr für diese Affäre, die viele Fragen offen ließ - und die Blaupause zur gängigen Sportkorruption lieferte. Insofern dürfte Lynchs Tipp an Blatter weniger auf die Vorgänge in Lateinamerika zielen. Tatsächlich befasst sich die Anklageschrift intensiv mit der Anbindung der als "Unternehmen" definierten Fifa an den US-Finanzsektor. Der Weltverband habe im Ermittlungszeitraum "Milliarden Dollar an Empfänger in den USA oder anderswo über den US-Zweig eines Schweizer Finanzinstituts" bezahlt. Vermerkt wird auch, dass zu den größten Fifa-Sponsoren fünf US-Firmen zählen. Gründlich geht die Justiz auf den Fifa-Ethikcode ein, der Funktionäre zu "aboluter Loyalität" verpflichte und sie in "treuhänderische" Verbindung zur Fifa stellt. Das sei seit 2009 so definiert, im Jahr, bevor die Fifa die Widergutmachungszahlung im ISL-Fall geleistetet hat. Wer hat diesen Millionenschaden verursacht, indem er damals - als Treuhänder der Fifa - nicht mit den Ermittlern kooperierte?

Um treuhänderische Delikte geht es bei Blatter gerade in der Schweiz. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn, weil sie eine von Blatter 2011 veranlasste Zahlung von zwei Millionen Franken an Michel Platini als ungetreue Geschäftsbesorgung sieht. Blatter und Platini stellen die Summe als verspätete Nachzahlung für eine Beratertätigkeit Platinis dar. Das Duo wurde vom Fifa-Ethikkomitee gesperrt, nach SZ-Informationen bot ihnen die Spruchkammer schon Verhandlungstermine vom 16. bis 18. Dezember an. Dann könnten die Urteile noch vor Weihnachten fallen.

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